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Nichts zu futtern: Zirkusbetreiber Tino Krämer weiß derzeit nicht, wie er seine Familie und seine Tiere, darunter auch Lamas und Pferde, in den kommenden Wochen ernähren soll.

Spendenaktion

Gestrandeter Zirkus in großer Not

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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RIEDBERG Es fehlt an Tierfutter, Lebensmitteln und Heizöl - Anwohner sammeln Spenden.

Tino Krämer ist sprachlos. Sprachlos, weil der Betreiber des kleinen Cirkus Delmonde nicht mehr weiß, wie er seine Familie und seine Tiere in den nächsten Tagen und Wochen ernähren soll. Aber auch, weil ihn in den vergangenen Wochen eine Welle der Hilfsbereitschaft überrollt hat. Seit Anfang November steht der Zirkus auf der Grünfläche östlich der Altenhöferallee, direkt gegenüber der Sportanlage des SC Riedberg. "Wir sind hier gestrandet", schreibt die Familie auf ihrer Facebook-Seite. Gestrandet nach einem schwierigen Sommer, denn auch an der Zirkusfamilie ist die Corona-Pandemie nicht spurlos vorüber gegangen.

"Drei Vorstellungen konnten wir nur geben. Es kamen nur wenig Zuschauer, denn die Menschen haben Angst", beschreibt Tino Krämer. Und das, obwohl alle Auflagen eingehalten wurden. Maximal 50 Menschen durften ins Zirkuszelt, zwischen den Plätzen wurde ausreichend Abstand eingehalten. Vielleicht, so Krämer, sei es für viele Besucher einfach befremdlich gewesen. In Zeilsheim hätte der Zirkus deswegen auch nur einige Wochen gestanden, ehe die Familie sich im November auf dem Riedberg niederließ, wo sie auch überwintern wollen. Zum ersten Mal.

Probleme mit

den Nachbarn

Normalerweise, sagt Krämer, hätten sie ihr Winterquartier am Nidda-Altarm in Alt-Praunheim aufgeschlagen. So wie auch in den vergangenen Jahren. Doch dort war das Grünflächenamt aktiv, eine Blumenwiese wurde angelegt. Steine und Bäume verhindern seitdem das Befahren mit den Zirkuswagen. Insgesamt 30 davon hat die Familie Krämer, 15 davon sind Wohnwagen. "Es gab auch mit einigen Nachbarn in Praunheim immer wieder Probleme. Wobei die meisten Menschen sich wirklich gefreut haben, wenn wir jedes Jahr wieder gekommen sind", sagt Tino Krämer.

Auf dem Riedberg hingegen sei man mit offenen Armen empfangen worden. Immer wieder hätten Nachbarn bei den bunten Wagen vorbeigeschaut und sich erkundigt, ob man irgendwie helfen könnte. "Hilfe brauchen wir wirklich überall. Es fehlt uns an allem, was man zum Leben braucht. Denn keine Vorstellungen bedeuten auch keine Einnahmen", sagt Tino Krämer, der sich deswegen über jegliche Spende freut. Am meisten mangele es derzeit an Futter für die 14 Vierbeiner - Pferde, Hängebauchschweine, Lamas, Ziegen und Hunde. Heu, Stroh und Karotten, zählt Krämer auf, würden benötigt. Aber auch Lebensmittel für die achtköpfige Familie fehlen, ebenso wie Heizöl und Gasflaschen. "Eigentlich haben wir gar nichts mehr", ist Krämer deswegen umso glücklicher über die Hilfsbereitschaft der Riedberger und Kalbacher, die nicht nur Sachspenden vorbeibringen.

Große

Hilfsbereitschaft

Über die Facebook-Gruppe "Riedberger Net(t)zwerk" haben sie sich zusammengeschlossen und eine Spendenaktion für den Zirkus ins Leben gerufen. Knapp 100 Kommentare hat der Aufruf bereits, mehr als 2000 Euro sind binnen weniger Tage so zusammengekommen. Noch bis zum 18. Dezember soll die Spendensammlung weitergehen. "Der Zirkus kämpft wirklich ums blanke Überleben", schreibt ein Nutzer, der sich selber ein Bild von der aktuellen Situation gemacht hat. Auch Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU) ist beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Bürger. "Wichtig war, dass gemeinsam und geordnet gesammelt und dem Zirkus übergeben wird. So kann es dort verwendet werden, wo es wirklich gebraucht wird", sagt sie.

Tino Krämer und seine Familie betreiben den kleinen Zirkus mittlerweile in siebter Generation, auch der Zirkus Krämani gehört der Familie. "Erst wurde er von meinem Vater betrieben, dann hat mein Bruder ihn übernommen", sagt Krämer. Seit einem Jahr stünde der Zirkus nun in Eckenheim und habe die gleichen Probleme. "Wir werden in dieser Zeit irgendwie vergessen. Kleine Zirkusse haben es sonst schon sehr schwer, aber die zweite Corona-Welle könnte wirklich dazu führen, dass es uns schon bald nicht mehr gibt", sagt Tino Krämer. Deswegen versucht er, sich ein zweites Standbein, zumindest in der Vorweihnachtszeit, aufzubauen. Und so verkauft der Zirkusdirektor neben dem bunten Zelt, in dem sonst Artisten an Trapezen turnen, Bälle jongliert und Tiere dressiert werden, Weihnachtsbäume. "Wir versuchen wirklich alles, um zu überleben." Judith dietermann

Kontakt

Wer dem Cirkus Delmonde helfen möchte, kann sich bei Tino Krämer melden. Er ist unter 01 63-8 87 32 74 erreichbar.

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