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Goetheturm, Bembel und Bobbelsche

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Von: Stefanie Wehr

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Die Designs, die Marion Pohl mit ihrer Stickmaschine auf den Stoff bringt, stammen alle von ihr und ihrem Sohn. FOTO: michael faust
Die Designs, die Marion Pohl mit ihrer Stickmaschine auf den Stoff bringt, stammen alle von ihr und ihrem Sohn. FOTO: michael faust © Michael Faust

Passionierte Näherin aus Frankfurt stickt Wahrzeichen und Bekanntes aus Dribbdebach auf Stoff und Filz

Die Geschirrtücher mit dem Goetheturm sind der Renner. Seit Sachsenhausens Wahrzeichen wiederauferstanden ist, verkauft sich das weiße Tuch mit dem aufgestickten roten Turm am unteren Rand bestens. Beliebt ist auch die Silhouette der Skyline als Stickbild. Aber auch die Dauerbrenner, der Bembel oder das Gerippte, machen sich gut auf dem hochwertigen Leinenstoff, den Marion Pohl ausgewählt hat - "Schobbeglas-Labbe" steht dann daneben.

Für Nostalgiker hat Marion Pohl, die alle Designs selbst entworfen hat, noch den Henninger Turm im Angebot - aber den alten mit dem abgesetzten Rund. Den neuen könnte sie auf Sicht sticken: Sie schaut von ihrem Werkstattfenster direkt auf den modernen Wohnturm.

Anhänger und Baby-Lätzchen

Dort hat die Sachsenhäuserin zwei Zimmer und den Dachboden ihres Hauses am Johanna-Melber-Weg in Beschlag genommen, um Material zu lagern und zu arbeiten. Die Tücher warten stapelweise im Schrank, um in die Stickmaschine geschoben zu werden. Die ist computergesteuert und stickt das Design oder Schrift ganz von selbst auf. Auch Filz kann verziert werden, daraus werden dann Schlüsselanhänger, Brillenetuis, Handy- oder Tablet-Taschen, Mäppchen und vieles mehr. Für Babys gibt's zudem Stoff-Lätzchen mit Bobbelsche-Aufschrift.

"Wenn die Maschine läuft, kann ich zehn Minuten lang etwas anderes machen, dann kommt das nächste Stoffstück an die Reihe", erklärt Marion Pohl. "Die Produktionsabläufe habe ich inzwischen perfektioniert." Das betrifft auch die Erzeugnisse selbst, die schlicht, aber wirkungsvoll sind. Auf der Maschine aufgereiht sind zwar zehn verschiedene Garne in allen Farben, ein Produkt ist aber stets nur in einer Farbe bestickt.

Bei den Designs hat ihr Sohn Patrick geholfen, der macht das beruflich. Bei ihr selbst hat das Ganze eher als Hobby angefangen. "Ich habe schon immer gern genäht", erzählt sie.

"Zu meinem 50. habe ich mir selbst ein Geschenk gemacht und mir eine Stickmaschine gekauft. Jetzt stehen im Arbeitszimmer schon zwei davon. Denn die Nachfrage ist durch die Decke gegangen."

Unter dem Label Maripo verkauft sie die Frankfurt- und Sachsenhausen-Erzeugnisse online auf ihrer Seite www.maripo.de sowie auf Märkten, Messen und Festen, demnächst etwa auf dem Schweizer Straßenfestam 9./10. Juli.

Außerdem im Souvenirladen Maripo/Ookoko in der Brückenstraße, wo sie als Teilhaberin ein eigens "Fenster" betreibt. Auch der Hessenshop, der auf fünf Geschäfte in der Stadt angewachsen ist, verkauft Maripo-Sachen. Und natürlich sind sie im Mühlberglädchen um die Ecke zu finden. Besonders freute sich Marion Pohl, als der Frankfurter Küchenaustatter Lorey auf sie zukam. "Sie wollten eine Frankfurt-Ecke im Laden einrichten." Für Pohl kein Problem.

Als die Corona-Pandemie begann, stieg die passionierte Näherin aich ins Stoffmaskennähen ein. "Ich wurde von den Anfragen förmlich überrannt", erinnert sie sich, "ich hab Tag und Nacht genäht". Natürlich trugen auch die Masken die Frankfurt-Symbole. Marion Pohl kaufte Unmengen Stoff nach und Gummibänder. Großbestellungen kamen von Apfelweinlokalen oder Keltereien, die ihren Kunden Masken mit Bembeln und einem individuellen Schriftzug bieten wollten. Auch Firmen, die nichts mit Bembel und Co. zu tun haben, wollen ihr Firmenlogo auf der Stoffmaske sehen. Das alles wurde schlagartig überflüssig, als die gesetzliche Vorschrift für medizinische Masken kam.

Kunst an allen Ecken

Nun muss sich die Kreative etwas anderes für die Stoffrollen überlegen. Doch da wird ihr sicher etwas einfallen. "Ich habe noch viele Ideen, es ist meine Lieblingsbeschäftigung, kreativ zu sein." Das merkt man auch dem Haus der Pohls an. Es ist voller Kunst, die inspiriert, schön aussieht - und zum Schmunzeln bringt, wie die vielen bunten Eidechsen aus Blech oder Keramik, die im Treppenhaus an der Wand entlang zu laufen scheinen. Im Eingang begrüßt Donald Duck auf einem großen Wandgemälde Besucher. Und auf der Garagentür grinsen die berühmten Frankfurter Graffiti-Gespenster. Stefanie Wehr

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