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Leistungsträger: Sammy Matroudzadeh (rechts) ist einer der Spieler in der Makkabi-Reserve, der über Erfahrung aus höheren Ligen verfügt.

Gewachsene Einheit

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Die wieder ins Leben gerufene Zweite Mannschaft des TuS Makkabi hat eine erstaunliche Entwicklung hingelegt.

Drei Punkte und der gewonnene direkte Vergleich gegen Verfolger Concordia Eschersheim II sprachen in der Kreisliga B Frankfurt (Gruppe 2) am Ende doch relativ deutlich für die Zweite Mannschaft des TuS Makkabi, die also verdient Meister wurde und künftig in der A-Klasse Fußball spielt. Seit dem elften Spieltag hatte das Team von Trainer Ariel Leibovici Platz eins nicht mehr abgegeben.

Im Winter 2016/17 hatte Makkabi seine Zweite Mannschaft noch vom Spielbetrieb abgemeldet. Zu gering waren Trainingsbeteiligung und allgemeines Interesse. Doch mit Ariel Leibovici, der nach 14 Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrte, kam damals auch ein entschlossener und fußballbegeisterter Mann in den Verein zurück. Der heute 34-Jährige hatte nach der von ihm mitinitiierten Gründung von Makkabi Köln dort erste Erfahrungen als Senioren-Trainer gesammelt, nachdem er früher auch schon in Frankfurt Jugendtrainer gewesen war. Er wurde bei Frankfurts Makkabi-Boss Alon Meyer vorstellig und breitete seine Pläne zur Reaktivierung einer Reserve aus. „Anfangs wurden wir belächelt. Dann hat man uns machen lassen und mit den Erfolgen kam auch eine positive Wahrnehmung“, so Leibovici über die Entwicklung.

Zunächst hätten sich einige wenige junge Männer zum „lockeren Kicken ohne geregeltes Training“ getroffen, berichtet der Coach, der bei Makkabi Deutschland arbeitet und auch dort viel mit jungen Leuten zu tun hat: „Ich war lange weg und hatte wenig Kontakte in Frankfurt, also habe ich über Aushänge an der Uni und in sozialen Netzwerken Leute gesucht und auch sonst über alle verfügbaren Kanäle. Es geht ja auch darum, Studenten und Berufsanfängern, die nach Frankfurt kommen, eine Anlaufstelle zu bieten. Als im Juni die Frage aufkam, ob wir uns für die Runde anmelden sollen, waren schon 20 Mann dabei – also haben wir es gewagt.“

Was für eine Mannschaft sich aus der ersten Gruppe von Freizeitkickern entwickelte, macht Leibovici bis heute stolz. „Es sind WGs entstanden, Leute sind zusammen in Urlaub gefahren und dabei kamen Freundschaften heraus. Und das hat zusammen mit den Erfolgen auf dem Platz dazu geführt, dass wir immer gut arbeiten konnten – es wollte natürlich keiner mehr etwas verpassen.“

Fußballerisch passte sich Makkabi II den Gegebenheiten an. „Wir haben ja fast nur auf Asche am Fernsehturm trainiert und uns deshalb auf einen einfachen Stil festgelegt, ein laufintensives Spiel mit aggressivem Pressing. Unser Plan war, dem Gegner den Ball zu geben und ihn früh zu stören und zu Fehlern zu zwingen. Das hat meistens funktioniert“, so Leibovici. Wobei es durchaus auch andere Spiele gegeben habe: „Gegen gute Mannschaften wie Nieder-Erlenbach, die Concordia oder Rödelheim musste man schon auch mal das Spiel machen – das hat aber auch ganz gut funktioniert. Auch da war wichtig, dass man auch über die 70. Minute hinaus läuferische Akzente setzen konnte.“ Für spielerische Qualität hätten einige höherklassig erfahrene Akteure gesorgt, die sich studien- oder berufsbedingt nun mit zwei Trainingseinheiten pro Woche und dem Spiel auf Kreisebene abgefunden hätten. Torjäger Lukas Grolle (28 Treffer), Sammy Matroudzadeh und Aliaksei Malyshau nennt der Coach als Schlüsselspieler. „Das Wichtigste und eigentlich Sensationelle aber war, dass wir so schnell eine Mannschaft wurden.“

Dass in der A-Klasse neue Herausforderungen warten, ist Leibovici klar. „Das ist natürlich etwas ganz anderes, denn man hat jede Woche Gegner auf dem Niveau, auf dem in der B-Klasse nur die Spitzenmannschaften waren. Dazu kommt die Gewissheit, dass die Mannschaft lernen muss, auch mit Niederlagen umzugehen.

„So etwas wie ein 0:5 haben wir ja noch nicht erlebt. Letzte Saison, das war ja ein komplettes Jahr lang Weihnachten, da sind wir von Sieg zu Sieg gezogen. Jetzt kommt eben eine neue Komponente dazu. Und ich denke, das braucht man auch, um ein richtiges Team zu werden – Niederlagen muss man tolerieren können und aus ihnen lernen“, unterstreicht der Trainer. Die Chancen dazu dürfte es geben. Genauso wie Gelegenheiten, so Fußball zu spielen, wie sich Leibovici das grundsätzlich vorstellt: „Ich bin immer für eine gesunde Mischung aus ordentlichem und frechem Fußball zu haben.“

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