Besuch bei Mechanikern am Airport

Die größte Kfz-Werkstatt der Welt

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Über 20 000 Fahrzeuge und Geräte gibt es am Frankfurter Flughafen. Die müssen natürlich gewartet oder repariert werden. Dafür gibt es am Airport die weltweit größte Kfz-Werkstatt.

Es wird gehämmert und gebohrt. Die Funken der Schweißgeräte sprühen. Mittendrin steht David Winter vor einem Flugzeugschlepper. Ein Reifenwechsel steht an. Und das ist bei solch einem großen Fahrzeug gar nicht so einfach, wiegt allein ein reifen doch 400 Kilogramm. Mit sogenannten Radgreifern pumpt der Kfz-Mechatroniker das Gerät hoch und zieht mit aller Kraft den riesigen Reifen heraus. „Da weiß man am Ende des Tages auch, was man gemacht hat“, sagt der Fraport-Mitarbeiter.

David Winter ist einer von fast 200 Mitarbeitern, die in der Fahrzeugwerkstatt am Flughafen tätig sind. Da reihen sich Enteisungs- und Winterdienstfahrzeuge, Passagiertreppen, Feuerwehrfahrzeuge und Follow-Me-Autos auf einer Fläche von 16 000 Quadratmetern aneinander.

Dellen im Vorfeld-Verkehr

„Wir sind die weltweit größte Kfz-Werkstatt für Flugzeugabfertigungsgerät“, sagt Michael Harder, Leiter der Fahrzeugwerkstätten. Über 20 000 Fahrzeuge und Geräte – vom Passagierbus über den Flugzeugschlepper und die Zugmaschinen für die Fracht bis hin zu den Handgepäckwagen – sind am Flughafen unterwegs. Der Wiederbeschaffungswert all der Fahrzeuge und Geräte liegt bei 400 Millionen Euro. Und natürlich müssen alle einmal gewartet, repariert oder umgebaut werden. „Auf dem Vorfeld haben wir eine Verkehrsdichte wie in der Frankfurter Innenstadt, da kann es schnell zu kleinen Dellen kommen“, sagt Harder. Die reparieren seine Männer und die wenigen Frauen ebenso wie defekte Motoren oder gebrochene Achsen.

Per E-Mail bekommt Harder mehrmals täglich eine sogenannte Ausfallgrenzwertliste. Sie zeigt dem 58-Jährigen an, wie viele Fahrzeuge an diesem Tag maximal ausfallen dürfen, ohne den Flugbetrieb zu beeinträchtigen, und wie es um die aktuelle Verfügbarkeit der Geräte steht. Wird es an einer Stelle eng, dann weisen rote Markierungen darauf hin – und die Fahrzeuge müssen schnell wieder instandgesetzt werden. Was stets funktioniert. Immerhin sind die Mitarbeiter speziell für die am Flughafen eingesetzten Geräte ausgebildet. „Die Wartung oder Reparatur wäre in einer öffentlichen Werkstatt ebenso wenig möglich wie einen defekten, 60 Tonnen schweren Fahrzeugschlepper dorthin zu bringen“, sagt Harder, der seit 1986 bei Fraport arbeitet und seit 2001 die Fahrzeugwerkstatt leitet. Besonders stolz ist der Maschinenbau-Ingenieur auf einen Hubwagen, der Rollstuhlfahrern einen ebenerdigen Einstieg in die Flugzeugkabine ermöglicht und den es in dieser Form nur am Frankfurter Flughafen gibt. Diese Konstruktion stammt nämlich von Ingenieuren, die das Team ergänzen und speziell auf die Bedürfnisse des Airports zugeschnittene Fahrzeuge mitentwickeln.

Wichtig auf den 2. Blick

Doch so stolz Harder auch auf diese eigen kreierten Gerätschaften sein mag: Für ihn sind alle Fahrzeuge am Flughafen wichtig – selbst die 13 000 Anhänger, mit deren Hilfe Fracht von A nach B gefahren wird. „Wenn die alle kaputt gingen, würden sich die Abflüge verspäten. Deshalb sind auch wir wichtig für einen reibungslosen Ablauf am Flughafen, auch wenn man das erst auf den zweiten Blick sieht.“ Da wundert es auch nicht, dass die in die Jahre gekommenen Gebäude der Werkstatt nun für 21 Millionen Euro saniert werden.

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