In Frankfurt geboren, in Oberursel aufgewachsen und als Professor in Sankt Georgen: Stephan Herzberg. foto: hamerski
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In Frankfurt geboren, in Oberursel aufgewachsen und als Professor in Sankt Georgen: Stephan Herzberg.

Sachenhausen: Sankt Georgen

Gottes Wort mit Leben und Liebe füllen

  • vonGernot Gottwals
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Philosophie-Professor wird zum Diakon geweiht

Dass Stephan Herzberg (42) mit und aus dem christlichen Glauben heraus leben wollte, war ihm schon früh klar. Doch sollte er katholischer Priester und Ordensmann werden, oder doch lieber Philosoph und Hochschullehrer? Herzberg hat sich für den zweiten Weg entschieden, ist heute Familienvater und Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. Da er trotzdem den Glauben verkünden und seine Pfarrei in Neu-Anspach unterstützen will, wird er am kommenden Samstag im Limburger Dom zum Diakon geweiht.

Sein Instrument ist die Orgel

"In Neu-Anspach unterstütze ich unseren Pfarrer nach Absprache, bei Bedarf wirke ich auch gerne in den Gottesdiensten unserer Hochschule mit", sagt Herzberg, der zudem auch nebenberuflicher Organist ist. Als Diakon kann er predigen, die Taufe spenden, außerdem kirchliche Trauungen und Begräbnisfeiern leiten und Wortgottesdienste feiern. Zudem wird sich Herzberg auch in der Seelsorge für Familien engagieren, die gerade durch die Corona-Krise sehr belastet sind.

Hier kann Herzberg auch aus eigener Erfahrung sprechen: "Auch wir haben unser Zuhause teilweise zur Turnhalle umgebaut und müssen unsere beruflichen Projekte auf den Abend verschieben, weil wir tagsüber mit Homeschooling beschäftigt sind." Und doch möchte der Hochschullehrer seine Aufgaben als Familienvater mit Ehefrau Silke sowie den Kindern Anna-Maria (10), Joseph (8) und Katharina (9 Monate) nicht missen: "Das bringt viele Verpflichtungen mit sich, lehrt einen aber auch, sich selbst und seine akademischen Eitelkeiten nicht zu wichtig zu nehmen."

Philosophiert Herzberg vor den Studenten von antiken und mittelalterlichen Logikern, Ethikern und Scholastikern, so wird er sich bei den Predigten vor der Gemeinde etwas umstellen müssen: "Hier versuche ich eine klare, verständliche und schnörkellose Sprache zu finden, um den Menschen einfache Sachverhalte zu erklären." Zum Beispiel, dass man das Coronavirus auch als "Schattenseite der Schöpfung" verstehen kann, um die Menschheit dazu zu bringen, gewisse Glaubens- und Verhaltensweisen zu überdenken.

Schnörkellose Sprache schätzt Herzberg schließlich auch an Aristoteles, der wiederum die mittelalterliche Philosophie des Heiligen Thomas von Aquin besonders geprägt hat. Herzberg selbst ist sowohl katholisch als auch evangelisch aufgewachsen, bezeichnet seinen Vater, der früher als Ingenieur gearbeitet und auch eher eine nüchterne Sprache bevorzugt hat, als "frommen Lutheraner".

In Oberursel aufgewachsen

1978 in Frankfurt geboren und in Oberursel aufgewachsen erfuhr er seine katholische Prägung vor allem durch seine Großmutter. Bereits im Schulalter ließ er sich für die Orgel und für die Philosophie begeistern, die er zunächst auch vorrangig studieren wollte.

Von 1998 bis 2000 schloss Herzberg ein Bakkalaureat der Philosophie an der Hochschule der Jesuiten in München ab und studierte anschließend parallel Philosophie und katholische Theologie in Sankt Georgen und an der Goethe-Uni. Nach drei weiteren Jahren an der Universität in Tübingen schloss er als Magister ab und promovierte in Philosophie über Aristoteles. Nach weiteren Stationen an der University of Toronto und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften erhielt er 2015 einen ersten Lehrauftrag an der Universität Innsbruck und ist seit 2017 Professor für Geschichte der Philosophie und Praktische Philosophie an der Hochschule Sankt Georgen.

Ein Leben als Ordenspriester

Eine Karriere, die er durchaus auch als Zeit der Spannungen erlebte. "Ich wollte erst Philosoph und dann Theologe werden, konnte mir zeitweise aber auch ein Leben als Ordenspriester vorstellen", erinnert er sich. Den damit verbundenen Pflichtzölibat sieht er zunächst als etablierte Tradition, die man überprüfen könne, aber auch als besondere Gabe, die den Ernst des priesterlichen Amtes unterstreicht. "Die Familie ist für mich ebenso ein Gottesgeschenk", unterstreicht Herzberg. Wichtig bei seiner Berufung zum Diakon ist für ihn das Bedürfnis, in seiner beruflichen und familiären Situation der Gemeinde das Wort zu verkündigen. So betrachtet er sein neues Amt als Teil eines großen Schatzes in der christlichen Tradition (siehe Box), den er nun mit Leben füllen will. Gernot Gottwals

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