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Gestrandet im Wartesaal irgendwo im Nichts

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Von: Holger Vonhof

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Gestrandet im verlassenen Wartesaal irgendwo in der Provinz: Die Geschäftsfrau (oben), die dringend zum Termin nach Frankfurt muss, sucht verzweifelt nach einem Handy-Netz; der grantelnde Kfz-Meister (r.) wäre ohnehin lieber mit dem Auto gefahren . . . FOTO: Bernhard Stuck
Gestrandet im verlassenen Wartesaal irgendwo in der Provinz: Die Geschäftsfrau (oben), die dringend zum Termin nach Frankfurt muss, sucht verzweifelt nach einem Handy-Netz; der grantelnde Kfz-Meister (r.) wäre ohnehin lieber mit dem Auto gefahren . . . © Bernhard Stuck

Theaterkreis St. Mauritius steht nach der Corona-Pause wieder auf der Bühne

Drei schon leicht beschickerte Kegelschwestern auf Vereinsausflug drängeln sich mit Sektchen und Speckschnitten durch den Mittelgang des Zuges, als die Durchsage kommt: Wegen eines Triebwerkschadens kann der ICE 6948 nicht bis Frankfurt durchfahren, die Reise endet irgendwo im Nirgendwo, im Wartesaal eines verlassenen Bahnhofs mit zugenageltem Fahrkartenschalter neben einem Taxi-Unternehmen, das seine Pforten schon vor zehn Jahren geschlossen hat - „Senk ju vor träwelling Deutsche Bahn“! Die Bahnhofskomödie „Es fährt kein Zug nach Irgendwo“ von Winnie Abel feiert am Samstag, 12. November, Premiere in der Inszenierung des Theaterkreises St. Mauritius. Und es lohnt sich.

Mit Polizist und Psychopathen

Eine Schar illustrer Passagiere ist es, die da gestrandet ist. Außer den drei süffelnden Kegelschwestern (Yvonne Wachendörfer, Sofie Sharaf und Vivien Treutel) trifft es eine taffe Business-Frau (Nicole Vale), die dringend zum Termin muss, eine übermotivierte Motivationstrainerin (Brigitte Durchholz), einen Verschwörungstheoretiker (Stefan Treutel: „Die Pannen der Bahn sind inszeniert, um von den Pannen der Bundesregierung abzulenken“) sowie den Kfz-Meister Klaus (Jürgen Bleser) und seine Frau Christa (Gabi Krah-Kneisel). Ihm Wartesaal bringt das aufgeregte Völkchen den dort hausenden Landstreicher Reinhold (Markus Kneisel) um den Schlaf. Dann tauchen noch ein amerikanischer Tourist (Christian Stuck), ein Polizist (Hans Hartz) und - ein Psychopath auf. Letzterer wird von Egon Wachendörfer verkörpert. Der 87-Jährige ist der einzige im Theaterkreis St. Mauritius, der eine Schauspielausbildung hat, hat vor Jahrzehnten noch mit Rudolf Rolfs und Reno Nonsens in der „Schmiere“ auf der Bühne gestanden. Aber er schätzt die Professionalität seiner Mitstreiter - und die kann sich durchaus an den Darbietungen mancher Profis messen.

Lotar Raatz sorgt dafür, dass die Qualität stimmt. Er ist der Regisseur der 1987 zur 1100-Jahr-Feier Schwanheims vom Geschichtsverein und der katholischen Gemeinde gegründeten Laiendarstellerschar. Seit Mai, so verrät er, wird geprobt - vor den Sommerferien einmal pro Woche, seit September zwei Mal: „Wir haben einen gewissen Anspruch.“ Gestern Abend ist die Generalprobe über die Bühne des Saals von St. Mauritius gegangen; am Samstag ist Premiere. „Eigentlich haben wir sonst immer freitags Premiere, aber da ist diesmal St. Martin, deswegen sind wir auf den Samstag ausgewichen“, sagt Raatz, der zusammen mit Willi Fritsche auch das Bühnenbild gestaltet hat - mit viel Liebe zum Detail.

Die Technik-Mannschaft um Alfred Henrich, Heinrich Guttmann und Bernhard Stuck lässt zur Hauptprobe das Stampfen der Eisenbahnräder erklingen und das Ding-Dong der Durchsage, das Bernhard Gerber als Bahn-Stimme auf den Plan ruft. Souffleuse Regina Schreiber sitzt mit dem Textbuch vor der Bühne, Heike Raatz (Requisite) sowie Anja Treutel und Erika Zeier (Maske) hören zu. Zu den Vorstellungen werden Michael und Sebastian Durchholz sowie Maria Römer, das Abendkassen-Team, dabei sein, denn: „Es gibt für alle Aufführungen noch Karten“, sagt Lotar Raatz; es herrsche bei älteren Teilen des Stammpublikums etwas Zurückhaltung wegen Corona.

Der dritte Anlauf für dieses Stück

Um auf den gebotenen Abstand zu achten, werde der Verkauf von Lachs-, Salami- und Camembert-Häppchen dieses Jahr anders organisiert; nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen. Aber der Theaterkreis freut sich, dass er wieder spielen kann: „Es ist der dritte Anlauf für dieses Stück. Die letzten beiden Jahre haben wir nach einigen Proben abgebrochen, weil absehbar war, dass es nichts wird wegen Corona“, berichtet der Regisseur. Üblicherweise besuchen 1100 bis 1200 Zuschauer die acht bis neun Aufführungen; dieses Jahr sei man zufrieden, wenn die Tausender-Marke geknackt werde. Das Stück dauert etwa 1 Stunde und 40 Minuten; zwischendrin gibt es eine Pause. Mit den Aufführungen spielt der Theaterkreis St. Mauritius seit Jahren auch Geld für karitative Zwecke im Stadtteil ein. Holger Vonhof

So geht’s zur Vorstellung:

Sa. 12.11. 20 Uhr (Premiere), So. 13.11. 17 Uhr; Fr. 18.11. 20 Uhr; Sa. 19.11 20 Uhr; So. 20.11 15 Uhr; Fr. 25.11. 20 Uhr; Sa. 26.11. 20 Uhr; So. 27.11. 15 Uhr; Eintritt: 10 / 5 Euro, Karten bei Bücher-Waide (Alt Schwanheim 39a) und im Presseshop Hintze (Martinskirchstr. 81) sowie an der Abendkasse, Mauritiusstraße 10.

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