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Glamour gibt's noch genug - trotz düsterer Zeiten

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Von: Ute Vetter

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Vor allem Gäste aus dem Ausland fehlen der Stadt Frankfurt und ihren Hotels schmerzhaft.
Vor allem Gäste aus dem Ausland fehlen der Stadt Frankfurt und ihren Hotels schmerzhaft. © picture alliance / dpa

Die Villa Kennedy schließt, Corona zehrt viele aus: Wie geht's mit der Hotelbranche weiter?

Mit der Schließung des Luxushotels "Villa Kennedy" im April wird die zweite Frankfurter Nobelherberge nach dem "Hessischen Hof" in der Corona-Pandemie dichtgemacht. Was bedeutet das für die Stadt, die wie kaum eine andere in Deutschland vom Messe- und Tagungsgeschäft sowie Tourismus abhängt? Darüber sprach Redakteurin Ute Vetter mit Kerstin Junghans, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga Hessen, und Thomas Feda, Chef der städtischen Tourismus + Congress GmbH (TCF) Frankfurt.

Was bedeutet die Schließung der "Villa Kennedy" nach der Schließung des Hessischen Hofs, also zweier Nobel-Herbergen, für Frankfurt?

Thomas Feda: Bei beiden Häusern handelt es sich um Aushängeschilder der Frankfurter Hotellerie. Deren Verlust schwächt den Hotelstandort und wir bedauern dies sehr.

Schadet es dem Image als attraktiver Standort für Hotellerie und Gastgewerbe?

Kerstin Junghans: Natürlich hat dies keine positive Signalwirkung für die Frankfurter Hotellerie. Das Hotelangebot insgesamt, insbesondere im Luxussegment, ist jedoch nach wie vor vielfältig vorhanden und sichert Frankfurts Image als attraktiven Standort.

Aber diese Hotels waren Flaggschiffe. Wo sollen Stars und Sternchen Glamour ausleben? Man denke an die Musikmesse und die neue Fashion-Week?

Feda: Neben dem Steigenberger Frankfurter Hof gibt es noch eine ganze Reihe an Hotels in Frankfurt, die im Luxus-Segment angesiedelt sind: Sofitel Opera, Marriott, Hilton, das neue Meliá Frankfurt City, Jumeirah, Flemings Selection, Inside Eurotheum, Roomers... Zudem gibt es mit dem Intercontinental und Westin Grand noch weitere Häuser der Luxuskategorie, die aktuell vorübergehend geschlossen sind, um zu renovieren. Einige dieser Häuser waren in der letzten Woche bereits Schauplatz einiger Side-Events der Fashion Week und konnten ihr Glamour-Potenzial bereits beweisen.

Das Gros der Touristen mit normalen Budgets schätzt eher bezahlbare, moderne Hotelkonzepte wie "Moxy" oder "Motel One". Gibt es genug davon in Frankfurt?

Feda: Der Hotelmarkt hat sich entsprechend der vielschichtigen Besucherstruktur ausgerichtet und bietet einen Mix aus allen Segmenten. Aufgrund der traditionell hohen Anzahl der Businessreisenden gibt es das größte Angebot im klassischen Geschäftsreise-Segment. Mit der steigenden Anzahl von Privatreisenden und erhöhter Nachfrage nach innovativen Hotelkonzepten hat sich hier in den letzten Jahren dementsprechend aber auch sehr viel getan.

Was passiert derzeit mit einfachen, familiengeführten Häusern und Pensionen? Welche Signale gibt es von dort wegen der Pandemie?

Junghans: Gerade für diese Häuser ohne Konzern im Rücken ist die Situation äußerst schwierig, weiter am Markt bestehen zu bleiben. Investitionsstaus, die Nachfolgeproblematik und die Gästeerwartung an moderne Standards führen hier seit Jahren zu einem Verdrängungswettbewerb. Dies hören wir immer wieder von betroffenen Partnern, bei denen es sich tragischerweise oft um langjährige Traditionshäuser handelt.

Es wird von einem 40%-igen Rückgang der Umsätze aufgrund von Corona gegen Ende 2021 ausgegangen. Wie lange halten die Hotellerie und das Gastgewerbe in Frankfurt das noch aus?

Feda: Abhängig von der pandemischen Lage und den Übernachtungszahlen rechnen wir mit einem Rückgang von etwa 60 Prozent verglichen zu Vorpandemiezeiten und daraus resultierenden gravierenden Umsatzeinbußen. Dass es Betriebe gibt, die diesen Zustand nach zwei Jahren nicht mehr länger wirtschaftlich tragen können, ist nachvollziehbar.

Frau Junghans, Sie sprachen von fehlenden politischen Signalen für die Branche, und zwar mittel- und langfristig. Was meinen Sie damit? Es gibt doch Wirtschaftshilfen? Reichen diese nicht mehr aus?

Junghans: Es geht um Finanzhilfen, aber auch um Perspektiven. Die Wirtschaftshilfen sind immens wichtig und werden weiterhin dringend benötigt. Sie sind aber auch an vielen Stellen nicht bis zu Ende gedacht, da sie stufenweise an prozentuale Umsatzausfälle gekoppelt sind. Das kann dazu führen, dass ein Betrieb mit dem wenigen Geschäft, dass er derzeit machen kann, über den Schwellenwert fällt, und die so dringend benötigten Hilfen nicht den Erfordernissen entsprechend erhält.

Was fehlt noch?

Junghans: Zudem wird der sogenannte Unternehmer-Lohn kaum berücksichtigt. Viele haben ihre Ersparnisse und die Altersvorsorge bereits aufgebraucht. Hinzu kommt, dass die Gesamtsituation komplett unplanbar geworden ist. In Kürze werden die Rückzahlungen aus Stundungen hinzukommen. Wenn nicht bald ein Licht am Ende des Tunnels erscheint, werden weitere Unternehmerinnen und Unternehmer die Situation weder finanziell noch mental durchhalten und ihre Betriebe schließen.

Die Branche befindet sich laut Dehoga Hessen an einem wirtschaftlichen und mentalen Tiefpunkt. Alle Ressourcen seien erschöpft. Bestätigen Sie beide das?

Junghans: Nicht nur das. Es kommen ja auch enorme personelle Schwierigkeiten und Nachwuchssorgen hinzu. Viele ehemalige Branchen-Zugehörige haben sich aufgrund all dieser Unsicherheiten zu anderen Branchen hin orientiert.

Welche Auswege und Perspektiven gibt es Ihrer Meinung nach?

Feda: Ständig wechselnde Regeln und damit immer wieder neue Herausforderungen führen zu einer massiven Verunsicherung der potenziell Reisenden und Gäste. Darüber hinaus gibt es viele Faktoren und Beschränkungen, die generell vom Reisen und Ausgehen abhalten. Einheitliche Regeln in Kombination mit der Perspektive in Richtung Endemie würden wir uns wünschen.

So mancher Bürger wunderte sich über die hohe Zahl der Hotels in der Stadt. Gibt es zu viele oder liegt Frankfurt beim Durchschnitt?

Feda: Man darf nicht vergessen, dass Frankfurt bis zum Beginn der Pandemie bezüglich der Übernachtungszahlen mit über 10 Millionen Hotelübernachtungen im Jahr 2019 jährlich Wachstumsrekorde zu verzeichnen hatte. Die Hotelbettendichte trug zusätzlich auch der Messe und dem Flughafen Rechnung. Durch die stetig steigende Zahl der Gäste stieg relativ proportional auch die Zahl des Angebotes.

Messen und Tagungen sind bedeutend für Frankfurt. Trifft die Pandemie die Stadt also härter als andere?

Feda: Im Vergleich zu einer reinen Ferien-Destination trifft dies sicher zu. Immerhin machen die Geschäftsreisenden einen Anteil bis zu 70 Prozent aus. Darüber hinaus haben wir einen hohen Anteil internationaler Gäste, die aktuell vermehrt ausbleiben. Gerade in der Luxushotellerie spielt diese Internationalität eine sehr große Rolle, vor der Pandemie hatten wir bis zu 60 Prozent ausländische Gäste.

Was ist Ihre Hoffnung?

Junghans: Wir hoffen auf eine Stabilisierung der Lage mit Lockerungen und nach einer hoffentlich erfolgreichen Sommersaison auf einen stabilen Winter. Ob private Feiern oder Kongresse - das Gastgewerbe braucht dringend Planungssicherheit. Dass die Reiselust und das Ausgehverhalten, national oder aus den europäischen Nachbarstaaten bei niedriger Infektionslage und gelockerten Reisebeschränkungen sofort wieder steigt, das wissen wir ja bereits aus Erfahrung.

Thomas Feda, Chef der städtischen Tourismus + Congress GmbH (TCF) Frankfurt
Thomas Feda, Chef der städtischen Tourismus + Congress GmbH (TCF) Frankfurt © Holger Ullmann/TCF
Kerstin Junghans, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga Hessen
Kerstin Junghans, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga Hessen © Leonhard Hamerski

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