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Auch gegenüber Ärzten nimmt Gewalt zu

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Gewalt gegen Helfer beschäftigt Politik und Wissenschaft

Welche Berufsgruppen sind betroffen?

Die Aggressionen richten sich gegen alle Helfer und Einsatzkräfte. Naturgemäß sind am häufigsten Polizisten betroffen. Aber auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte werden regelmäßig angegangen. Nach Einschätzung des hessischen Innenministeriums spielen bei der sinnlosen Gewalt oftmals „Respektlosigkeit und auch Imponiergehabe eine wichtige Rolle“.

70-Jähriger muss sich verantworten, weil er zwei Sanitäterinnen bei einem Einsatz verletzt haben soll

Wie häufig sind Übergriffe?

2017 registrierten die hessischen Behörden mehr als 3500 Übergriffe auf Polizisten, 8 auf Feuerwehrleute und 53 auf Rettungsdienste. In den Zahlen sind sowohl Angriffe in Praxen und Kliniken als auch bei Einsätzen außerhalb erfasst.

Welche Ursachen haben die Übergriffe?

In der Studie der Hochschule Fulda wurden die Mitarbeiter in den Notaufnahmen auch gefragt, was ihrer Ansicht nach Übergriffe auslöst. Die Annahmen dürften auch in anderen Bereichen zutreffen. Am häufigsten werden genannt: Alkohol oder Drogen (85,5%), lange Wartezeiten (83,3%), Verwirrtheit (55,1%), Unzufriedenheit mit der Versorgung (44,9%) und Verständigungsprobleme (37,7%).

Wie wehren sich die Opfer?

Im Februar 2018 gab es eine Demonstration unter dem Motto „Hände weg! Wir sind Eure Rettung“. Organisiert hatte sie die Frankfurter Feuerwehr, aber auch viele Sanitäter gingen mit auf die Straße, Ein halbes Jahr später zog einer der Organisatoren eine ernüchternde Bilanz: Die Situation im Alltag habe sich nicht geändert. Aber immerhin: „Die Bevölkerung hat wahrgenommen, dass wir ein Problem haben“, sagte der Frankfurter Feuerwehrmann Erik Brumm im Sommer.

Wie sieht es bei Ärzten aus?

„Die zunehmende Gewalt gegenüber Ärzten ist kein gefühltes Problem“, sagt Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen. Allerdings gebe es keine verlässlichen Zahlen. Um das Ausmaß abschätzen zu können, richtet die Landesärztekammer gerade eine Meldestelle für Gewalttaten an medizinischem Personal in Hessen ein. Die Kammer sammelt auch Argumente für eine Gesetzesänderung: Der Straftatbestand tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte schließt bislang Ärzte aus Klinik und Praxis nicht ein.

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