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Während der ?Waldkindergarten-Papst? Willi Juch (im Hintergrund) mit den Eltern spricht, hat es sich der einjährige Nikolaj im Gras neben der Feuerstelle gemütlich gemacht. Das Gelände in der Nähe der Niddakampfbahn soll, wenn es hergerichtet ist, für den ganzen Stadtteil geöffnet werden.

Wald- und Naturkindergarten

Gras statt Kuschelteppich

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Der Wald- und Naturkindergarten in Nied hat nach langer Suche ein eigenes Grundstück gefunden. Hier möchte das Team eine Kinderfarm mit Abenteuerspielplatz einrichten, die in Zukunft auch für den Stadtteil geöffnet werden soll.

Rennen, klettern, springen, toben und spielen in der freien Natur – das ist es, was Kinder auf dem neuen Gelände des Waldkindergartens in Zukunft in aller Ausgelassenheit tun sollen. Dafür will das Team das Gartengrundstück in der Nähe der S-Bahn-Gleise in Nied in einen Abenteuerspielplatz verwandeln – mit Erdhügeln, Feuerstelle, Gemüsebeet und auch Tieren.

Im Wald- und Naturkindergarten Nied sind derzeit elf Kinder von 15 Monaten bis drei Jahren und 20 Kinder ab dem dritten Lebensjahr bis zur Einschulung untergebracht. Die Kita verfolgt ein besonderes Konzept: Die Kinder werden als gleichberechtigte Menschen auf der Beziehungsebene begleitet. Dafür sei eine sichere Bindung und gewaltfreie Kommunikation wichtig, sagt Gründerin Tanja Gerecke. Das heiße, dass die Kinder weder bestraft noch belohnt werden. Den Betreibern ist wichtig, dass die Kinder sich in einer vorbereiteten Umgebung frei entwickeln und autonom entfalten können. Dieses Konzept ist in den meisten Schulen und Kindergärten noch die Ausnahme.

Auf der Kinderfarm, die wie ein Abenteuerspielplatz aufgebaut sein soll, will das Team den Kindern den Umgang mit der Natur und auch den Wandel der Jahreszeiten nahebringen. „Es ist uns wichtig, dass die Kinder den

Kreislauf des Lebens

begreifen. Zum Beispiel anhand von Pflanzen: Von der Saat über die Pflege hin zum Verzehr bis zur Ausscheidung“, sagt Kitaleiter Jörg Kazmeier.

Diesen natur- und erlebnispädagogischen Ansatz möchte die Kita nun auch auf ihrem neuen Gartengrundstück weiterverfolgen. „Es ist ein Geschenk, dass wir das Grundstück haben.“, sagt Patrik Gerecke, der den Waldkindergarten mit seiner Frau Tanja gegründet hat. Lange hätten sie nach einem geeigneten Ort gesucht, an dem die Kinder einen „sicheren Hafen“ in der Natur finden, sagt Gerecke, von Beruf Lehrer – wie auch seine Frau Tanja. „Das Gute an dem Grundstück ist, dass die Kinder sich auch zurückziehen können, ohne das die Aufsichtspflicht vernachlässigt wird; dadurch, dass es eingezäunt und auch das Tor gesichert ist“, sagt Tanja Gerecke. Weiter hofft sie auf einen Hobbygärtner, der dem Team beim Bäumeschneiden und beim Anlegen des Gemüsegartens hilft. „Wir brauchen jemanden, der sagt ,Das ist voll mein Ding‘.“ Erst einmal soll also ein Rückzugsort für die Kinder und Eltern der Waldkita entstehen. Ziel ist es, in zwei Jahren die Kinderfarm für den Stadtteil zu öffnen.

Das Team hat sich zur Realisierung Willy Juch mit ins Boot geholt. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises der Jugendfarmen und Abenteuerspielplätze in Hessen und hat schon viele dieser Projekte begleitet. „Die Kinderfarm in Nied ist ein Pilotprojekt für Frankfurt“, sagt der erfahrene Kinderfarm-Gründer. Aber es ist noch einiges zu erledigen: Die Feuerstelle muss abgesichert, ein Gartenschuppen abgerissen werden. Und was ist mit den sanitären Anlagen? Hierfür hat Juch viele Tipps und Tricks für das Team. Und die Waldkita braucht noch Hilfe bei der Umsetzung der Pläne, ob Know-how, Tatkraft oder Sachspenden.

In Frankfurt gibt es derzeit zwölf Wald- und Naturkindergärten, und in fünf Kitas existieren sogenannte Waldgruppen. Die Waldkindergärten werden von der Stadt Frankfurt genau wie alle anderen Stadtteilkindergärten finanziell gefördert. Sie bilden bei 840 Einrichtungen stadtweit nur einen kleinen Prozentsatz. Doch wie das Stadtschulamt selbst weiß, ist dieses Betreuungsmodell sehr gefragt. Auch die Stadt ist von der Wichtigkeit des naturnahen Konzepts überzeugt, da die Kinder in einer Großstadt wie Frankfurt zwischen Häusern aufwachsen und daher wenig mit der Natur oder dem Wald in Berührung kommen. Auch in der Waldkita Nied gibt es täglich Nachfragen, ob noch Plätze zu vergeben sind. „Wir müssen leider immer sagen, dass wir voll belegt sind. Und unsere Warteliste ist sehr lang“, sagt Kitaleiter Kazmeier.

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