+
Zwei Frauen, ein Team: Gisela Paul (l.) und Tina Bergmann mit ihrer berühmten Grünen Soße und der nicht minder schmackhaften Linsensuppe.

Frankfurter Bahnhofsviertel

Mit Giselas Grüner Soße fing der Markt in der Kaiserstraße an

Zweimal wöchentlich findet in der Kaiserstraße der Wochenmarkt statt. Das Aushängeschild: Gisela Paul und ihr Grüne-Soße-Wagen.

Gisela Paul ist die wohl berühmteste Marktfrau Frankfurts. Seit 19 Jahren steht sie zweimal pro Woche mit ihrem Grüne-Soße-Wagen auf dem Wochenmarkt in der Kaiserstraße. „Man könnte sagen, ich hatte den ersten Food Truck hier“, sagt die 70-Jährige. Sie sei wortwörtlich ein Kind der ersten Stunde auf dem Markt im Bahnhofsviertel. Als der am 4. November 1999 startete, war sie die erste Händlerin vor Ort. „Ich bin damals schon um 3.40 Uhr hier gewesen“, sagt sie. Mittlerweile ist Paul Präsidiumsmitglied im Landesverband für Markthandel und Schausteller in Hessen, der den Markt ausrichtet. Zudem ist sie auf dem Kaisermarkt unter anderem für die Verkehrssicherheit während der Verkaufszeiten von 9 bis 19 Uhr zuständig.

Das Bahnhofsviertel ist für Paul der perfekte Ort für einen Wochenmarkt. „Der Hauptbahnhof ist so etwas wie das Entree der Stadt. Viele Frankfurter, aber auch Touristen kommen hier zwangsläufig vorbei.“ Allerdings hatte die gebürtige Frankfurterin erst einmal ihre Schwierigkeiten mit dem Klientel in der Kaiserstraße. „Der erste Markttag war damals ein kalter Novembertag und ich wusste nicht, ob mir die Tränen von Wind und Regen die Wangen herunterliefen, oder weil ich mich gefragt habe, wo ich hier nur gelandet bin.“

Vor fast 20 Jahren sei das Bahnhofsviertel noch eine „bitterböse Ecke“ gewesen. Doch sie hat durchgehalten – und nach etwa einem Dreivierteljahr sei der Kaisermarkt schließlich voll und ganz von den Frankfurtern angenommen worden. Auch Pauls Mitgesellschafterin Tina Bergmann kennt die Vorurteile gegenüber dem Viertel – besonders außerhalb Frankfurts. „Ich komme aus Rheinhessen. Wenn ich da erzähle, dass ich im Frankfurter Bahnhofsviertel arbeite, dann schlagen alle direkt die Hände über dem Kopf zusammen“, sagt die junge Frau (30).

Dienstags findet der Markt im Kaisersack, gegenüber vom Hauptbahnhof, und donnerstags auf dem Abschnitt zwischen Mosel- und Elbestraße statt. Morgens ist es noch ruhig. „Doch spätestens um 12 steppt hier der Bär“, sagt Paul. An Pauls Stand besonders beliebt: Die Linsensuppe, und natürlich die Grüne Soße. „Die ist ein Original, mit echten Oberräder Kräutern“, sagt sie. Bevor die ersten Kunden kommen, bereiten Paul und Bergmann sie frisch zu. Das Rezept ist streng geheim. Christian Lienemann und Jessica Hempel sind auch begeistert von den Speisen an Pauls Stand: „Wir arbeiten hier in der Kaiserstraße, und immer donnerstags ist bei uns Grüne-Soße-Tag und wir gehen auf den Markt.“

In spätestens fünf Jahren will Paul in Rente gehen. „Dann bin ich 75“, sagt sie. „Das reicht dann.“ Ihre Nachfolgerin wird ihre Mitgesellschafterin Tina Bergmann, die vor zehn Jahren als Praktikantin auf Pauls Wagen kam. „Als Markthändler muss man manchmal durchgreifen und lauter werden – vor allem im Bahnhofsviertel“, sagt Paul.

„Viele kommen nach der Arbeit bei uns vorbei und trinken ein Glas Wein mit ihren Kollegen. Als Absacker“, sagt Marcus Nebel , Mitarbeiter des Rollanderhofs.

Manche würden aber schon mittags einen Schoppen nehmen. Von Bankern über Studenten bis hin zu Rentnern sei alles vertreten. Vor allem auch alle Nationalitäten – auch ein Plus des Hauptbahnhofs.

Die größte Fläche nimmt der Obst- und Gemüsestand Albrecht Nix ein. Seit rund sechs Jahren sind Manfred Albrecht und sein Team auf dem Markt, bieten auch frische Säfte und Kräuter an.

Ab Herbst wird wieder vermehrt Brokkoli, Blumenkohl und Co. verkauft. „Saisonales Obst und Gemüse bekommen wir von Erzeugern aus der Region“, sagt Albrecht.

Bei der Bäckerei Fink werden nicht nur Quiches, Zwiebelkuchen, überbackene Pizza-Fladenbrote und Brötchen verkauft, sondern auch direkt vor Ort im Holzofen gebacken.

Zwei Tonnen wiegt der Ofen samt Gespann, den Bäckerei-Mitarbeiter Frank Albert chauffiert. Von und nach Steinau, jeweils gut 80 Kilometer frühmorgens und abends.

Ein echter Hingucker ist der Verkaufswagen von Heinz-Jürgen Lange. „Hydolin“ heißt der Oldtimer (Bj. 1979) mit der großen Klappe. Hinter der verbirgt sich eine Landhausküche. Kaffee und Crêpes verkauft Lange.

Viele kommen zu ihm, um nach dem Fischbrötchen oder der Bratwurst noch einen Crêpe mit Zucker und Zimt oder Nusscreme zu essen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare