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Deutschland, Frankfurt-Ginnheim, Februar 2018: Blick aus der Franz-Werfel-Straße auf Häuser der Ginnheimer Platensiedlung. Der nach dem deutschen Dichter August von Platen-Hallermünde (1796?1835) benannte Ort ist mit 777 Wohnungen die größte der ehemaligen Housing Areas des US-Militärs in Frankfurt. In den nächsten Jahren soll die Siedlung sogar noch wachsen. Die ABG plant eine Nachverdichtung und möchte 600 weitere Wohnungen in der Platensiedlung entstehen lassen. Viele Anwohner sind dagegen. Sie befürchten einen Verlust des Grüns in der Gegend.

Stadtteil-Serie (Teil 30)

Ginnheim: Am Anfang war "Genno"

Bekannt ist Ginnheim vielen Frankfurtern aufgrund zweier „Wahrzeichen“ – die jedoch im benachbarten Bockenheim liegen: Die Deutsche Bundesbank und der fast 340 Meter hohe Fernmeldeturm, liebevoll „Sparschel“ genannt. Doch weil beide Bauten ohnehin nicht öffentlich zugänglich sind, kann der Ginnheimer gut verzichten. Im Stadtteil gibt es sowieso freundlichere und schönere Orte wie den Zirkus Zarakali oder den Abenteuerspielplatz Colorado Park, die besonders bei der Jugend beliebt sind.

Bekannt ist Ginnheim vielen Frankfurtern aufgrund zweier „Wahrzeichen“ – die jedoch im benachbarten Bockenheim liegen: Die Deutsche Bundesbank und der fast 340 Meter hohe Fernmeldeturm, liebevoll „Sparschel“ genannt. Doch weil beide Bauten ohnehin nicht öffentlich zugänglich sind, kann der Ginnheimer gut verzichten. Im Stadtteil gibt es sowieso freundlichere und schönere Orte wie den Zirkus Zarakali oder den Abenteuerspielplatz Colorado Park, die besonders bei der Jugend beliebt sind.

Ein großer Teil des Nachwuchses lebt in Bauten der May-Siedlung Höhenblick oder der von der damaligen Bank Deutscher Länder errichteten Siedlung an der Hügelstraße. Oder in der Platensiedlung, die mit 777 Wohnungen größte der ehemaligen „Housing-Areas“ des US-Militärs in Frankfurt. Bis jene Orte den Stadtteil wachsen ließen, gab es bloß ein Dorf an der Nidda, dem einst ein Mann namens „Genno“ seinen Namen verliehen haben soll. Er gilt als erster Bewohner von „Gennenheim“, heute rund 356 Hektar groß. Eingemeindet nach Frankfurt am Main wurde Ginnheim im Jahr 1910. Bereits ein Jahr später fuhr eine Straßenbahn von Bockenheim in den Nachbarort. Verkehrsmäßig ist der Stadtteil gut angeschlossen, doch kann dies die Blechlawinen nicht wirklich reduzieren: Die Hügelstraße durchschneidet Ginnheim ebenso wie die Stadtautobahn Rosa-Luxemburg-Allee – und so rauschen täglich zigtausende Kraftfahrer durch den Stadtteil zwischen der Bundesbank und dem Volkspark Niddatal.

In den kommenden Jahren dürfte der Verkehrslärm im rund 16 000 Einwohner zählenden Stadtteil zunehmen. Der Ausbau der Main-Weser-Bahn, respektive der S 6-Bahngleise von Frankfurt-West nach Bad Vilbel/Friedberg, soll Pünktlichkeit bringen. Doch droht auch mehr Güterverkehr. Da wünscht man sich fast, „Genno“ hätte sich woanders niedergelassen. Reporter Ben Kilb hat den Stadtteil durchstreift.

Blick aus der Franz-Werfel-Straße auf die Häuser der Platensiedlung. Das nach dem deutschen Dichter August von Platen-Hallermünde (1796–1835) benannte Quartier ist mit 777 Wohnungen die größte der ehemaligen „Housing-Areas“ des US-Militärs in Frankfurt. In den nächsten Jahren soll die Siedlung weiter wachsen. Die städtische ABG Holding plant eine Nachverdichtung und möchte so 600 weitere Wohnungen in der Platensiedlung bauen. Viele Anwohner sind dagegen, sie befürchten den Verlust ihres Grüns.

Das Wasserspiel im Volkspark Niddatal, auch Niddapark genannt, ist eines der wenigen Überbleibsel der Bundesgartenschau, die 1989 stattfand. Der Park wurde eigens für diese Großveranstaltung angelegt. Diese erwies sich in wirtschaftlicher Hinsicht als Flop, dafür bekam Frankfurt seine größte Grünanlage. Über 168 Hektar erstreckt sich der Park, an den neben Ginnheim auch Bockenheim, Hausen, Praunheim und Heddernheim angrenzen.

Kinder lernen im Zirkus Zarakali an der Platenstraße die Kunst der Clownerie. Der Kinder- und Jugendzirkus ist eine Institution im Stadtteil. Sechs- bis 16-Jährige können Disziplinen wie Trapez, Tuch, Einrad, Jonglage, Akrobatik, Luftakrobatik, Kugellaufen, Hochstelzenlauf, Seillaufen und Trampolinspringen erlernen. Tanzpädagogen bieten sogar schon für Drei- bis Sechsjährige Kurse an. Jeden Freitag steigt im Zarakali ein freies Training für Einsteiger. Auch ein kleines Stadtteilcafé findet sich auf dem Zirkusgelände.

In einigen Wochen wird es im Gemeinschaftsgarten auf dem Kirchplatz wieder blühen. Das „Urban Gardening“-Projekt (Stadtgärtnern) im Herzen des Stadtteils war das erste seiner Art in Frankfurt. Das Projekt hat den Ort nicht nur verschönert, sondern ihn auch zu einem beliebteren Treffpunkt gemacht. Anwohner kümmern sich inzwischen liebevoll um die Beete des Gemeinschaftsgartens, der als soziales Gartenexperiment in der Reihe „Stadtlabor unterwegs“ des Historischen Museums Frankfurt initiiert worden ist.

Die Alte Bethlehemkirche, 1700 eingeweiht, einst lutherisches Gotteshaus, erzählt vom protestantischen Zerwürfnis: Als Graf Philipp Ludwig II. im 16. Jahrhundert eine zweite Reformation zugunsten des reformierten Bekenntnisses durchsetzte, verweigerten 48 Ginnheimer Familien und mussten fortan in Eschersheim beten. Erst mit der Bethlehemkirche erhielten sie über 100 Jahre später „ihr“ Gotteshaus zurück.

Die Gleisböschungen werden derzeit gerodet, wird doch die Strecke zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel (ab 2023 weiter nach Friedberg) ausgebaut. Anschließend sollen Bahnen im 15-Minuten-Takt verkehren. Weil zwei zusätzliche Gleise entstehen, können S-Bahnen künftig auf eigenen Schienen rollen und müssen keine schnelleren Züge passieren lassen. Weil aber auch der Güterverkehr entlang der Main-Weser-Strecke zunehmen wird, regt sich in angrenzenden Stadtteilen wie Ginnheim Widerstand durch die Bürger.

Auch wenn der Name so klingt: Der Abenteuerspielplatz „Colorado Park“ ist kein Relikt der US-Amerikaner. Dafür finden sich ein Douglasienwäldchen, ein Mini-Grand Canyon und die Mississippi-Wasserspielanlage in Ginnheims kleinem Wilden Westen. Ebenso wie im Zirkus Zarakali gestalten auch hier Pädagogen das Programm. Kinder und Jugendliche können sich in Werkkursen der Erweiterung der Gebäude widmen, Theater spielen oder bildhauern. Damit es Ginnheimer Kindern in der schulfreien Zeit nicht langweilig wird, bietet der „Colorado Park“ auch Ferienprogramme an.

Woran liegt es bloß, dass viele Frankfurter drei bekannte Bauwerke in Ginnheim verorten, obwohl sie woanders stehen? Tatsache ist: Die Deutsche Bundesbank, der „Sparschel“ und auch das Markus-Krankenhaus befinden sich in Bockenheim. Übrigens hat der Bockenheimer Diakonissenverein diese Klinik anno 1881 in der Falkstraße in Bockenheim erbauen lassen. 1958 wurde es auf der Ginnheimer Höhe in der Wilhelm-Epstein-Straße neu errichtet. Heute zählt es mit zwölf Fachbereichen, vier Instituten, mehreren Kompetenzzentren und 680 Betten zu Frankfurts wichtigsten Kliniken.

Die 1989 zur Bundesgartenschau erbaute Unterführung zwischen dem Ginnheimer Wäldchen und der Woogstraße hat der Graffitikünstler Justus Becker, genannt „COR“, Anfang 2015 im Auftrag der Stadt für 5500 Euro und mit Farbe aus über 300 Spraydosen verschönert. Wer vom Niddapark kommt, wird von braunen, grünen, gelben und violetten Streifen an der Wand begleitet, auf der gegenüberliegenden Seite grast ein Elch und wuchern Rosen. Noch farbenfroher wird es beim Aufgang zur Woogstraße. Doch die Bahnhofsstation, eigens zur Bundesgartenschau erbaut, steht seither leer.

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