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Deutschland, Frankfurt-Goldstein, 29. März 2018: Blick auf Gräber und die Trauerhalle des Waldfriedhofs in Goldstein. Rund 4000 Gräber befinden sich auf der Trauerstätte am Rand des Frankfurter Stadtwalds. Eröffnet wurde der Waldfriedhof Goldstein im Jahr 1950. Trotz seiner Randlage ist der Ort gut erreichbar, er verfügt sogar über eine eigene Trambahn-Haltestelle. Seit letztem Jahr haben es auch Gehbehinderte leichter an der Haltestelle, denn die Stadt hat diese barriefrei umbauen und modernisieren lassen.

Stadtteil-Serie (Teil 36)

Goldstein: Die Wohnsiedlung

Wer hier länger lebt, bemerkt es irgendwann kaum mehr: Ein stetes Rauschen bildet die Geräuschkulisse in Goldstein. Es kommt von der Autobahn A 5, von der die Siedlung am östlichen Ende nur durch eine Schallschutzmauer getrennt ist. Zudem lärmt es von oben, liegt Goldstein doch in der Einflugschneise des Flughafens.

Wer hier länger lebt, bemerkt es irgendwann kaum mehr: Ein stetes Rauschen bildet die Geräuschkulisse in Goldstein. Es kommt von der Autobahn A 5, von der die Siedlung am östlichen Ende nur durch eine Schallschutzmauer getrennt ist. Zudem lärmt es von oben, liegt Goldstein doch in der Einflugschneise des Flughafens.

Goldstein ist – was viele Frankfurter nicht wissen – kein Stadtteil, sondern eine Siedlung, die zwischen Niederrad und Schwanheim liegt und zu Schwanheim gehört. Dafür grenzt das Quartier an den Stadtwald, an das Mainufer und an den beschaulichen „Mutter-Stadtteil“ im Westen. Eine gewisse Dörflichkeit ist auch dadurch gewahrt, dass Goldstein kaum in die Breite wachsen kann. So hat sich am Erscheinungsbild in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig geändert.

Die Siedlungsanfänge gehen auf das Goldstein-Geschlecht zurück: Es baute im 13. Jahrhundert ein Hofgut, dessen Nachfolgergebäude verschiedene Eigentümer hatte. Es wurde niedergebrannt und aufgebaut sowie mehrfach veräußert.

Die heutige Siedlung entstand Anfang der 1930er Jahre nach den Plänen des legendären Frankfurter Stadtplaners Ernst May. Es war keine Arbeitersiedlung, sondern es entstanden Doppelhäuser auf Erbpachtgrundstücken. Sie waren zunächst für kinderreiche Siedlerfamilien aus dem ländlichen Umland gedacht. Die Grundstücke, auf denen die Häuser standen, waren mit 750 Quadratmetern relativ groß und sollten für Gemüsegärten und die Haltung von Kleinvieh genutzt werden. Bis heute folgten nur wenige Neubauten. Aus dem Rahmen fallen die in den 1990er Jahren im Stil des Dekonstruktivismus erbauten Mietshäuser des Stararchitekten Frank O. Gehry.

In den 1960er Jahren entstand in Goldstein die Hochhaussiedlung Heisenrath. In den 1990er Jahren sorgte sie für negative Schlagzeilen wegen Drogenhandels und Müll.

Doch das Miteinander und das Erscheinungsbild haben sich zum Positiven gewandelt.  Rund 11 000 Menschen leben heute in Goldstein und somit einige tausend Menschen mehr als in Schwanheim, wo sich auch der Großteil der örtlichen Industrie und des Gewerbes befindet. Dafür ist die Nahversorgung in der Siedlung nicht die beste, worunter vor allem die nicht so mobilen Bewohner leiden. Auch gilt die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr als ausbaufähig; hier rollen nur zwei Straßenbahnlinien zu den Bussen.

Unser Reporter Ben Kilb fing einige Szenarien aus der Siedlung Goldstein fotografisch ein.

Karin ist mit Tochter Lea und deren Patentante Carolina immer wieder gern im Goldsteinpark unterwegs. Die junge Mutter mag das Leben in der Siedlung, „weil es hier dörflich ist, man mit der Straßenbahn aber ganz schnell in der Innenstadt ist.“ Auch dass viele Häuser in Goldstein über einen Garten verfügen, sei ein guter Grund dafür, hier zu wohnen.  Die Mutter hat auch keine Angst, dass das Quartier nachverdichtet wird und damit seinen Charme verliert: „Aufgrund der Nähe zum Stadtwald und zum Main ist das hier doch gar nicht möglich.“

Dem Hofgut verdankt die Siedlung ihren Namen. Jener einst stark befestigte Hof war im 13. Jahrhundert der Sitz eines alten einheimischen Geschlechtes mit dem Namen Goldstein. Nachdem das Hofgut im Lauf der Jahrhunderte im Besitz des Herzogtums Nassau und der Gräfin von Reichenbach-Lessonitz war, verkaufte diese es im Jahr 1909 an die Stadt Frankfurt. Heute betreibt der Frankfurter Verband dort ein Begegnungs- und Servicezentrum.

m Gegensatz zu anderen Frankfurter Randstadtteilen ließ der legendäre Stadtplaner Ernst May in Goldstein keine Arbeitersiedlung bauen. Er plante die Siedlung ab 1930, zwei Jahre später begannen die Bauarbeiten. Es entstanden vorwiegend Doppelhaushälften auf Erbpachtgrundstücken. Die Siedler mussten teilweise selbst Hand anlegen beim Bau, erhielten die Häuser dann aber auch zu vergünstigten Preisen. Rund 11 000 Menschen leben heute in Goldstein, das sind mehr als im benachbarten Schwanheim, obwohl die Goldstein-Siedlung zu diesem Stadtteil gehört.

Die Gehry-Siedlung könnte ein Mahnmal für städtebauliche Sünden sein. Der Stararchitekt Frank O. Gehry entwarf zwischen 1994 und 1996 etwa 160 dieser Sozialwohnungen für damals etwa 51,5 Millionen Deutsche Mark. Die Fassaden der Häuser sind in die Jahre gekommen und glänzen längst nicht mehr wie einst.

Pächter Dario Juric (re.) plant mit zwei seiner Mitarbeiter die Außengastronomie des Restaurants „Haus Goldstein“ im städtischen Saalbau. Die Goldsteiner nutzen das Gebäude mit dem schönen großen Garten für Veranstaltungen, auch etliche der Vereine und Initiativen treffen sich gern dort. Gebaut wurde der Saalbau wie viele andere Gebäude in Goldstein nach den Plänen des Stadtplaners Ernst May.

Adamaria kauft Gemüse in einem kleinen türkischen Supermarkt in der Goldsteinstraße ein. Der kleine Laden ist in der Ecke die einzige Einkaufsmöglichkeit. Stammgast Jürgen trinkt hier jeden Tag seinen Kaffee. Und sagt: „Wir haben zwar noch einen Supermarkt in der Siedlung, ein anderer ist erst in der Niederräder Bürostadt. Für viele ältere Menschen aus Goldstein ist der Weg dorthin jedoch zu weit.“

Blick auf Gräber und die schöne Trauerhalle des Waldfriedhofs in Goldstein: Rund 4000 Gräber befinden sich auf dieser Trauerstätte am Rand des Frankfurter Stadtwalds. Eröffnet wurde der Waldfriedhof im Jahr 1950. Trotz seiner Randlage ist er gut erreichbar, es gibt eine Straßenbahn-Haltestelle. Sie wurde erst 2017 modernisiert und barrierefrei.

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