+
Gibt alles: Einar Solberg von der norwegischen Progressive-Metal-Band ?Leprous? im Frankfurter ?Zoom?.

Konzert

Gleich drei Bands aus Skandinavien beschallen den Frankfurter „Zoom“-Club

Norwegens Formation „Leprous“ und Islands „Agent Fresco“ rocken, assistiert vom Ensemble „22“, erneut als Gespann im Frankfurter „Zoom“.

Jeder für sich vereint schon künstlerische Kraft, ein gerüttelt Maß an Virtuosität sowie lebendigen Innovationswillen – doch gemeinsam sind sie unschlagbar: „Leprous“, das 2001 von Vokalist und Keyboarder Einar Solberg im norwegischen Notodden gegründete Quintett, sowie das 2008 im isländischen Reykjavík aus der Taufe gehobene und von Sänger Arnór Dan Arnarson angeführte Quartett „Agent Fresco“. Bereits im Herbst 2017 rockten die befreundeten Bands im Tandem durch die europäischen Clubs. Nun ziehen sie abermals im Verbund zum Eroberungsfeldzug aus.

Beim dritten von insgesamt vier deutschen Terminen im proppevollen Frankfurter Musikclub „Zoom“ lassen sich die beiden Prog-Rock-Asse von dem aus Trondheim in Norwegen stammenden und ebenfalls 2008 formierten Ensemble „22“ assistieren. Für einschlägige Genre-Spezialisten also gleich drei Bands auf einen Streich.

New Energy Music lautet etwas vollmundig die stilistische Bezeichnung, mit der sich die von Frontmann Per Kristian Trollvik angeführten „22“ annoncieren. Tatsächlich kennzeichnet sich der halbstündige Auftritt der vier Trondheimer durch jede Menge Energie, weist aber im Übrigen exakt die selben Attribute wie die beiden Hauptacts auf: vertrackte Tempiwechsel, Stakkato-Riffs, Anleihen bei Jazz, Metal, Post-Rock und Prog-Rock sowie einen charismatischen Vokalisten, der obere Tonlagen bevorzugt.

Schon „22“ demonstrieren augenscheinlich Volksnähe. Doch die Intimität zu der sich der baumlange „Agent-Fresco“-Frontmann Arnór Dan Arnarson befähigt zeigt, kommt nicht alle Tage im Rampenlicht vor. Offen wie ein Buch spricht der sympathische Glatzenträger beim 45-minütigen Set über sehr persönliche Erlebnisse. Berichtet von schrecklichen Ereignissen, die ihm widerfahren sind und die sich in den Nummern „Angst“ und „See Hell“ widerspiegeln. Zum finalen „The Autumn Red“, das Arnarson seinem verstorbenen Vater widmet, geht er auf Tuchfühlung, taucht gar minutenlang im Publikum unter.

Ganz anders hingegen das Finale mit den äußert edel gekleideten und penibel kurzhaarig frisierten „Leprous“. Allein Reihenfolge und Konzertlänge demonstrieren, wer hier dann trotz aller Freundschaft untereinander als der heimliche Headliner fungiert. Eine gewisse Theatralik erzielt schon das fast viertelstündige Intro: Lediglich der in blaues Bühnenlicht getauchte Gast-Cellist Raphael Weinroth-Browne musiziert. Ein episches Ein-Mann-Kammerorchester mit wundersam virtuos seinem Instrumenten entlockten Spielereien – mal lieblich, mal schräg und auch schon mal völlig dissonant.

Der behutsame Einstieg erfolgt mit „Bonneville“ aus dem noch aktuellen fünften Studiowerk „Malina“ (2017). Subtil kreuzen sich da Jazziges und Proggiges mit perfekt vom bärtigen Vokalisten und Keyboarder Einar Solberg angeführten mehrstimmigen, melodisch einprägsamen Gesangspassagen, bevor sich die Wucht des Ensemblespiels intensiviert. „Leprous“ vereinen, komplettiert durch Bassist Simen Børven, Schlagzeuger Baard Kolstad sowie die Gitarristen Tor Oddmund Suhrke und Robin Ognedal, rhythmisch Vertracktes mit bis ins Detail auskomponierter Harmoniebesessenheit. Vier lange Zugaben offerieren die Gentlemen des avantgardistischen Progressive-Metal ihrer Zuhörerschaft, der die Zufriedenheit nach so viel geballter Intensität von drei sicherlich nicht einfach zu konsumierenden Bands ins Gesicht geschrieben steht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare