fff_pater_231020
+
Pater Stefan Maria Huppertz auf der Empore der restaurierten Liebfrauenkirche. foto: rüffer

Innenstadt: Glauben

Gottes Segen und ein Gin mit Weihrauch

  • vonBrigitte Degelmann
    schließen

Rektor des Kapuzinerkonvents scheut keine ungewöhnlichen Ideen

Manchmal blickt Pater Stefan Maria Huppertz aus dem Fenster seines Büros auf den Turm der Liebfrauenkirche. Und kommt dann ein wenig ins Sinnieren - darüber, dass dieser Turm und dieses Gotteshaus seit rund sieben Jahrhunderten stehen. "Hier werden seit 700 Jahren Leitungsaufgaben erfüllt", sagt er. Ein Wissen, das ihn mit Demut erfülle und auch für "Bodenhaftung" sorge, wie er es ausdrückt. Seit gut einem Jahr fungiert der 43-Jährige, der aus Oberhausen im Ruhrgebiet stammt, als Rektor des Kapuzinerkonvents. Zuvor wirkte er unter anderem acht Jahre in München, wo er einen Pfarrverband aufbaute, und studierte nebenbei berufsbegleitend Organisationsentwicklung, Coaching und Supervision an der Hochschule Kempten.

Im Vergleich zu München

Die ersten sechs Monate in Liebfrauen verliefen erwartungsgemäß. Huppertz knüpfte Kontakte. Sorgte für die Koordination der zahlreichen Gottesdienste, Gespräche, Beichten und Veranstaltungen in Liebfrauen. Versah Aufgaben als Geschäftsführer der Einrichtung, in der gut ein Dutzend hauptamtliche Mitarbeiter tätig sind. Und fand nebenbei schnell heraus, dass Frankfurt ganz anders funktioniert als seine vorherige Wirkungsstätte in der Isarvorstadt in München. Nicht nur deshalb, weil das Tempo am Main rascher sei als an der Isar: "Das merkt man schon am Gang der Menschen, man läuft hier schneller." Und während München die monarchische Tradition als Residenzstadt hochhalte, gebe sich Frankfurt dagegen als ehemalige freie Reichsstadt gern liberal-progressiv. Dabei betone man weltstädtisches Flair - "manchmal so bemüht, dass es fast niedlich wirkt", merkt er schmunzelnd an. "Wie ein 14-Jähriger, der sich streckt und reckt, um groß zu sein." Rasch ergänzt er jedoch, dass die kulturelle Vielfalt am Main tatsächlich faszinierend und das Angebot an Museen "grandios" sei.

Und dann kam Corona

Gerade mal ein halbes Jahr war Huppertz im Amt, hatte die wichtigsten Amts- und Funktionsträger kennengelernt und dachte, dass er jetzt richtig loslegen könnte - da kam Corona. "Das hat uns zunächst völlig ausgebremst", erinnert er sich. Keine Gottesdienste mehr, keine Veranstaltungen, keine Termine, die zwischenmenschlichen Kontakte auf ein Mindestmaß heruntergefahren, zumeist beschränkt auf die insgesamt elf Mönche, die damals im Kloster lebten. Immerhin: Beichtgelegenheiten gab es selbst während des strengsten Shutdowns.

Und auch die Kirche blieb geöffnet, für diejenigen, die einen Ort für ein Gebet suchten oder nur ein wenig innehalten und eine Kerze anzünden wollten. "Wir haben uns bemüht, da zu sein", sagt der Kirchenrektor. Zum Beispiel an Ostern, als man für Kirchenbesucher rund 400 Tüten packte, mit Palmwedeln, Kerzen, Liedern und Gebeten - als Ersatz für die Festgottesdienste. Mittlerweile hat sich die Situation normalisiert, obwohl die Zahl der Gottesdienstbesucher immer noch auf 70 beschränkt ist und man auf Gesang verzichtet. Aber es gibt wochentags wieder drei Messfeiern sowie Beichtgelegenheiten. Und natürlich den Franziskus-Treff, zu dem täglich gut 100 Obdachlose kommen. Nicht zu vergessen die Turmzimmer-Angebote - 45-minütige Gespräche mit einem Kapuzinermönch oder einem Ehrenamtlichen.

Als Hauptaufgabe sehe er, "dass wir unsere Infrastruktur für die Menschen zur Verfügung stellen", sagt Huppertz. Also Räume der Stille für Einkehr und Gebet - wie schon in früheren Jahrhunderten. Denn: "Man muss das Rad nicht neu erfinden. Unser Produkt ist gut. Aber wir müssen in jeder Generation neue Vertriebswege und Marketingstrategien finden."

Deshalb stellten sich vor einigen Wochen drei der Kapuzinermönche aus Liebfrauen mitten auf die Zeil, mit drei Stehtischen, auf die drei alte Schreibmaschinen platziert waren, und boten Passanten an, für sie ein kurzes Gebet oder einen Segen zu verfassen. Und deshalb überlegt der Kirchenrektor zurzeit auch, Angebote für die vielen Wochenend-Heimfahrer zu schaffen, die nur von Montag bis Freitag in Frankfurt sind.

Ein besonderes Projekt hat Pater Stefan Maria Huppertz bereits mit Destillateur Alfred Küchle aus Sachsenhausen verwirklicht: Seit kurzem gibt es unter dem Titel "MainSegen" einen Bio-Gin. "Mit einer Spur von Weihrauch", wie Huppertz schmunzelnd verrät. Verkauft wird der hochprozentige Gaumenschmeichler an der Pforte von Liebfrauen, eine Halbliterflasche kostet 60 Euro. Der Gewinn ist für die Arbeit in Liebfrauen bestimmt.

Brigitte Degelmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare