Eingespieltes Duo: Benny (mit Ball) und Fio.
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Eingespieltes Duo: Benny (mit Ball) und Fio.

Sportspaß

Griesheim: Über diesen Fußballtrick staunt die Welt

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Im Internet klicken viele Millionen Nutzer die Videoclips von Benny und Fio an.

Dieses Kunststück soll den beiden Griesheimer Straßenkickern Benny Zeisel (28) und Fio Santoro (22) erst mal einer nachmachen: Mit einem nur fünfsekündigen Clip eines Fußballtricks auf dem weltweit größten Sport-Videoportal 433 haben sie einen viralen Renner geschaffen: Über 42,4 Millionen Menschen sahen ihn sich in den vergangenen Tagen bereits an, und 3,4 Millionen Nutzer vergaben ein "Like" dafür.

Doch was ist so Spektakuläres zu sehen? Fio steht gut zwei Meter hinter der Torauslinie des Fußballfeldes der Spielvereinigung 02 Griesheim in der Eichenstraße, lupft das Leder mit dem Fuß in die Höhe, dreht sich einmal schnell um die eigene Achse, springt zum Fallrückzieher in die Höhe und versenkt den Ball mit viel Effet und sagenhafter Flugkurve in die Tormaschen.

"Für uns ist das die Champions League"

"Die Leute von 433 haben uns angeschrieben, dass sie das Video auf ihrem Portal zeigen wollen - mittlerweile ist es der dritte Clip von uns, der dort zu sehen ist", erzählt Benny stolz. Mittlerweile sei Fios Fallrückzieher das am zweit- oder dritthäufigsten angeklickte Mini-Video auf der Seite, auf der auch fußballerische Delikatessen von Weltstars wie Cristiano Ronaldo zu bewundern sind.

"Für uns, die wir um Bekanntheit und Reichweite kämpfen, ist das die Champions League." Und ein Volltreffer bei der Mission, der beiden Freunde, mit ihren spektakulären Fußballtricks, die sie auf ihren Instagram-/Youtube- und TikTok-Kanälen zeigen, große Werbepartner zu gewinnen und letztlich ihren Lebensunterhalt vom Kicken bestreiten zu können.

Das erscheint angesichts der Macht digitaler Bilder und der modernen Vermarktungsmöglichkeiten zwar als ehrgeiziges, aber doch nicht gänzlich unrealistisches Ziel. Denn "gehen" die Fußball-Clips erst einmal "viral", sprich: Erhalten sie im Internet tausend- oder millionenfach Klicks, "Likes" und "Shares", steigen schon mal die großen Sportfirmen ein und zahlen den jungen "Influencern" als Werbeträgern mitunter durchaus beträchtliche Summen.

Dabei träumten die beiden Griesheimer, die ihre Straßenfußball-Kindheit unter der Omega-Brücke verbrachten, lange Zeit den altmodischeren Bubentraum von der Karriere als Fußballprofi. Was zunächst durchaus hoffnungsvoll lief: Fio spielte beim FSV Frankfurt, Benny war bei Borussia Mönchengladbach, Wacker Burghausen und zuletzt bei Kickers Offenbach unter Vertrag. Doch zum großen Durchbruch fehlten möglicherweise ein paar Zentimeter, glaubt Benny: "Wir sind beide nur um die 1,70 Zentimeter groß - und Trainer mögen die größeren, robusteren Typen."

Nun also setzen der umtriebige, beredte Benny und der zurückhaltendere Fio ganz auf die Macht der modernen Medien - und ihre eigene Kreativität. Denn um sich gegen die Fülle konkurrierender Angebote abzuheben, müssten sie sich ständig neu erfinden, betont Benny.

So gibt es Gewinnaktionen für die Fans ihrer Kanäle, Wettstreits, sogenannte "Challenges" mit anderen Kickern aus der Szene. Und das, was man im Mediensprech "Formate" nennt. In einem geht es darum, ob Zauberfuß Fio doch noch als Profifußballer durchstarten kann. Dass er neulich immerhin zum Probetraining bei Schalke 04 eingeladen wurde, verdankt er auch seiner Internetbekanntheit und der guten Vernetzung in der sogenannten "Fußball-Freestyler-Szene". Verpflichtet haben ihn die Schalker zwar nicht, "aber Fio hat absolut mit den U-23-Spielern mitgehalten", lobt Benny seinen Freund. Und fügt hinzu: "Wir arbeiten weiter an unserem Traum."

Auf allen Kanälen firmiert das Duo unter dem Namen "Neundreidrei" - wie die letzten drei Ziffern der Griesheimer Postleitzahl. "Es ist uns wichtig, zu zeigen, wo wir herkommen", erklärt Benny. Davon zeugen auch die zahlreichen kostenlosen Fußballschulungen für Griesheimer Kinder, wie zuletzt vor wenigen Tagen beim Fest des Arbeitskreises "Gemeinsam in Griesheim" - im alten Revier unter der Omega-Brücke. Dort also, wo für Benny und Fio alles anfing.

Auf Fios fünfsekündigen Trick ist man übrigens noch an ganz anderer Stelle aufmerksam geworden: Dem Social-Media-Team der Olympischen Spiele in Tokio gefiel er so gut, dass es ihn in einem Werbefilmchen für die Spiele aufgenommen haben. "Wir haben Griesheim in die Welt gebracht", kommentiert das Benny lachend. Michael Forst

Fios Trick im Detail: Erst lupft er das Leder...
...dreht sich um sich selbst...
...hebt ab zum Fallrückzieher...
...der Ball fliegt in einer Kurve Richtung Tor.

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