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Auf Europas größter Drehbühne war das festliche Diner hauptsächlich in Weiß eingedeckt, buntes Licht sorgte für Effekte.

Stadtgeflüster

Glanz und Geld für die Oper

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Nicht nur ums Sehen und Gesehen werden, sondern auch ums Reden, Zuhören, Schlemmen. Und um den guten Zweck. Darum geht es bei der Operngala. Auf höchstem Niveau, das versteht sich von selbst.

Nicht nur ums Sehen und Gesehen werden, sondern auch ums Reden, Zuhören, Schlemmen. Und um den guten Zweck. Darum geht es bei der Operngala. Auf höchstem Niveau, das versteht sich von selbst. Schließlich ist das Frankfurter Haus das beste seiner Zunft in der ganzen Republik. Und davon gaben die Solisten an diesem Abend, der zur ausgedehnten Nacht geriet, eine Kostprobe.

Umwerfend dabei: Sopranistin Danae Kontora als Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte. Alle brillieren sie, alle sind sie mitreißend. Das Publikum ist begeistert. Auch das „Abba“-Intermezzo am Ende des „offiziellen“ Teils, also nach dem Hauptgang, bei dem die Interpreten ihren Spaß haben in den schrillen Kostümen à la 70er-Jahre, kommt gut an.

Danach geht’s zum Dessert, das im Foyer an verschiedenen Ständen gereicht wird. Dort klingt dieses gesellschaftliche Großereignis, das in diesem Jahr zum 17. Mal über die Bühne ging, mehr als 950 Gäste anlockte und 900 000 Euro Spenden einbrachte, langsam aus. Die letzten packen spät in der Nacht ihre Siebensachen zusammen.

Die Rede von Oberbürgermeister Peter Feldmann , der nach dem Konzert das Haus verließ, liegt zu diesem Zeitpunkt schon lange zurück. In ihr bedankte er sich brav bei den Mäzenen und den Mitgliedern des Patronatsvereins, die die Oper ideell und finanziell unterstützten. „Sie sind die wahren Förderer und Fans unserer Oper. Ohne Sie ginge es nicht“.

Alexander Demuth leitete lange diesen Verein der Großzügigen. Nach anderthalb Jahrzehnten hat er jüngst den Staffelstab an Andreas Hübner übergeben. Feldmanns Faupax: Er nennt Hübner Alexander. Der wird’s verschmerzen, zumal Kunstminister Boris Rhein ihn in seiner Rede beim richtigen Namen nennt.

Es gibt einiges zu feiern. Das Haus wurde von der führenden Fachpresse jüngst zu dem mit dem besten Theater-Gesamtprogramm sowie zu dem mit der besten Gesamtleistung gewählt. Welch eine Auszeichnung für den musikalischen Leiter Sebastian Weigle und Opernintendanten Bernd Loebe . Der könnte sich also selbst auf die Schulter klopfen. Er tut es, so wie viele andere auch – sinnbildlich und tatsächlich.

Die Crème de la Crème der Stadt kommt zu solchen Gelegenheiten in feinstem Zwirn, edelsten Stoffen und ausgefallensten Kleidern zusammen. Die Männer meist in gedeckten Farben. Nicht so Investor Ardi Goldman . Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Verurteilung zu zwei Jahren und acht Monaten im Cargo-City-Prozess, stach er mit purpurnem Samtanzug und grünem Hut aus der Menge heraus. Auch wenn er sich später an einem wenig prominenten Tisch niederließ. Der Verurteilte geht in Revision. „Ich muss mich also darauf einstellen, noch viel, viel Zeit mit meinen Anwälten zu verbringen“, sagt Goldman läppisch, der mit seiner Freundin Irena Brncic vorbeikam und der in der Frankfurter Gesellschaft ganz offensichtlich noch immer gelitten ist. Ist Goldmann Opern-Fan? „Ich mag AC/ DC.“

Seinen ersten Besuch dieser Gala absolvierte John Cryan , der noch zusammen mit Jürgen Fitschen (auch da) die Geschicke der Deutschen Bank leitet. Cryan kam mit seiner Frau Mary. „Es war ein hinreißender Abend“, loben beide. „Wir wollen auf jeden Fall wieder in die Oper kommen – wenn wir Tickets bekommen.“

Oft in der Oper ist Laura Karasek , Tochter des verstorbenen Literaturkritikers Hellmuth Karasek. „Mein Vater war ein großer Opernfan und mich schon als Vierjährige mitgenommen hat“, so die Mutter von Zwillingen, die mit Ehemann Dominic Briggs einen „freien“ Abend genießt. Ein absoluter Opern-Fan ist auch Frankfurts Vorzeigemoderatorin Sonya Kraus , die mit zwei Störchen posiert. Aber die zweifache Mutter winkt ab: „Es sind keine neuen Kinder unterwegs“

(es)

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