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Gesunde Bäume sollen nicht für neues Gräberfeld weichen

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Von: Matthias Bittner

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Auf dem Hauptfriedhof gibt es über 6000 Bäume. FOTO: archiv
Auf dem Hauptfriedhof gibt es über 6000 Bäume. © wein

Parteien drängen auf Erhalt des Bestandes auf dem Hauptfriedhof - Grünflächenamt sucht Alternative

Knapp eine Woche nachdem angekündigt worden war, dass für ein muslimisches Gräberfeld im Gewann N auf dem Hauptfriedhof 18 Bäume gefällt werden sollen, rudert das Grünflächenamt jetzt zurück: "Wir werden zunächst keine Bäume fällen und weitere Abstimmungsgespräche führen. Alternative Standorte werden erneut geprüft", sagt Lena Berneburg vom Grünflächenamt auf Anfrage.

Ein wertvolles Naherholungsgebiet

Offenbar hat es nach der Mitteilung über die bevorstehende Rohdung schon Kritik gegeben und das Amt wollte vorsorglich wütenden Protesten von Bürgern vorbeugen. Das sind aber nur Spekulationen. Fakt ist allerdings, dass sich im Ortsbeirat 3 (Nordend) Widerstand formierte. CDU und Grüne legen für die morgige Sitzung (19.30 Uhr im Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Straße 24) einen gemeinsamen Antrag vor. Darin fordern sie, dass die 18 gesunden Bäume erhalten werden sollen. "Überall ringen wir um den Erhalt von Bäumen und dann sollen ausgerechnet auf dem Hauptfriedhof gesunde gefällt werden", sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Ehrhardt. Grünensprecherin Gabriele Trah fügt an: "Neue Gräberfelder dürfen nur dort entstehen, wo keine Bäume davon betroffen sind."

Der Hauptfriedhof ist mit seinem alten Baumbestand das wertvollste Naherholungsgebiet des Nordends, gleichzeitig ein einzigartiges Naturreservat, das unter allen Umständen erhalten und geschützt werden muss, heißt es in dem gemeinsamen Papier. In den vergangenen Jahren seien viele Gräberflächen auf dem Hauptfriedhof in Freiflächen, etwa Blühwiesen umgewandelt worden, weil die Nachfrage nach Erdgrabstätten stetig abnehme. Weite Teile des Hauptfriedhofes würden deshalb künftig nicht mehr als Gräberfelder ausgewiesen. Im Zuge dieser Umgestaltung zu einem Ort der Naherholung habe sich der Ortsbeirat stets für die Bewahrung der Bedeutung des Hauptfriedhofs als Kulturort eingesetzt.

Bestattet in jungfräulicher Erde

110 Gräber soll das geplante Gräberfeld auf dem Hauptfriedhof haben. Es wäre das erste Gräberfeld für Muslime auf dem zentralen Gottesacker. Gemäß ihren Bestattungsriten gibt es für muslimische Bestattungen einiges zu beachten: Am besten sollten Muslime in "jungfräulicher Erde" bestattet und die Knochen nie aus der Erde geholt werden. Das heißt aber: Plätze, wo früher abgeräumte Gräber waren, kommen nicht in Frage. Außerdem müssen muslimische Gräber präzise in Richtung Mekka ausgerichtet sein. Berücksichtigt man diese Punkte, wird es trotz vieler Freiflächen schwierig, einen Platz für muslimische Gräber auf dem Hauptfriedhof zu finden.

In Frankfurt gibt es laut Berneburg zwei muslimische Grabfelder: Eines auf dem Friedhof Heiligenstock, eines auf dem Südfriedhof. "Die Nachfragen steigen und wir müssen darauf reagieren, wenn wir unserer kommunalen Grund- beziehungsweise Pflichtaufgabe gerecht werden wollen", sagt Berneburg. Matthias Bittner

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