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Gesungenes Signal der Solidarität

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Von: Detlef Kinsler

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Country und doch viel mehr - Wolf Schubert-K. und Band in der Fabrik

Seit November hat Wolf Schubert-K. kein Konzert mehr gegeben. Umso mehr freut er sich auf seinen ersten Termin im schon nicht mehr ganz so jungen neuen Jahr: Morgen, 12. April, in der Fabrik im Mittleren Hasenpfad 5.

Seinen ersten Auftritt dort hatte er als Gast des Musikerkollegen Biber Herrmann. "Da habe ich nur ein paar Song gespielt, aber das war mein Türöffner", erzählt der Sänger und Gitarrist. Danach gab es bald ein eigenes Konzert, ein weiteres folgt nun. "Es ist für mich schon eine Hausnummer, in der Fabrik aufzutreten", spielt Schubert-K. auf die Größe des Gewölbes an. "Diesmal sind sie von sich aus auf mich zugekommen, das habe ich gar nicht erwartet. Das hat mich gefreut und ich bin auch ein bisschen stolz."

Lockdown brachte sie zusammen

In den Mittlerer Hasenpfad kommt Schubert-K. mit Julia Embers am Kontrabass und Steffen Huther an der Sologitarre. Das neue Trio ist in kürzester Zeit zu einer echten Band zusammen gewachsen. "Weil wir uns auch persönlich sehr gerne mögen", verrät Schubert-K. "Wir proben meist bei Steffen zu Hause, er kocht uns ein gutes Essen und wir zelebrieren diese Zusammenkünfte richtig." Die Band war so überhaupt nicht geplant. Im Lockdown im Herbst 2020 meldete sich Julia Embers, die eine Hälfte des Folk-Duos Romie bei Schubert-K. "Sie hatte sich einen Kontrabass gekauft und fragte, ob sie mal einige meiner Songs begleiten könne. Wir haben uns dann dazu an ein paar ollen Kamellen von Hank Williams und den Everly Brothers probiert", erinnert er sich an die erste Session.

Wie ihre Stimmen dabei harmonierten begeisterte die beiden. Irgendwann rief dann Steffen Huther von der befreundeten Gruppe Candyjane bei Schubert-K. an. Auch er hatte mangels Auftritten nichts zu tun und gesellte sich zu den beiden.

Neue Version von Folk und Blues

Gemeinsam erarbeiteten sie neue Versionen der von Folk, Blues und Country geprägten Songs des Bandleaders. Im Dezember 2019 hatte der mit "Odyssey" eine Werkschau veröffentlicht, um damit auf eine gut dreißigjährige Musikerkarriere zurückzublicken.

Seine berührende Geschichten über seine emotionalen Berg- und Talfahrten, die Sackgassen, in die er dabei geraten war und die Auswege, die er daraus wieder fand, wurden einmütig in den Kritiken gelobt. Voller Elan wollte Schubert-K. seine abenteuerliche, mit Hindernissen gespickte Biografie mit seinem Publikum teilen, doch alle geplanten Konzerte fielen der Pandemie zum Opfer. Erst mit den Open Airs im Sommer 2021 nahm das Konzertgeschehen wieder Fahrt auf.

Die drei spielten zum Beispiel im Frankfurter Garten am Ostbahnhof, beim "Pop Up HoRsT" in Griesheim, auf der Sommerwerft am Main, aber auch in der Region, so in den Kulturgärten in Mainz. Die vor Ort gewonnene Energie münzte das Trio gleich in die Produktion erster Stücke eines neuen Albums mit dem Arbeitstitel "Crooner" um. Das soll noch in diesem Jahr erscheinen. Der Titel verdeutlicht: es wird ruhiger werden. Die wilden Jahre sind für Schubert-K. vorüber, er setzt auf eine leisere Dynamik.

Aus den Bahn geworfen

"Free Spirit" hieß eine frühere Platte. Dieser freie Geist war geschockt, als sich die Nachricht des Krieges in der Ukraine verbreitete. "Das hat mich total aus der Bahn geworfen", gesteht Schubert-K. "Das ging so weit, dass ich mich gefragt habe, ob es überhaupt noch Relevanz hat, Musik zu machen." Freunde überzeugten ihn weiter zu machen, nicht nur weil Musik ablenken oder Trost spenden kann. Für die Hilfs- und Spendenaktion "Folk Town - Songs of Peace and War" des Berliner Songwriters Tobias Panwitz zugunsten der Ukraine hat er sein Lied "Time To Get Up" umgetextet. Er wird es als Signal der Solidarität auch in der Fabrik spielen. DETLEF KINSLER

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