Graffiti im Zeichen der Vielfalt: Stadtteilbotschafterin Yasmine Ikradine reicht Max Aurea eine Spraydose an. foto: maik reuss
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Graffiti im Zeichen der Vielfalt: Stadtteilbotschafterin Yasmine Ikradine reicht Max Aurea eine Spraydose an.

Nied: Frankfurter Straßenkunst

Graffiti verschönt graue Schallschutzwände

  • VonAlexandra Flieth
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Kinder schaffen im Projekt "We Nied Art" etwas Dauerhaftes für ihren Stadtteil

"Nied ist ein toller und schöner Stadtteil", beschreibt Yasmine Ikradine prägnant den Ort, an dem sie aufgewachsen ist und lebt. Mit ihrem als Stadtteilbotschafterin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft initiierten Projekt "We Nied Art" ermöglichte sie jetzt Kindern, die in Nied leben, zu zeigen, wie viel kreatives Potenzial in ihnen steckt. Aber vor allem, nach den Corona-bedingten Entbehrungen der vergangenen Monate, wieder zusammenzukommen, um gemeinsam etwas Dauerhaftes für den Stadtteil zu schaffen.

Entstanden ist ein großflächiges Wandbild, ein Graffito, auf dem die Skyline Frankfurts in Nuancen von Blautönen abgebildet ist. Über den Hochhausbauten schweben Darstellungen verschiedener Flaggen - sie kreisen über den Dächern der Stadt wie die Planeten um die Sonne. Als Ausdruck für die Internationalität und das multikulturelle Leben im Stadtteil und in ganz Frankfurt - das Wandbild ist eine Hommage an die Vielfalt und ein Kunstwerk, mit dem die Kinder ihre Verbundenheit und Solidarität zu Nied zum Ausdruck bringen.

Künstler unterstützt das Projekt

Als Fläche für das Wandgemälde, das umgangssprachlich auch mit dem englischen Begriff "mural" bezeichnet wird, dient den zwölf Jungs im Alter von acht bis 13 Jahren ein Teil der Lärmschutzwand an der Fußgängerbrücke unweit des Sportplatzes des Fußballvereins (FV) Alemannia 08 Nied. Um die gestalten zu dürfen, hat sich die Stadtteilbotschafterin zuvor bei der Deutschen Bahn eine Genehmigung eingeholt. Die Idee zum Motiv sei in einem Workshop mit den Kindern entwickelt worden, erzählt Ikradine. Bevor es mit der konkreten Umsetzung des Motivs losgehen konnte, wurde die vorgesehene Fläche für das Wandbild am Tag zuvor grundiert.

Bei der Organisation und der praktischen Umsetzung wird Yasmine Ikradine von Graffiti-Künstler Maximilian Aurea, den alle nur Max nennen, und Künstler Lukas Sünder, der ihr als Mentor im Stadtteilbotschafter-Projekt mit Rat zur Seite steht, unterstützt.

Auch das Jugendhaus Nied, dessen Träger die Projektgruppe "Kind in Nied" ist, hilft bei der Realisierung mit. So ist die Stadtteilbotschafterin unter anderem in das Jugendhaus gegangen, um dort ihr Projekt vorzustellen. Zur Umsetzung sind Mitarbeiter des Teams vor Ort - wie Sozialarbeiter Mohamed Kaddouri, der an diesem Nachmittag dafür sorgt, dass sich die Kinder mit gegrillten Hühnchen-Spießen und frischem Salat stärken können. Spraydosen mit verschiedenen Farbtönen und selbst gestaltete Schablonen für die Darstellung der Flaggen liegen vor der Lärmschutzwand verteilt.

Passanten finden lobende Worte

Er hat in der vorangegangenen siebten Runde des Stadtteilbotschafterprojekts der Stiftung Polytechnische Gesellschaft bereits ein Graffiti mit Kindern in Niederrad umsetzen dürfen und die Wand der neuen Sportakademie des Deutschen Fußballbundes gestaltet. Nun lässt er seine Erfahrungen hieraus mit in das Projekt in Nied einfließen. Er steht auf einer Leiter und sorgt für den letzten Schliff des Wandgemäldes. Ein Fahrradfahrer, der die Fußgängerbrücke nutzen möchte, um auf die andere Seite der Schienen zu gelangen, hält an und lobt die kreative Arbeit. "Die Wand ist dadurch viel schöner geworden", findet er.

"Es ist ein tolles Angebot für die Nieder Jugend, sich endlich mal wieder mit den Freunden kreativ austoben zu können. Die Lärmschutzwand hatte eine Verschönerung dringend nötig. Und was junge Menschen in ihrem Umfeld gestalten, das hat Bestand und wird allgemein respektiert", sagt Marja Glage, Caritas-Quartiersmanagerin im Projekt "Sozialer Zusammenhalt". Besonderer Dank gelte Stadtteilbotschafterin Yasmine Ikradine und allen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Die Stadt habe diese kreative Idee über den Verfügungsfonds für die soziale Stadtentwicklung gerne finanziell unterstützt.

Mit dem 2007 gestarteten Stadtteilbotschafter-Projekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, können junge Menschen im Alter von 15 bis 27 Jahren Ideen zur Förderung der Nachbarschaft und des Austausches einbringen und werden bei der Umsetzung gefördert. Gerade geht die achte Runde zu Ende. alexandra flieth

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