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Am Frankfurter Flughafen werden täglich eine Million Liter Kerosin verbrannt. Ob das gefährlich für die Anwohner unterhalb der Einflugschneisen ist? Darüber wird noch gestritten. Die Bürgerinitiativen befürchten Schlimmes und laden zur Infoveranstaltung in den Schwanheimer Wald.

Bürgerinitiativen informieren

Gesundheitsgefahr aus der Luft

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Das neue Schreckgespenst der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau ist der Ultrafeinstaub. Die klitzekleinen Partikelchen stehen unter Verdacht, gefährlich für die Gesundheit zu sein. Für den kommenden Freitag laden deshalb die BIs aus Niederrad, Goldstein und Schwanheim zu einer Infoveranstaltung mit zwei Experten ein.

Dieser Tage spricht alle Welt von den drohenden Diesel-Fahrverboten in den Großstädten der Republik – auch in Frankfurt, denn auch hier sollen doch ab Februar 2019 keine Diesel mehr mit Euro-4-Motoren und älter in die Stadt fahren dürfen. Zu oft wurden die Grenzwerte für Stickoxide überschritten.

Doch was ist eigentlich mit den Flugzeugen, die Tag für Tag, Stunde um Stunde über die südlichen Frankfurter Stadtteile donnern? Immerhin werden bei der Verbrennung von Treibstoff in Flugzeugmotoren Ultrafeinstaubpartikel, die kleiner als 100 Nanometer sind, freigesetzt. Seit Jahren stehen die winzigen, nicht sichtbaren Körnchen im Verdacht, gefährlich zu sein und Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Demenz auszulösen. Es gibt erste Studien dazu, als belegt gilt der Zusammenhang aber nicht. Die Forschung ist noch nicht so weit.

Auch ob die Überflüge wirklich eine erhöhte Konzentration der Partikel am Boden verursacht, konnte noch nicht belegt werden. Die Wissenschaft arbeitet aber an diesem Thema. Seit September 2017 führt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) eigenen Messungen zu den Ultrafeinstäuben an zwei Messstationen in Schwanheim und Raunheim durch. Der Zwischenbericht der Studie geht davon aus, dass der Flughafen eine „bedeutsame Quelle für ultrafeine Partikel“ in der Umgebungsluft ist. Wenn in Schwanheim der Wind nämlich vom Flughafen her wehte, sei die Konzentration im Durchschnitt sechsmal höher gewesen als bei Wind aus anderen Richtungen. Nachts, wenn am Airport die Arbeit ruht, würden die Werte allerdings nicht ansteigen. Die Behörde geht davon aus, dass der Bodenverkehr auf dem Airportgelände den Ultrafeinstaub erzeugt.

Die Stadt Frankfurt will sich nun auch an den Untersuchungen beteiligen. Das Umweltdezernat hat inzwischen zwei mobile Messstationen gekauft, die bald in Sachsenhausen, genauer gesagt im Turm der Bergkirche und auf dem Gelände der Martin-Buber-Schule installiert werden sollen.

Die Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau beschäftigen sich schon seit Jahren mit diesem Thema. Vorreiter war dabei stets die Mainzer BI, die sich sogar ein eigenes Messgerät angeschafft hat, um die Ultrafeinstaubpartikel in der Luft nach einem Überflug zu zählen. Mit dem Ergebnis: „Die Anzahl der Partikelchen in der Luft pro Kubikzentimeter steigt an, nachdem eine Maschine über die Messstation hinweggeflogen ist“, erklärte Experte Wolfgang Schwämmlein bei einer Veranstaltung der BI Sachsenhausen. Er rechnete vor: Nach einem Überflug wuchs die Anzahl von 24 000 Partikeln pro Kubikzentimeter Luft um das 1,5-fache. Auch in Mainz-Hechtsheim stieg die Zahl der Partikel beim Überflug am Tag der Messung, bis am Vormittag ein Wechsel der Flugrichtung erfolgte und eine Stunde lang kein Betrieb herrschte, da ging plötzlich die Zahl der Partikel in der Luft zurück.

Zu ähnlichen Erkenntnissen kommen auch Untersuchungen aus dem Ausland, auf welche die Bürgerinitiativen immer wieder hinweisen. So wurde rund um den Flughafen in Los Angeles bestätigt, dass der Ultrafeinstaub aus Flugzeugen im Bereich bis zu zehn Kilometer um einen Airport die Luftverschmutzung dominiert. Bei der Untersuchung von Vorfeld-Mitarbeitern auf dem Flughafen von Kopenhagen hingegen wurde eine erhöhte Krankheitsrate durch Ultrafeinstaub festgestellt, zahlreiche Krebsfälle wurde auf die kleinen Partikelchen zurückgeführt.

Mehr darüber werden Wolfgang Schwämmlein und der Mediziner Ferdinand Stegbauer am Freitag, 19. Oktober, erzählen. Dann laden die BIs aus Niederrad, Schwanheim und Goldstein zu einer Infoveranstaltung am Mess-Container am Schwanheimer Sportplatz ein. Treffpunkt ist um 17 Uhr der Parkplatz an der Schwanheimer Bahnstraße 98. Alternativ kann man sich auch um 16.45 Uhr an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 12 an der Rheinlandstraße mit Vertretern der BIs treffen und gemeinsam in den Wald laufen.

(jlo)

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