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Ein Investor will den Bunker abreißen und Wohnungen bauen. Dagegen wehren sich die Nachbarn.

Ortsbeirat

Glauburgbunker im Nordend soll Wohnhaus werden

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Ein Investor will den Bunker am Glauburgplatz zurückbauen und dort ein Wohngebäude errichten. Das Vorhaben lehnen nicht nur die Nachbarn ab.

Wohnen im Nordend ist das Reizthema für Manfred Zieran (ÖkoLinX). Darüber kann er sich wie kein zweiter im Ortsbeirat 3 aufregen und in Rage reden. So war das auch in der jüngsten Sitzung des Gremiums, bei der sich die Stadtteilpolitiker mit der Zukunft des Bunkers am Glauburgplatz beschäftigten. Ein Investor will das mächtige Gebäude abreißen und dort Wohnungen bauen.

Eine Unverschämtheit

„Das ist eine Unverschämtheit. Da kommen doch nur wieder Luxuswohnungen hin, so wie auf dem Gelände des Marien- und Diakonissenkrankenhauses“, wetterte Zieran gegen die Stadt, in erster Linie aber gegen Stadtrat Jan Schneider (CDU) vom Amt für Bau- und Immobilien (Abi). Zieran warf ihm vor, das Vorkaufsrecht der Stadt nicht gezogen zu haben. Dabei sei das Areal in zentraler Lage doch ideal geeignet für eine Begegnungsstätte.

Das sehen viele Mitglieder des Ortsbeirates und die Bunker-Initiative (BI) genauso. Die Initiative hatte sich vor anderthalb Jahren mit dem Ziel gegründet, den Abriss zu verhindern. Damals war bekannt geworden, dass Gerhard O. Stief, dem der Bunker gehört und der darin sein privates Explora-Museum betrieben hatte, das Objekt verkaufen will. Ulrich Rathgeb von der BI erklärte in der Bürgerfragestunde, dass sich er und seine Mitstreiter immer noch für den Erhalt des Bunkers einsetzten. Dies nahm der Ortsbeirat als zentralen Punkt in einen mehrheitlich verabschiedeten SPD-Antrag auf.

Vermutlich wird der Abriss aber nicht zu verhindern sein. Laut Planungsamts-Sprecher Mark Gellert sei zwar noch nichts spruchreif. Es liege aber eine Bauvoranfrage für 43 Wohnungen, eine Schank- und Speisewirtschaft, eine kulturelle Nutzung sowie 30 Tiefgaragenstellplätzen vor.

Mit dieser Planung ist laut einer Stellungnahme des Magistrats die Verpflichtung aus der Dienstbarkeit zugunsten einer kulturellen Nutzung noch nicht ausreichend erfüllt. Verständlicher ausgedrückt: Die Stadt hatte Stief Ende 1998 das Grundstück rund um den Bunker verkauft. Im Kontrakt wurde vereinbart, dass die Nutzung an den Betrieb eines Museums gebunden ist. Die Stadtverordnetenversammlung muss einer Änderung zustimmen und einen entsprechenden Beschluss fassen.

Abi-Sprecher Günter Murr wollte auf Anfrage keine Einzelheiten bekanntgeben. Er erklärte aber, dass mit dem Investor Verhandlungen über eine kulturelle Nutzung in einem möglichen Neubau geführt würden. „Wir streben in einem Neubau eine kulturelle Nutzung an“, erklärte Jana Kremin. Sprecherin im Kulturdezernat. Deshalb seien Vertreter des Dezernates auch in die Gesprächen mit dem Investor eingebunden.

Klare Vorstellungen, wie eine kulturelle Nutzung aussehen könnte, hat allerdings die BI. Sie wünscht sich eine Begegnungsstätte für Nordend-Bewohner. Dort könnten Sprachkurse, Lesungen oder verschiedenste Workshops angeboten werden. Der Verein „Die Stadtteilwerkstatt“ würde sich als Träger und Kooperationspartner für Angebote im Glauburgbunker anbieten, erklärte Andrea Trapp. Sie gehört der BI an und ist bei dem Verein beschäftigt.

Einig waren sich die Fraktionen, dass bei einem Abriss des Bunkers und anschließendem Neubau kein Baumaterial auf dem Glauburgplatz gelagert werde dürfe. Die komplette Fläche müsse auch während der Bauarbeiten von Kindern und Jugendlichen genutzt werden können. Außerdem wurde in dem SPD-Papier die Forderung aufgenommen, dass sich der Neubau harmonisch in das Gründerzeitviertel mit zwei denkmalgeschützten Schulgebäuden in unmittelbarer Nähe einfügen müsse.

Geförderter Wohnraum

Zieran beharrte darauf, dass von den 43 geplanten Wohnungen mindestens 30 Prozent gefördert sein müssten. Jochen Vielhauer (Grüne) regte an, auch gemeinschaftliche Wohnprojekte zu berücksichtigen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Koch (SPD) ergänzte seinen Antrag um die Forderung, dass zusätzlich 15 Prozent der Wohnfläche für gemeinschaftliche Wohnprojekte reserviert sein sollen.

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