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Carolin Munte ist froh, dass Max Ackfeld in ihrem Geschäft im Nordend seine Ausbildung macht. Seit der 20-Jährige bei MainGemüse beschäftigt ist, hat sich das Betriebsklima verbessert, sagt sie. Und auch Max fühlt sich wohl hier.

Ausbildung

Max Ackfeld hat das Down-Syndrom und macht seine Lehre trotzdem nicht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Max Ackfeld hat das Down-Syndrom. Trotzdem macht der 20-Jährige eine Ausbildung in einem Obst- und Gemüseladen im Nordend. Eine Herausforderung für alle Beteiligten. Aber eine, die seine Chefin Carolin Munte auch anderen Betrieben empfiehlt.

Tiefrot leuchtet der Saft, den Max Ackfeld an diesem Tag hergestellt hat. Rote Bete seien drin, sagt er, dazu Ingwer und Apfel. „Und was noch?“, hakt seine Chefin Carolin Munte nach. Max überlegt angestrengt, bis ihm die Antwort einfällt: „Ein bisschen Öl.“ „Genau“, lobt Carolin Munte, Inhaberin des Obst- und Gemüseladens „MainGemüse“ mit dem Imbiss „Suppengrün“ in der Berger Straße. Und dann betont sie, dass ihr Auszubildender den Saft ganz allein gemacht habe.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil Max kein Azubi wie jeder andere ist. Der 20-Jährige hat das Down-Syndrom. Dass er nicht in einer der Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung arbeitet, sondern in einem normalen Ausbildungsbetrieb als Fachpraktiker Hauswirtschaft beschäftigt ist, macht ihn zu einer Ausnahme. Immer noch – obwohl es schon zehn Jahre her ist, dass in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten ist, in der es um die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung geht. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Dezember 2016 in Frankfurt 170 Schwerbehinderte in Ausbildung registriert. Immerhin mehr als im Jahr zuvor, als es noch 138 waren.

Dass Max bei „MainGemüse“ landete, war Zufall. Sie sei schon seit Jahren mit seinen Eltern befreundet, sagt Munte. Irgendwann tauchte die Frage auf, was Max nach dem Schulabschluss – er besuchte zuletzt die Waldorfschule in Oberursel – machen wolle. Vielleicht, schlug Munte vor, könne er ein Praktikum bei ihr absolvieren. So geschah es. Der neue Praktikant kam im sechsköpfigen Mitarbeiterteam gut an. Und so beschloss die 40-Jährige vor anderthalb Jahren, dass Max den Azubi-Platz in ihrem Betrieb erhält. Ein Schritt, den sie nicht bereut: „Das läuft gut mit uns.“ Max sieht das ebenso.

Was nicht heißt, dass es keine Probleme gibt. Natürlich sei ein Azubi wie Max auch eine Herausforderung, sagt die Geschäftsfrau. „Aber eine schöne“, fügt sie eilig hinzu. Ein 20-Jähriger, der bockig sein kann wie ein Dreijähriger, wenn es um Aufgaben geht, die ihm nicht behagen – das ist im Arbeitsalltag nicht immer leicht. Der schon mal aus der Küche läuft, wenn er etwas nicht machen will. Kartoffelschälen zum Beispiel. Die Arbeit ist schwierig für ihn, weil er Probleme mit der Feinmotorik hat. Auch Stress und Veränderungen sind nicht seine Sache.

Gespür für Stimmung

Sei’s drum, sagt Munte. Jeder habe schließlich seine Befindlichkeiten. Andererseits habe der 20-Jährige ein ungeheuer feines

Gespür für Stimmung

en. „Wenn ich mal keinen guten Tag habe, dann ist er innerhalb von fünf Minuten an meiner Seite und fragt mich, was los ist“, sagt die Firmenchefin. „Das finde ich grandios. Und was man mit einem Auszubildenden wie Max auch hat, das ist totale Loyalität. Er ist absolut überzeugt, dass das hier das Richtige für ihn ist.“

Stimmt, nickt der 20-Jährige: „Es gefällt mir sehr gut und ich möchte das gerne weitermachen. Für mich ist das ganz wichtig. Das ist mein Traumberuf.“ Mit Eifer ist er bei der Sache, wenn er morgens als erstes Brot aufschneidet und Gemüse für die verschiedenen Salate schreddert, die im „Suppengrün“ angeboten werden. „Blumenkohl, Rote Bete, Karotten, Kohlrabi“, zählt er auf. Ein wichtiger Job, „damit die Mädels überhaupt arbeiten können“, wirft Munte ein. Auch um die frischen Säfte kümmert er sich. Meistens hilft er in der Küche hinter dem Ladenraum: Er schält Karotten, putzt Bohnen und anderes Gemüse für die hausgemachten Suppen und Snacks und hilft mit, eine Quiche zu backen.

Drei Tage im Betrieb

Drei Tage pro Woche arbeitet Max in dem Betrieb, die übrigen zwei Tage sind für den Besuch der Berufsschule reserviert, bei dem ihm Integrationshelfer zur Seite stehen. Aus formalen Gründen ist der 20-Jährige bei der Schlocker-Stiftung in Hattersheim angestellt, er absolviert seine zweijährige Fachpraktiker-Ausbildung jedoch bei „MainGemüse“. Und hofft, dass es danach für ihn weitergeht in dem Betrieb.

Seine Chefin wünscht sich das ebenfalls. Auch mit Blick auf das Betriebsklima. Denn: „Max hat uns als Team nochmals ganz anders zusammengebracht. Gerade kleineren Betrieben kann ich das nur empfehlen.“

von BRIGITTE DEGELMANN

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