Vier in Formation fliegende "Objekte" über der Stadt Salem im US-Bundesstaat Massachusetts wurden von einem Kameramann der amerikanischen Küstenwache am 16. Juli 1952 um 9 Uhr 35 vormittags beobachtet. Das Bildmaterial wurde der amerikanischen Abwehr zur Überprüfung übermittelt, bevor es zur Veröffentlichung freigegeben wurde (undatiertes Archivfoto/dpa).
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Vier in Formation fliegende "Objekte" über der Stadt Salem im US-Bundesstaat Massachusetts wurden von einem Kameramann der amerikanischen Küstenwache am 16. Juli 1952 um 9 Uhr 35 vormittags beobachtet. Das Bildmaterial wurde der amerikanischen Abwehr zur Überprüfung übermittelt, bevor es zur Veröffentlichung freigegeben wurde (undatiertes Archivfoto/dpa).

Ufo-Forscher

"Es gibt Phänomene, die wir nicht erklären können"

  • Christophe Braun
    vonChristophe Braun
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Bis zu 300 Meldungen von Ufo-Sichtungen über Deutschland erreichen Marius Kettmann jedes Jahr. Im Interview erklärt der Ufo-Forscher, wie er solche Bericht untersucht, warum Ufo-Forschung keine Esoterik ist - und verrät, was er Menschen sagt, die von Außerirdischen entführt worden sind.

Markus Kettmann, 35, ist Vorsitzender der Deutschsprachigen Gesellschaft für Ufo-Forschung. Im Interview erklärt der studierte Militärhistoriker, warum Ufo-Forschung keine Esoterik ist - und analysiert eine Ufo-Sichtung über Frankfurt-Sachsenhausen.

Herr Kettmann, haben Sie mal ein UFO gesehen? 

Kettmann: Ja, 1997, über einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt. Ich und eine weitere Zeugin haben damals ein fliegendes Objekt beobachtet, halbrund, mit Lichtern. Dieses Ding hat ein paar Minuten lang seltsame Manöver gemacht, dann ist es verschwunden. Eine beeindruckende Erfahrung.

Wow - Sie haben eine richtige fliegende Untertasse gesehen? 

Kettmann: Ich weiß nicht, was ich gesehen habe – nur, dass ich etwas gesehen habe. Die Abkürzung „Ufo“ steht für „unidentifiziertes Flugobjekt“ – nicht für „außerirdisches Raumschiff“. In den meisten Fällen können wir Ufo-Forscher die Berichte, die uns zugetragen werden, aufklären. Dann wird aus dem „Ufo“ ein „Ifo“ – ein identifiziertes Flugobjekt. Im angesprochenen Fall von 1997 ist es allerdings beim Ufo geblieben.

Was haben Sie unternommen? 

Kettmann: Nun, die Beobachtung hat uns natürlich neugierig gemacht. Wir wollten herausfinden, was wir gesehen hatten. Also haben wir uns beim nächstgelegenen Fliegerhorst der Bundeswehr erkundigt. Die haben aber jede Auskunft verweigert und uns an die zivile Luftsicherung verwiesen.

Und?

Kettmann: Tja - ich warte bis heute auf Rückmeldung.

Die deutschen Behörden nehmen Ufo-Sichtungen also nicht ernst?

Kettmann: Nein, und das ist sehr schade. Im Ausland – in Frankreich, in England, in den USA – werden Ufo-Sichtungen oft vom Staat erforscht. Hier in Deutschland fristet die Ufo-Forschung dagegen eher ein Nischendasein …

… und wird oft belächelt: „Ufo“, da denkt man an fliegende Untertassen und Aliens … 

Kettmann: Ja – leider. Das Klischee lautet: Ufo-Forscher beschäftigen sich mit übernatürlichen Phänomenen. Aber das stimmt nicht. Wir beschäftigen uns mit unerklärten Phänomenen. Unser Anspruch ist, natürliche Erklärungen für diese Phänomene zu finden. In diesem Sinne sind wir den Naturwissenschaften verpflichtet. Wir sind keine Esoteriker.

 

Sie sind Vorsitzender der Deutschsprachigen Gesellschaft für Ufo-Forschung. Was genau macht diese Gesellschaft?

Kettmann: In erster Linie verstehen wir uns als Anlaufstelle für Menschen, die Himmelsphänomene beobachtet haben, die sie sich nicht erklären können. Wir sammeln Berichte über solche Phänomene und untersuchen sie.

Wie oft werden Sie kontaktiert? 

Kettmann: Im Schnitt erreichen die deutschen UFO-Forscher etwa 300 Anfragen pro Jahr aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, darunter auch viele aus Hessen. Wir versuchen, sie dann möglichst schnell zu bearbeiten.

Ein Beispiel aus Ihrer Datenbank: Am 10. Juli 2016 hat eine Frau im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen ein „kleines, kugelförmiges Objekt am Himmel“ beobachtet. Das Objekt schien einige Minuten auf einer Stelle zu schweben, dann flog es davon.

Kettmann: Hierbei handelt es sich um eine Sichtung, die wir mit hoher Wahrscheinlichkeit erklären können. Wir sprechen dann von einem „Near Ifo“, also von einem fast-identifizierten Flugobjekt. Wir gehen davon aus, dass die Zeugin einen Wetterballon gesehen hat. Durch die Lichtverhältnisse an diesem Nachmittag sah der merkwürdig aus.

Wie hoch ist Ihre Aufklärungsquote?

Kettmann: Sie liegt bei über 90 Prozent. Wenn wir von einer Sichtung erfahren, gleichen wir die Beschreibung und die Sichtungs-Umstände mit allen verfügbaren Daten ab. Also Wetter- und Sichtverhältnisse, Flugrouten, Satelliten- und Sternschnuppenaktivitäten und so weiter. Oft stoßen wir dann recht schnell auf eine plausible Erklärung. Grundsätzlich gilt: Umso schneller wir informiert werden, desto höher ist die Aufklärungschance.

Was ist mit dem verbleibenden zehn Prozent – den nicht-identifizierten Objekten?

Kettmann: Nun, wir dokumentieren sie, wir diskutieren Erklärungsansätze – aber wir spekulieren nicht über Außerirdische oder dergleichen. Wir halten einfach nur fest.

Gibt es in Deutschland Regionen mit auffällig starken Ufo-Aktivitäten?

Kettmann: Nein, das würde ich so nicht sagen. Die Sichtungen verteilen sich ziemlich gleichmäßig. Die bislang spektakulärste Sichtung in Deutschland wurde im August 1990 dokumentiert. Damals haben mehrere hundert Zeugen 14 Lichtobjekte in zwei Leuchtgruppen über Greifswald beobachtet. Der Fall ist bis heute ungeklärt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich um ein geheimes militärisches Manöver gehandelt haben könnte. Damals haben in unregelmäßigen Abständen Truppen aus der Sowjetunion, der DDR und der Tschechoslowakei dort oben geübt.

Wie weit gehen die Dokumente über Ufo-Sichtungen zurück?

Kettmann: Das Zeitalter der modernen Ufo-Forschung beginnt 1947, mit dem Bericht eines amerikanischen Piloten, der im Staat Washington mehrere Objekte beobachtet hatte. Seither untersuchen US-Behörden solche Sichtungen. Später haben Forscher auch historische Dokumente untersucht. Das ist natürlich vage, aber es gibt Autoren, die argumentieren, dass Berichte über unbekannte Flugobjekte sich schon in Dokumenten aus vorchristlicher Zeit finden lassen.

Man liest immer wieder von Menschen, die behaupten, sie seien von Außerirdischen entführt worden … 

Kettmann: Ja, gelegentlich melden diese Leute sich auch bei uns. Für die Forschung ist das selten ergiebig. Wir nehmen die Betroffenen ernst – aber als Degufo e.V. können wir da wenig machen. In der Regel verweisen wir sie an Stellen, die vielleicht bessere Ansprechpartner sind, zum Beispiel die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg.

Letzte Frage: Glauben Sie, dass wir von außerirdischen Lebewesen besucht werden? 

Kettmann: Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es Phänomene gibt, die wir nicht erklären können – noch nicht. Aber was sie verursacht, weiß ich nicht.

Das Gespräch führte Christophe Braun.

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