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Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich Jugendliche über den kostenlosen Eintritt in die Schwimmbäder freuen, stöhnt das Personal schon nach kurzer Zeit über zusätzliche Arbeit durch den Besucheransturm.

Zusätzliches Personal benötigt

Besucherzahlen angestiegen: Gratis-Eintritt in Frankfurter Schwimmbäder verursacht Mehrarbeit

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Seit einer Woche dürfen Unter-15-Jährige kostenlos in die städtischen Schwimmbäder. Das Angebot wird rege genutzt – und stellt die Mitarbeiter der Frankfurter Bäderbetriebe vor zusätzliche Herausforderungen.

Frankfurt - Über die neue Freie-Eintritt-Strategie der Frankfurter Bäder wurde bisher vor allem unter finanziellen Gesichtspunkten diskutiert: Kann sich die Stadt ein solches Geschenk an Kinder und Jugendliche überhaupt leisten? Solche Bedenken wurden als kleinkrämerisch beiseite gewischt. Seit Freitag vor einer Woche kommen Unter-15-Jährige kostenlos in die städtischen Schwimmbäder. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Sportdezernent Markus Frank (CDU) preisen diesen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung auf Plakaten an.

Gut angenommen wird das neue Angebot. In der ersten Woche kamen etwa ein Viertel mehr junge Badegäste dieser Altersgruppe. Die Reaktionen seien sehr positiv, sagt Bäderbetriebe-Chef Frank Müller. Doch dadurch, dass mehr Kinder in den Becken seien, „ist auch eine höhere Aufmerksamkeit unserer Mitarbeiter gefragt“. Ein Problem seien vor allem die Kindergruppen. Oder genauer gesagt: deren Betreuer.

Betreuer trinken Kaffee

Schulklassen oder andere Gruppen würden den Nulltarif nun für einen gemeinsamen Ausflug ins Hallenbad nutzen. Die erwachsenen Begleitpersonen hätten aber zum Teil wohl den falschen Eindruck, der kostenfreie Eintritt befreie sie von der Verantwortung, sagt Müller. „Die Betreuer gehen Kaffee trinken und überlassen die Kinder sich selbst“, berichtet er von einer Gruppe junger Badegäste im Panoramabad Bornheim.

Das Aufsichtspersonal der Bäderbetriebe sei zwar sehr wachsam, für die direkte Beaufsichtigung seien aber die Gruppenbetreuer verantwortlich. „Darauf müssen wir jetzt verstärkt hinweisen“, sagt Müller. „Wir werden an diesem Punkt nachjustieren, vielleicht mit einem Merkblatt, dass wir an der Kasse verteilen.“

Halbstarke Übermacht

Von einem anderen Problem berichten Besucher der Titus-Thermen im Nordwestzentrum. Sie hätten miterlebt, wie eine achtköpfige Gruppe junger Männer am Einlass Schwierigkeiten gemacht habe. Sie hätten darauf bestanden, kostenlos in das Erlebnisbad zu kommen. Das Personal hätte der halbstarken Übermacht schließlich nachgegeben.

Bäderchef Müller kann diesen Vorfall jedoch nicht bestätigen. „Es gab eine Auseinandersetzung zwischen Mitarbeitern und einer Gruppe Jugendlicher“, sagt er zwar. „Doch da ging es nicht um kostenlosen Eintritt.“ Die jungen Männer hätten sich im Bad daneben benommen und andere Badegäste gestört. Daraufhin seien sie hinausgeworfen worden. Den korrekten Eintrittspreis hätten sie zuvor aber bezahlt.

Ob es durch die Kostenlos-Politik zu größeren Schwierigkeiten kommt, wird sich wohl erst in der warmen Jahreszeit zeigen. Hinter vorgehaltener Hand sagen Mitarbeiter der Bäderbetriebe, sie hofften auf einen kalten Sommer. Es geht die Angst um, dass die Freibäder von aggressiv auftretenden Jugendlichen in Beschlag genommen und die zahlenden Gäste dadurch vergrault werden. Der freie Eintritt gilt schließlich nicht nur für Frankfurter Heranwachsende. Auch aus den umliegenden Gemeinden könnte Problemklientel angelockt werden, so die Befürchtung der Mitarbeiter.

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