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Frankfurt

Gesunkenes Hausboot aus dem Main geborgen

Das Anfang Januar im Main bei Frankfurt havarierte Hausboot ist am Samstag geborgen worden. Den Helfern bot sich dabei ein Bild der Zerstörung

Noch liegt Richard Klings Hausboot auf dem Grund des Mains. Kaltes Wasser fließt durch sein Wohnzimmer. Hilfskräfte der Feuerwehr und des THW bereiten sich geschäftig darauf vor, das zu ändern. „Mein Hausboot ist nur noch eine Ruine. “, sagt Kling, 58, bevor sein Heim am Samstag von einem gewaltigen 500-Tonnen-Kran geborgen wird. Man merkt, dass sich Kling keine Hoffnung erlauben will, sich ihrer aber nicht ganz erwehren kann. Er ist ein stämmiger Mann und eine gemütliche Frohnatur. Auch mancher Helfer ist optimistisch. „Das ist schon ein stabiles Ding, das er da gebaut hat“, sagt Reinhard Ries, Chef der Frankfurter Feuerwehr. Dass das Hausboot auseinanderbrechen könnte, wenn es an vier Ankerpunkten angehoben wird, glaubt er nicht. „Aber man weiß nie.“

Anfang Januar wollte Bäckermeister Kling sein Hausboot von seiner Anlegestelle im Ostend zum nahen Osthafen bringen, wegen des hohen Wasserstandes. Doch kurz vor der Kaiserleibrücke gab es einen Schlag. Sein schwimmendes Heim neigte sich zur Seite und sein halber Hausrat rauschte Kling entgegen, spülte ihn von Bord. Mit dem etwa 15 Meter langen und fünf Meter breiten Hausboot versank, was Kling sein Lebenswerk nennt. Jahrelang hatte er daran gebaut: von den vier Pontons, auf dem das Haus wie ein Katamaran schwamm, bis zur Werkbank neben der begrünten Terrasse. Wie viel Liebe Kling in das Bootshaus gesteckt hatte, konnte jeder erahnen, der es einmal betreten hat. Selbst eine automatisierte Anlage zum Bewässern der Pflanzen hatte der Bäckermeister selbst ausgetüftelt. Die Kosten des ganzen Baus hat Kling nie gezählt.

Weil sein 20 Tonnen schweres Hausboot so ein „stabiles Ding“ ist, plante die Feuerwehr erst gar nicht, es an Land zu zerlegen und in Teilen zu transportieren. Es sollte nur ein Stück angehoben werden, damit das THW die vier Pontons auspumpen kann. Dann sollte das Hausboot wieder schwimmen und von einem Schiff in den Osthafen gezogen werden. So war der Plan, den Feuerwehrchef Ries seinen Männern kurz vor Einsatzbeginn noch einmal schilderte.

Rund 40 Mann unterstützen Kling. Bei jedem Schritt ist er dabei, als habe er schon immer zu ihren Teams gehört. „Das Hausboot liegt nicht in der Fahrrinne“, sagt Norbert Hübscher, Leiter der Wasserschutzpolizei in Frankfurt. „Darum liegt es in der Verantwortung des Besitzers, das Objekt aus dem Main zu entfernen.“ Der Einsatz der Feuerwehr und des THW kostet Kling nichts. „Für uns ist es kein Einsatz“, sagt der Sprecher der Feuerwehr Frankfurt. „Es ist eine Übung.“ Eine Situation wie diese, gebe es nicht oft. Für die Hilfskräfte sei es eine gute Gelegenheit die Zusammenarbeit auf dem Wasser zu trainieren. Zum Dank baute kling ein Versorgungszelt auf. Bockwürste, Suppe, Kaffee und jede Menge Kuchen hat der Bäckermeister für die Helfer aufgefahren.

Doch trotz ihrer Hilfe kostet die Bergung ein kleines Vermögen. „15 000 Euro zahle ich allein dafür, den Kran einen Tag zu nutzen“, sagt Kling. Mit einer Spendenaktion unter www.gofundme.com unterstützt Klings Tochter Lisa ihren Vater. Knapp 12 000 Euro kamen schon zusammen.

Das Geld wird Kling brauchen, denn der Bergungsplan ging nicht auf. Eines der Pontons lief immer wieder voll Wasser. Zum späten Nachmittag entschied Kling, das Boot an Land zu heben. So trat nicht nur das verschlammte Interieur zutage, sondern auch ein langer Riss im Unterbau. So bekam man das Hausboot nicht in den Osthafen. Den teuren Kran brauchte Kling einen Tag länger, um am Sonntag den Ponton reparieren zu können. Doch auch das gelang nicht. Sein Heim liegt nun am Ufer. „Was wir nun machen, ist noch unklar“, sagte Lisa Kling. Doch ihr Vater verkrafte die Enttäuschung gut. Er habe schon Pläne für ein ganz neues Hausboot.

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