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Max von Weinberg, Ausstellung in Bad Soden, Badehaus.

Stadtgeflüster

Künstler Max Weinberg mit Goethe-Plakette geehrt

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Sein Traum war es, einmal im Museum für Moderne Kunst (MMK) ausgestellt zu werden. Dazu kam es zu seinen Lebzeiten jedoch nicht.

Sein Traum war es, einmal im Museum für Moderne Kunst (MMK) ausgestellt zu werden. Dazu kam es zu seinen Lebzeiten jedoch nicht. Der Frankfurter Künstler Max Weinberg war über Jahrzehnte hinweg integraler Bestandteil der Kunstszene der Mainmetropole. Um sein Wirken sowie seine Verdienste um seine Wahlheimat Frankfurt angemessen zu würdigen, sollte Weinberg in diesem Jahr mit der Goethe-Plakette geehrt werden.

Doch als Oberbürgermeister Peter Feldmann den Künstler im Frühjahr über die bevorstehende Ehrung informierte, traf er den 90-Jährigen auf dem Sterbebett an. Kurz darauf, am 18. April, starb Weinberg. Mit großformatigen, grell-bunten Bildern war er bekannt geworden, bevorzugte Motive für die an Graffiti erinnernden Werke waren abstrakte Gestalten mit vielen Augen, Beinen und Brüsten. Gestern nun nahm sein Sohn Jonatan Weinberg die hohe Auszeichnung der Stadt im Namen seines Vaters in Empfang.

Im geschäftsmäßigen Ambiente des Lindner Congress Hotels in Höchst ging die Feierstunde über die Bühne. Weinberg hätte sich bestimmt gewünscht, dass ihm wenigsten diese Ehre im MMK zuteil geworden wäre. Ein Foyer gibt es dort auch. Doch es sollte nicht sein.

„Ich hatte ihm versprochen, die Feier in der Atmosphäre des Bolongaropalastes abzuhalten“, berichtete Oberbürgermeister Feldmann, nachdem er die Goethe-Plakette überreicht hatte. Geplant gewesen sei, die Feier im dortigen Standesamt abzuhalten, „auch weil dieser Bereich der einzige gewesen wäre, der fertig gewesen wäre“, so der Rathauschef. Doch zu viele hätten sich für den Festakt angemeldet, so dass das Standesamt zu klein ausgefallen wäre. Deshalb das Kongresszimmer.

Eine Ehrung oder eine Veranstaltung in anderen Räumen, vielleicht sogar im MMK, „das kann man nachholen“, sagte Feldmann. Er hatte in seiner Ansprache Max Weinberg als Künstler mit einer unverwechselbaren, einer einprägsamen, sarkastischen Bildsprache gewürdigt.

„Max Weinberg war vor allem eins: Max Weinberg“, hob Feldmann hervor. Kulturdezernentin Ina Hartwig umschrieb den posthum Ausgezeichneten mit den Worten: „Er war ein Gesamtkunstwerk.“ Kurz nach ihrem Amtsantritt habe sie den „angstlosen, exzentrischen und fordernd sowie warmherzigen“ Künstler in dessen Atelier besucht und drei seiner Blätter erworben. „Es waren die ersten Arbeiten, die in meinem Büro hingen“, erzählte Ina Hartwig.

„Mein Vater hatte, trotz allem, was geschehen ist, einen großen Bezug zu Deutschland und eine besonderes Verhältnis zu Frankfurt“, sagte Max Weinbergs Sohn Jonatan in seiner kurzen Ansprache. Max Weinberg, in Kassel geboren, hatte sechs Geschwister, darunter einen mit schwerer Behinderung geborenen Bruder, der als Heranwachsender von den Nazis ermordet wurde. Die jüdische Familie floh vor den Nationalsozialisten erst nach Belgien und wanderte 1935 nach Palästina aus. „Mein Vater wird nicht nur durch seine Bilder, sondern auch durch die Menschen weiterleben, die ihn kannten“, so Jonatan Weinberg. Ähnlich hatte es Feldmann ausgedrückt: Die Erinnerung an ihn aufrecht zu erhalten, sei ihm wichtig, weil so die Stadt bunt bleibe.

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