Die Woche im Römer

Glanz und Elend der Stadtverwaltung

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Vom Treiben in den Amtsstuben des Römers hat der Bürger ja so seine Vorstellungen. Er glaubt möglicherweise, dass sich die Beschäftigten in der Fastnachtszeit zur allgemeinen Erheiterung gegenseitig

Vom Treiben in den Amtsstuben des Römers hat der Bürger ja so seine Vorstellungen. Er glaubt möglicherweise, dass sich die Beschäftigten in der Fastnachtszeit zur allgemeinen Erheiterung gegenseitig Furzkissen auf die Amtssessel legen. Aber das Leben im städtischen Dienst ist ernst, viel ernster.

Wie ernst, haben in dieser Woche der Gesamtpersonalrat und die Gewerkschaft Verdi dargelegt. Sie fordern mindestens 1000 neue Stellen in der Stadtverwaltung. Das wäre eine Steigerung des Personals um mehr als zehn Prozent. „In vielen Bereichen der Stadtverwaltung wird am Limit gearbeitet“, sagte der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates, Christian Barthelmes. Er verwies auf die zahlreichen Aufgaben, welche durch den Flüchtlingsansturm von der Stadtverwaltung zu meistern seien. Betroffen sind alle Abteilungen des Rathauses: Das Jugend- und Sozialamt, die Feuerwehr, das Ordnungsamt, die Stadtpolizei, das Gesundheitsamt, die Volkshochschule (Sprachkurse) und die Kollegen in der Verwaltung, welche die Arbeiten derjenigen erledigen, die sich freiwillig zur Betreuung der Flüchtlinge gemeldet haben. Rund 1000 städtische Bedienstete leisteten bisher über 6000 Schichten. In Spitzenzeiten waren täglich bis zu 76 Personen im Einsatz.

Die wachsende Stadt mit jährlich netto rund 15 000 zusätzlichen Einwohnern beansprucht die Verwaltung ebenfalls stärker. Wer beim Bürgeramt an der Zeil vorspricht, erkennt sofort, dass dort Fließbandarbeit geleistet werden muss. Die Frankfurter können im Allgemeinen mit ihrer Stadtverwaltung zufrieden sein. In der Kfz-Zulassungsstelle beispielsweise können die Bürger auch am Freitag Nachmittag um 16 Uhr noch problemlos Auskünfte erhalten. Es soll im benachbarten Bayern Amtsleiter geben, die sich zu dieser Zeit bereits das dritte dunkle Hefeweizen am Stammtisch schmecken lassen. . .

Bevor aber jetzt Gewerkschaftsforderungen zulasten des Steuerzahlers übernommen werden, muss darauf hingewiesen werden, dass der technische Fortschritt auch die Produktivität im Rathaus erhöht hat. Auch dort wird mit Computern und nicht mehr mit Karteikästen gearbeitet.

Selbstverständlich beklagen die Gewerkschafter die Besoldung im öffentlichen Dienst. Doch unter den Beschäftigten im Römer gibt es viele Häuptlinge mit den entsprechenden lukrativen Gehaltsgruppen. Bei der Eingruppierung lässt sich die Stadt nicht lumpen: Es gibt 192 Stellen, die nach A 13 besoldet werden. Das entspricht bei der Bundesmarine einem Korvettenkapitän, und sogar 246 Beschäftigte erhalten ein Gehalt nach A 14 (bis zu 5555 Euro im Monat), was einem Fregattenkapitän entspricht. So viele Schiffe hat die gesamte Bundesmarine nicht. Aber es gibt noch besser bezahlte Posten im Römer: 115 Stellen werden nach A 15 bewertet, 62 nach A 16, und 12 sogar nach B 3. Wer glaubt, im öffentlichen Dienst unterbezahlt zu sein, für den gilt im Zweifel zum Trost der Satz: Der Rock des Beamten ist eng, aber er wärmt.

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