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Gläserne Perlen, Panettone und possierliche Bären

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Von: Sabine Schramek

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Entdeckte ihre Liebe zum Herstellen von Glasperlen in Venedig: Angelika Tintschi-Körbitzer aus Seckbach.
Entdeckte ihre Liebe zum Herstellen von Glasperlen in Venedig: Angelika Tintschi-Körbitzer aus Seckbach. © Rainer rüffer

Kreative zeigen im Frankfurter Dominikanerkloster ihre Werke. Mehr als 50 Aussteller waren dabei.

Frankfurt -Ein roter Papierdrachen mit gelben Seidenpapierbommeln an der weißen Schnur weist den Weg hinein ins Dominikanerkloster. Er fliegt nicht, sondern klebt an der Glastür, hinter der ein Meer von kuriosen, ausgefallenen, verträumten und zauberhaften Dingen auf Besucher wartet. Die filigranen Schwibbogen aus dem Erzgebirge lassen eher an Winter und Weihnachten denken, als an Herbst. Ebenso die aus Baumstämmen geschnitzten Weihnachtsbäume und handgenähten Stifttäschchen, auf den Kinder zwischen schneebedeckten Tannen rodeln oder Rehe von Schneeflocken umweht werden.

Eintritt für den guten Zweck

Es ist stimmungsvoll und bunt auf den Tischen und Ständen von gut 50 Ausstellern, die ihr Können liebevoll dekoriert haben. Kunsthandwerk aus jedem erdenklichen Material und in jeder erdenklichen Form lockt Besucher scharenweise an. Den Eintrittspreis in Höhe von drei Euro zahlen sie gern.

Erstens gibt es unendlich viel zu entdecken und zweitens geht der Erlös an den Landesverband Hessen in der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) und lokalen MS-Gruppen. „Geschenke einkaufen, die es sonst nicht gibt und dabei auch noch etwas Gutes tun, da kann man nichts gegen sagen“, meinen Iris und Thomas Schmidt, die jedes Jahr herkommen, um Neues zu entdecken.

Da sind Windspiele aus Ton mit Katzengesichtern, handgemachte Stoffpüppchen und langfellige Teddybären, Fotoständer aus Pappe, die man wie einen Zauberwürfel immer neu umklappen und anders kombinieren kann, Streichholzschachtel-Dioramen, in denen klitzekleine bemalte Zinnfiguren vor einem Märchenhintergrund stehen, Walnussbutter, Apfelchips und Glühwein Gelee, handgewebte Schals, Sterne mit feinster Kalligraphie, Glasscheiben, aus denen Löwen brüllen und Dackel wackeln, Filz-Engelchen und Schneeprinzessinnen. Als könne man sie wie Bonbons lutschen sehen die Glasperlenketten von Angelika Tintschi-Körbitzer aus. „Was ich mache, ist eine der ältesten Handwerkskünste der Welt“, sagt sie. „Erst war das Töpfern, dann kamen Bronze und Glas.“ Aus Muranoglas dreht sie in ihrer Werkstatt in Seckbach an ihrem Brenner bei 800 bis 1200° Celsius Kugeln, Ovale und Quader nach historischen Vorbildern. „Vor 200 Jahren war Perlenmacher noch ein Ausbildungsberuf. Jetzt ist es das nur noch in Tschechien“, erzählt die Künstlerin, die im Urlaub in Venedig beim Perlenmacher landete, als ihre Kinder sich Masken angesehen haben. „Das hat mich so fasziniert, dass ich mit nach und nach die Techniken angeeignet habe.“ Vorher hat sie Seidenschmuck gemacht. Jetzt kombiniert sie manchmal beides.

Von schlicht bis opulent sind ihre Ketten und Anhänger. Eingefasst ist vergoldetes Silber mit winzigen handgewickelten Glasrosen, die jedes Blütenblatt erkennen lassen, auf gedrehten ovalen Perlen, oder hauchzart an fast unsichtbaren Schnüren aufgefädelte Rechtecke in Himbeersahne-Farbe lassen alle Jahreszeiten leuchten.

Weltmeister der Konditoren

Die Besucher sind fasziniert von dem Angebot auf zwei Etagen. Die einen verweilen am Stand von Bernd Siefert aus dem Odenwald, dem „Weltmeister der Konditoren“ und überlegen, ob sie einen Rosmarinstollen oder Orange-Ingwer-Panettone mitnehmen sollen, andere decken sich mit Marmelade oder Schokoriegeln ein, die in kunstvoller Verpackung angeboten werden. Postkarten aus Frankfurt oder mit kunstvoll fotografierten Blumen, Kalender, Sternenketten für den Weihnachtsbaum aus Glas, Keramik, Papier, Ton, Filz, Stoff, Zinn in unzähligen Varianten und Kombinationen leuchten, funkeln und strahlen um die Wette. Die Besucher sind fasziniert und stecken sich beim Schwärmen und Staunen an. Viele finden ihr Lieblingsstück für zu Hause oder für ihre Liebsten als Geschenk. Zu Weihnachten oder einfach so - für zwischendurch. Dass der Herbstmarkt eigentlich gar kein Weihnachtsmarkt ist, sieht man wieder am Ausgang. Dort, wo der rote Papierdrachen mit gelben Seidenpapierbommeln und weißer Schnur an der Glastür klebt.

SABINE SCHRAMEK

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