"Mit Sport ist es schöner": David mit einer seiner Medaillen.
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"Mit Sport ist es schöner": David mit einer seiner Medaillen.

Leichtathletik

Goldjunge sammelt Medaillen

  • VonEnrico Sauda
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David fiebert den Special Olympics entgegen

Frankfurt -Er hat etliche Medaillen. In Gold und Bronze. Silber hat er ausgelassen. David ist Weitspringer und 100-Meter-Sprinter. Ungefähr 15 Sekunden braucht er für diese Distanz. David ist überglücklich. Noch sitzt er im Klassenzimmer beim Frühstück. Doch bald geht's zum Trainingsplatz. Denn der 18-Jährige, der die Panorama-Schule, die förderschwerpunktmäßig geistige Entwicklung unterrichtet, besucht, ist ein talentierter Leichtathlet. 217 Schüler hat die Schule, 70 Lehrkräfte und Erzieher kümmern sich um die Mädchen und Jungen. Doch coronabedingt war nichts mit Üben und Sport in der Schule. Doch Sport begeistert ihn; er betreibt ihn schon seit etlichen Jahren.

Das Einschätzen der Zeit fällt ihm schwer. Im nächsten Schuljahr absolviert er Praktika in der Werkstatt. Dann wird geschaut, wie es weitergeht. "Theoretisch wäre er so weit, dass er aus der Schule entlassen werden und zum Arbeiten gehen könnte", sagt Daniela Franz, die stellvertretende Schulleiterin. "Aber durch Corona konnte David kein Praktikum machen - vergangenes und auch dieses Jahr nicht", erklärt sie. "Deshalb haben seine Eltern Schulzeitverlängerung beantragt, um so eine gute Übergangsphase von der Schule zum Beruf hinzubekommen."

"Hüpfen und Laufen"

halten ihn zurzeit fit

Die Monate, in denen David nicht in der Schule trainieren konnte, hielt er sich trotzdem fit. Vor wenigen Wochen dann das erste Training in der Schule. "Hüpfen und Laufen", sagt er. Ein bisschen Muskelkater hätte er danach gehabt. "Mit Sport ist es schöner", sagt der 1,90 Meter große und 90 Kilogramm schwere junge Mann, der in der Pandemie-Zeit manchmal im Park Fußball gespielt hat. Stürmer ist er.

"Ich freue mich auf Berlin", sagt er. Aber nicht auf das Pokalfinale, sondern dort gehen nächstes Jahr die Nationalen Spiele der Special Olympics über die Bühne. Die Special Olympics ist die weltweit größte, vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannte Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. 2017 nahm David in Marburg an den Special Olympics teil. Vor zwei Jahren startete er bei den Winter-Special-Olympics in Österreich in der Disziplin Schneeschuhlaufen. Im Jahr drauf trat er wieder in dieser Disziplin an - in Berchtesgaden. "Damals hat er auch Medaillen gewonnen", sagt Daniela Franz, die seine Sportlehrerin ist und auch die Leichtathletik-Sportgruppe leitet.

Viel Sport in

der Förderschule

Die Sport-Gruppe, der David angehört, setzt sich aus Schülern der Mittelstufe bis zur Hauptorientierungsstufe zusammen und läuft innerhalb des Wahlfach-Angebots, das sich im Wesentlichen an die Großen wendet. Sport allerdings ist für alle geöffnet. "David macht schon seit fünf Jahren Leichtathletik", berichtet Daniela Franz. "Bei den Special Olympics ist das Schöne, dass es nicht auf die Leistung ankommt, sondern aufs Mitmachen - und das kann jede Schülerin und jeder Schüler nach seinem Niveau", lobt Franz. "Durch das Training habe ich entdeckt, dass David Talent hat."

Üblicherweise trainieren sie in der Halle. Im Sommer, also in solchen ohne Corona-Pandemie, "haben wir eine Kooperation mit der SG Nied und dürfen deren Sportanlage benutzen", sagt Daniela Franz. "Denn der Sportplatz, der hier ursprünglich mal geplant war, nie gebaut worden ist", so die Pädagogin weiter, die in Sport ihr Abitur machte und Geografie studierte. So können sie richtig Leichtathletik machen - rennen, laufen, springen, werfen. Neben dem Sport seien bei den Landesspielen oder den großen Spielen der Special Olympics zwei Dinge enorm wichtig: "Dass die Mädchen und Jungen glücklich sind und Spaß haben sowie der Entwicklungsschub in ihrem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen."

Auf die Special Olympics kam die Lehrerin durch Zufall. "2002 fanden die nationalen Spiele in Frankfurt statt", erinnert sie sich. "Damals war es so, dass sie Helfer suchten. Ich bekam das mit, meldete mich, wollte aber mitmachen, nicht helfen", berichtet sie. Das klappte und seitdem ist die Panoramaschule jedes Jahr dabei. Erst im Zweijahresrhythmus, später im Vierjahresrhythmus. Wäre 2021 ein "normales" Jahr, dann wären in Darmstadt die Landesspiele über die Bühne gegangen, wo die Sportler sich für die Nationalen Spiele im kommenden Jahr hätten qualifizieren können. "Wobei qualifizieren nicht das richtige Wort ist", sagt Daniela Franz, "sondern die Sportler müssen teilgenommen haben und bestimmte Voraussetzungen schaffen." David würde dies sicher gelingen. Enrico Sauda

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