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Die Wetterseite des ?Goldenen Adlers? ist seit Jahren mit einer Plane geschützt. Nach Ostern soll die Sanierung beginnen.

Umbau der Höchster Traditionsgaststätte

„Goldener Adler“: Sanierung ab April

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Die Zeit des Wartens scheint vorbei: Die Stadt Frankfurt hat einen Zuschuss von einer Million Euro für die Sanierung des „Goldenen Adlers“ an der Bolongarostraße genehmigt.

Seit Jahren hat es den Anschein, als passiere nichts mit dem denkmalgeschützten „Goldenen Adler“: Fenster sind vernagelt, Teile des Gebäudes mit grünen Folien und Spanplatten vor den Witterungseinflüssen geschützt. Hinter den Kulissen waren jedoch die Bauforscher eifrig mit dem in Teilen aus dem 17. Jahrhundert stammenden Haus beschäftigt. Das Erdgeschoss, das haben die Untersuchungen ergeben, ist jünger als die oberen Stockwerke: Es wurde neu aufgebaut, weil wahrscheinlich Feuchtigkeit das alte Mauerwerk geschädigt hatte. Das Haus wurde vermessen und untersucht.

Jetzt kann es mit der lange erwarteten Sanierung losgehen: Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) hat einen Zuschuss von einer Millionen Euro für die denkmalgerechte Sanierung des „Goldenen Adlers“ genehmigt. Insgesamt, so erklärt die Architektin Ute Gutschalk von der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (BSMF), werde das Vorhaben mehr als das Doppelte kosten. Die Ausschreibungen für das Gerüst seien erfolgt, die Sperrung der Straßenseite beantragt: „Ich schätze, dass es nach Ostern losgeht.“

Das Gebäude in der Bolongarostraße 156, das über Jahrhunderte als Gaststätte genutzt wurde, steht seit Oktober 2010 leer und verwahrloste zusehends – bis es von der teilstädtischen Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG) vor rund zwei Jahren nach langwierigen Verhandlungen erworben wurde (wir berichteten).

Das Haus gehörte zum Bestand der Mannheimer Götz Immobilien, die seinerzeit viele Gasthäuser aus dem Portfolio der Henninger Bräu aufgekauft hatte, aber nie grundlegend in die Häuser investierte. „Dieses Schmuckstück wird mit städtischer Unterstützung wieder zum Glänzen gebracht“, sagt Cunitz. „Der Wiederinstandsetzung des denkmalgeschützten Fachwerkhauses messen wir eine große Signalwirkung bei. Denn hier wird beispielhaft gezeigt, wie man mit sogenannten Problem-Immobilien umgehen kann. Daher unterstützen wir dieses Modellprojekt der Denkmalpflege sehr gern mit Geld aus dem Förderprogramm Innenstadt Höchst.“

Beim „Goldenen Adler“ handelt es sich um ein verputztes Fachwerkhaus der Spätrenaissance. Der Keller stammt sogar teilweise aus dem 13. Jahrhundert. Das hochwertige Baudenkmal ist aufgrund seiner Größe und Lage ein sehr prägnanter Bau im Gefüge der Höchster Altstadt und weist auch eine Reihe von erhaltenen Ausstattungsmerkmalen auf. Das Gebäude war 2010 vom Ordnungsamt und vom Amt für Wohnungswesen im Zuge einer Razzia geräumt worden, weil die Zimmer in den oberen Stockwerken quasi matratzenweise an osteuropäische Zuwanderer vermietet worden waren. Eine Sanierung in den 70er Jahren hat im Haus mehr kaputtgemacht als in Ordnung gebracht wurde: Es wurden Doppel-T-Träger aus Stahl eingezogen und Wände neu aufgemauert.

Nach der grundlegenden Sanierung wird in dem Gebäudekomplex wieder in erster Linie gewohnt werden, eine Gaststätte soll dort nicht mehr hinein. Geplant ist auch, das zugemauerte Tor zur Albanusstraße wieder zu öffnen. Der Schlussstein über diesem Tor ist etwas Besonderes: Er zeigt unter der Jahreszahl 1772 eine Maischgabel, einen Bierschöpfer und vermutlich einen Dreschflegel sowie die Buchstaben JPB. Johann Peter Bied war Braumeister in Höchst.

Über das derzeit zugemauerte Tor soll der kleine Innenhof des Gebäudes neu erschlossen werden; geplant ist, ein Tor mit einer Schlupftür einzusetzen. Der Schankraum der Gaststätte soll künftig halböffentlich als Begegnungsstätte genutzt werden; das Haus wird zu Wohnzwecken an eine Wohngruppe vergeben.

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