Wurfgeschosse, Schläge, Pöbeleien

Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt in Frankfurt zu

  • Julia Lorenz
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Besonders häufig sind Polizisten Ziel von Angriffen. Aber auch Feuerwehr und Rettungssanitäter werden attackiert. Die Täter sind großteils Männer

Frankfurt -Diese Bilder sind vielen noch im Gedächtnis haften geblieben. Erst vor wenigen Wochen haben feiernde Menschen auf dem Opernplatz Flaschen nach einigen Polizisten geworfen, die einem verletzten Mann helfen wollten. Doch Angriffe auf Polizisten sind kein neues Phänomen. Immer wieder werden sie beschimpft und beleidigt. Aber auch Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute werden angepöbelt oder bei der Ausübung ihrer Arbeit behindert. Trauriger Höhepunkt allein in diesem Jahr war, als im Mai bei einer Demonstration am Mainufer ein 20 Kilogramm schwerer Blumenkübel nach Polizisten geworfen und eine Beamtin nur knapp verfehlt wurde.

In den vergangenen Jahren hat die Gewalt gegenüber Einsatzkräften zugenommen. Besonders häufig sind dabei Polizisten die Opfer. Das geht aus einem aktuellen Magistratsbericht hervor. Demnach gab es 855 Übergriffe auf Polizisten, Rettungskräfte, Feuerwehrleute und Justizvollzugsbeamte. 2016 lag die Zahl noch bei 697, 2017 bei 747 und 2018 bei 754. Die Zahlen stammen aus der polizeilichen Kriminalstatistik.

Im Jahr 2019 gab es 1790 Opfer

Die meisten Übergriffe sind demnach mit 809 gegen Polizisten zu verzeichnen. Auf Justizvollzugsbeamte gab es acht Übergriffe, auf Feuerwehrleute zwei und auf Rettungssanitäter 22. Drei Übergriffe gab es zudem auf Zollbeamte und elf auf sonstige Amtsträger wie Soldaten.

Die Zahl der Opfer ist sogar doppelt so hoch - was dem Magistratsbericht zufolge daran liegt, dass vor allem Polizeistreifen meist zu zweit unterwegs sind. Während es also 2016 noch 1387 Oper von Angriffen auf Einsatzkräfte gab, waren es 2019 schon 1790. Auch hier ist es wieder so, dass zu den Opfern am häufigsten Polizisten zählen, nämlich 1729 im vergangenen Jahr. Zudem wurden fünf Zollbeamte, zehn Vollstreckungsbeamte, zwei Feuerwehrleute, 29 Rettungssanitäter und 16 sonstige Amtsträger Opfer von Gewalt. Die Tatverdächtigen waren großteils in den vergangenen Jahren Männer (mehr als 85 Prozent) und älter als 21 Jahre (mehr als 80 Prozent).

Auffällig: Der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen ist in den vergangenen vier Jahren leicht gestiegen. Waren 2016 noch 13,5 Prozent und 2017 12 Prozent der Tatverdächtigen, die Einsatzkräfte angriffen, Frauen, waren es im vergangenen Jahr 14,4 Prozent. Nur 15,2 Prozent der Tatverdächtigen war 2019 jünger als 21 Jahre. 2016 lag dieser Wert noch bei 21,3 Prozent. Mit dem Bericht reagiert der Magistrat auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Römer, die wissen wollte, wie sich die Zahlen von Angriffen auf Einsatzkräfte in den vergangenen vier Jahren entwickelt haben, ob es Informationen zu den Tätern gibt und was der Magistrat außerdem unternimmt, um dieser Negativentwicklung entgegen zu wirken.

Neue Kampagne soll Wertschätzung fördern

"Vor dem Hintergrund, dass zunehmend Gewalt gegen Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr zu verzeichnen ist, hat die Geschäftstelle des Präventionsrates zusammen mit Landes- und Stadtpolizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten die Kampagne für mehr Respekt von Helfenden initiiert", heißt es dazu in dem Magistratsbericht. Die Kampagne startete Anfang 2020 mit Plakaten, die überall in der Stadt aufgehängt wurden. Darüber hinaus seien weiterere Aktionen unter Beteiligung von Jugendlichen und Heranwachsenden geplant. Die Wertschätzung von Einsatzkräften soll bereits in der Schule gefördert werden.

Hessenweit gibt es rein statistisch gesehen täglich fünf bis sechs Übergriffe allein auf Polizisten. Insgesamt sind laut einer Antwort des hessischen Innenministeriums auf eine entsprechende Anfrage im Landtag im vergangenen Jahr 2052 Gewalttaten auf Einsatzkräfte verzeichnet worden. Zudem wurden immer mehr Polizisten Opfer von Gewalt. Waren es 2014 noch 3207 Beamte, lag die Zahl 2019 schon bei 4100. die Zahl der Angriffe auf Rettungssanitäter stieg von 41 im Jahr 2014 auf 84 im vergangenen Jahr.

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