Simon Edelmann hat mit seinen 20 Jahren bereits jede Menge Orchester-Erfahrung gesammelt. Die will er nun für das Jugendmusikensemble nutzen.
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Simon Edelmann hat mit seinen 20 Jahren bereits jede Menge Orchester-Erfahrung gesammelt. Die will er nun für das Jugendmusikensemble nutzen.

Jugend-Musik-Ensemble der Frankfurter Dreikönigskirche

Er gibt den Takt vor

  • vonThorben Pehlemann
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Simon Edelmann, 20 Jahre alt, treibt seit Jahresbeginn die Verjüngung des Jugend-Musik-Ensembles der Frankfurter Dreikönigskirche voran. Der neue Dirigent will vor allem Heranwachsende wieder für klassische Musik begeistern.

Simon Edelmann, gerade einmal 20 Jahre alt, wirkt kaum seinem Alter gemäß. Er hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft: Er will Dirigent werden. Zu diesem Zweck beginnt er bald ein Studium im Hamburg. Seine Worte wählt er zudem stets mit Bedacht, so detailliert eben, wie ein guter Dirigent sein Orchester zu führen hat. Nichts anderes schließlich macht Edelmann bereits seit Jahresbeginn: Er führt das Jugend-Musik-Ensemble (JME) der Frankfurter Dreikönigskirche als neuer Leiter in die Zukunft. Und in dieser Zukunft soll klassische Musik wieder größere Relevanz bei Heranwachsenden besitzen.

Nachdem Christian Münch-Cordellier, der das JME im Alter von 18 Jahren 1998 gründete, Ende 2014 den Taktstock an Edelmann abgegeben hatte, fand Letzterer das Ensemble „in sehr gutem Zustand“ vor. Allerdings hatten gemeinsam mit Cordellier auch weitere Mitglieder dem Ensemble den Rücken gekehrt, weshalb Edelmann einige neue und vor allem junge Musiker anwarb. Als hilfreich stellte sich dabei seine schon recht große Erfahrung als Orchestermusiker und -dirigent heraus: Viele frische Gesichter kamen aus dem Landesjugendsinfonieorchester, in welchem er Violoncello spielt. Weitere Erfahrungen sammelte Edelmann mit Jugendorchestern aus dem Taunus und Kassel.

Der Verjüngung des 40-köpfigen JME soll nun eine Verjüngung des Publikums folgen: „Wir wollen verstärkt Familienkonzerte einführen“, plant Edelmann. „Gerade Kinder sollen erfahren, was man aus Orchestermusik heraushören kann. Einen Vogel oder eine Welle beispielsweise, da kann man viel machen.“ Außer „Ufftata-Musik“ gebe es in diesem musikalischen Gebiet nämlich auch vieles anderes, was Heranwachsende aber zunehmend als langweilig empfänden: „Klassische Musik kann sehr interessante Bilder herstellen und Emotionen transportieren, auch ohne Texte. Das wissen viele einfach nicht, weil es ihnen nicht mehr beigebracht wird.“

Mit klassischer Musik meine er nämlich nicht nur Mozart, Beethoven oder Bach, sondern ganz generell Musik, die als „ernste Musik, die nicht in erster Linie unterhalten soll“ kategorisiert wird: Musik, die mit klassischen Instrumenten gespielt wird und eher künstlerischer Natur sei. Letztere spricht er moderner Popmusik zwar nicht ab, auch dort gebe es gute Musik, doch wolle er Kindern zeigen, dass Musik mehr sein könne als Hintergrundrauschen, zu dem Radio- oder Discomusik oftmals verkomme. „Viele Menschen lassen sich nur noch berieseln“, stellt Edelmann fest.

Er selbst schwärmt etwa für die Komponisten Arnold Schönberg und Karlheinz Stockhausen. Schönberg habe schon vor über 100 Jahren „atonale“ Musik gemacht, die noch für heutige Ohren fremd erscheine. Und Stockhausen habe mit seinem Helikopter-Streichquartett bewiesen, „dass es auch in der klassischen Musik ganz verrückte Dinge gibt“: In diesem nämlich spielt ein Streichquartett in vier Helikoptern, deren Rotorblätter als zweite Instrumente fungieren.

Mit dem JME hat Edelmann nun zwar nichts Verrücktes vor, aber immerhin solle es „anders klingen“, lauter in jedem Fall, mit einem größer besetzten Orchester, das auch Posaunen und Hörner biete. Am kommenden Wochenende spielt das JME in der Alten Nikolaikirche und der Bergkirche im Sachsenhäuser Landwehrweg eine Ouvertüre und ein Violinkonzert von Mozart und die dritte Sinfonie von Schubert. Im November sind dann weitere Aufführungen von Antonin Dvoraks achter Sinfonie und von Jean Sibelius’ sinfonischer Dichtung „Finlandia“ geplant. „Vielleicht kommt da noch etwas dazu.“

Am Freitag, 3. Juni, spielt das JME um 20 Uhr in der Alten Nikolaikirche, Am Römerberg. Am Samstag sind die Musiker dann ab 18 Uhr in der

Bergkirche, Sachsenhäuser Landwehrweg 157, zu hören. Mehr Infos unter .

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