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Martin Rossbach (li.) und Thomas Burek bereiten den Beitrag zum dritten Advent in der Unterliederbacher Kirche vor.

Frankfurter Westen

Gottes Wort auf digitalen Wegen

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Die Großpfarrei Sankt Margareta stellt Kurzpredigten ins Netz.

Die Corona-Pandemie brachte auch die Großpfarrei Sankt Margareta im Frankfurter Westen in die Bredouille: Wie erreicht man die Schäfchen, wenn die zu Hause in der Isolation des Lockdowns sitzen? Wie erreicht sie Gottes Wort, wenn der Zugang zu den Gottesdiensten und die Anzahl der Plätze strikt reguliert sind? Ein Plan musste her: "Corona hat uns zu der Erkenntnis gebracht, dass Kirche auch online präsent ist", berichtet Gemeindereferent Martin Rossbach.

Das sei in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen kaum geschehen. Doch die Verstärkung des Pastoralteams der Gemeinde, zu der St. Josef (Höchst), St. Johannes-Apostel (Unterliederbach), St. Dionysius (Sindlingen), St. Bartholomäus (Zeilsheim) und St. Michael (Sossenheim) gehören, durch Pfarrer Frank Fieseler, macht es jetzt möglich. "Nun haben wir den Freiraum, uns auch digital zu präsentieren", erklärt Rossbach, dem diese Aufgaben als Verantwortlichem nun obliegen. "Wie wir das konkret machen, werden wir im neuen Jahr genau besprechen."

Allein, das nahende Weihnachtsfest erforderte schon jetzt schnelles Handeln. So knüpften die Verantwortlichen an eine Idee an, die sie erstmals im ersten Lockdown für den Ostergottesdienst umgesetzt hatten: Die wichtigsten Sequenzen der Osternacht wie der Einzug mit der Kerze, das Evangelium, die Taufwasserweihe und eine Kurzpredigt wurden zu einem Film zusammengeschnitten und den Gläubigen der Pfarrei über den Youtube-Kanal "St. Margareta Frankfurt" oder im Netz unter www.margareta-frankfurt/ zur Verfügung gestellt.

Nun, in der Vorweihnachtszeit, entstanden an den ersten beiden Adventssonntagen jeweils Clips mit Kurzpredigten und Gedanken von Pfarrer Frank Fieseler aus der Höchster Justinuskirche und Pastoralreferent Michael Ickstadt aus der Kirche St. Michael in Sossenheim.

Am dritten Advent wird Pastoralreferent Thomas Burek zu sehen sein, den Abschluss macht dann zu Weihnachten Pastoralreferent Franz-Karl Klug. Die Beiträge sind nach Rossbachs Worten "bewusst nie länger als drei Minuten gehalten - sonst schalten die Leute ab". Es sei zwar schwierig, christliche Botschaften so knapp zu halten, "doch es klappt".

Einen kompletten Gottesdienst zu streamen sei "auch technisch nicht möglich, da wir in den Kirchen kein Internet haben", erklärt Rossbach die technischen Beschränkungen, der die Videos filmt und schneidet. Ein Mitarbeiter lädt sie dann auf der Plattform der Pfarrei hoch.

Und wie nehmen die Gemeinden das virtuelle Angebot an? "Es braucht immer etwas Zeit, um einen Youtube-Kanal bekannt zu machen", räumt Rossbach ein. Deswegen klängen Klickzahlen von 70 bis 300 Klicks zwar nicht nach viel - "aber wir fangen ja auch gerade erst an".

Doch nicht nur an Erwachsene richtet sich die Digitaloffensive: So ersann die Leiterrunde der Kindertagesstätten der Pfarrei die Idee eines digitalen Adventskalenders. "Der wird von unseren sieben Kitas bestückt, nach und nach öffnen sich so immer mehr Türchen auf unserer Webseite", berichtet der Gemeindereferent. Mit ihren Erzieherinnen backen die Kinder vor der Kamera Plätzchen, lesen Geschichten vor, basteln Sterne, machen Klangspiele oder zeigen die Nikolausgeschichte als Schattenspiel. Jeweils eingeleitet werden die Beiträge von Claudia Lamargese, der Kita-Beauftragten der Pfarrei, und ihrer Sprechpuppe, dem Schaf Wolli. "Ich bin schon mit meiner Videoausrüstung durch alle Kitas geflitzt", erzählt Martin Rossbach. Für ihn seien die Dreharbeiten jeweils auch ein Vergnügen gewesen, dank der spürbaren Vorfreude der Kinder. Allerdings sei konzentriertes Arbeiten dabei wichtig: "Ein, zwei Versuche müssen reichen", erklärt er. "Denn danach lässt die Aufmerksamkeit der Kinder nach, und sie wenden sich wieder anderen Dingen zu." Ein kleiner Trick hilft, damit keiner der jungen Akteure vor der Kamera verkrampft: "Wir sagen den Kindern, dass wir eine Probe machen", verrät Rossbach schmunzelnd. "Dabei läuft die Kamera aber schon." MICHAEL FORST

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