Bündnis gegen Pegida

Großdemo auf dem Römerberg

  • schließen

Zu einer Großdemonstration für „Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit“ rufen etwa 100 Organisationen und das Römerbergbündnis für Montag auf. Zeitgleich will „Pegida Frankfurt“ einen „Spaziergang“ durch die Stadt veranstalten. Die Polizei bereitet sich auf Ärger vor.

Zu Auseinandersetzungen zwischen politischen Gruppierungen könnte es am Montag in Frankfurt kommen. Während das Römerberg-Bündnis zu einer Kundgebung für „Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit“ aufgerufen hat, zu der sich gestern bereits mehr als 16 000 Teilnehmer angemeldet hatten, will eine Gruppe mit dem Namen „Pegida Frankfurt Rhein-Main“ ihren ersten „Spaziergang“ durch Frankfurt veranstalten.

Der Pegida-Spaziergang soll von Heidi Mund, der Ehefrau des Stadtverordneten Mathias Mund, angemeldet worden sein. Weder der Freie Wähler noch seine Frau waren gestern erreichbar. Wolfgang Hübner, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Römer, sagte jedoch, er habe mit dem Pegida-Marsch nichts zu tun. „Ich selbst werde nicht teilnehmen“, erklärte er.

„Die Stadtgesellschaft demonstriert für Toleranz“, betonte dagegen Harald Fiedler, Vorsitzender der DGB-Region Rhein-Main, der die gegenläufige Veranstaltung gegen Rassismus auf dem Römerberg mitverantwortet. „Wir erwarten Tausende Teilnehmer. Die Frankfurter sollten zu uns kommen und nicht zu den Spaltern der Stadtgesellschaft.“ Damit meint Fiedler den parallel angekündigten Spaziergang von Pegida an der Hauptwache.

In der Bewertung ist der zeitliche Ablauf wichtig: Bereits am 15. Januar hat das Römerberg-Bündnis seine große Kundgebung angemeldet. Wenn, dann ruft Pegida also zu einer Gegenveranstaltung auf, nicht umgekehrt.

Turgut Yüksel, SPD-Landtagsabgeordneter und wie Fiedler einer der Moderatoren bei der Römerberg-Demonstration, berichtet: „Wir haben die Demonstration schon im Dezember geplant. Inzwischen gibt es mehr als 100 Vereine, Verbände und Organisationen, die dazu aufrufen. Es wird die größte Kundgebung der vergangenen 30 Jahre!“ Es solle ein Signal in die Welt gehen: Frankfurt ist international, tolerant und weltoffen. Rassismus und Diskriminierung haben keinen Platz. „Das wollen wir zeigen“, sagt Yüksel.

Wegen der Attentate in Frankreich hat das Römerberg-Bündnis das Motto Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit gewählt: „Weil alle Menschen frei sein sollten, gleich sind und sich geschwisterlich verhalten sollten“, sagt Yüksel. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit war das Motto der Französischen Revolution. Bei der Veranstaltung, die am Montag um 18 Uhr auf dem Römerberg beginnt, stehen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU), Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) und die Pröpstin Gabriele Scherle auf der Rednerliste.

Dass „Pegida Frankfurt Rhein/Main“ sich angehängt und einen Spaziergang angekündigt hat, sieht Yüksel gelassen. „Jeder darf demonstrieren, aber niemand darf Menschen diskriminieren. Das Recht gilt auch für Pegida. Wir lassen uns nicht provozieren.“

Der Ableger der Dresdner Pegida will seinen „Spaziergang“ um 18.30 Uhr an der Hauptwache beginnen. Die Veranstalter rechnen laut Ordnungsamt mit 300 bis 500 Teilnehmern. Via Facebook hatten sich gestern bereits 250 angekündigt. „2015 – Wir sehen uns auf der Straße“ lautet das Motto der Frankfurter Pegida.

Womöglich wird es wie schon am Samstag, 10. Januar, zu Gegendemonstrationen kommen, deren Teilnehmerzahl die von Pegida weit übertrifft. Zumal, wenn vom Römerberg her zahlreiche Demonstranten zur Hauptwache kommen. Geplant ist seitens Pegida, von der Hauptwache via Biebergasse und Börsenstraße über Goetheplatz und Rossmarkt zurück zur Hauptwache zu laufen. Der „Spaziergang“ soll schweigend verlaufen.

Die Polizei bereitet sich bereits auf den Zusammenstoß von Pegida und Anti-Pegida vor. „Antifaschisten werden sich den Pegida-Fans überall in Frankfurt entgegenstellen“, hieß es gestern auf einer Antifa-Homepage. In den Seitenstraßen der Hauptwache werden Dutzende Mannschaftswagen mit Beamten stehen, um die Gruppen notfalls zu trennen – ähnlich wie am 10. Januar, als die Freien Wähler zu einem „Trauermarsch“ an die Hauptwache geladen hatten. Freie Wähler und Gegendemonstranten hatten sich gegenseitig als „Heuchler“ beschimpft. Am Rande der Veranstaltung war es zu mehreren Festnahmen gekommen.

Annette Ludwig hat schon erklärt, dass sie gegen Pegida demonstrieren wird. Sie gehört zu den Veranstaltern der Römerberg-Demonstration. Auf ihrer Facebook-Seite „Nofragida“ hieß es gestern: „Wie und in welcher Weise wir konkret (auf die Pegida-Demonstration) reagieren werden, muss eingehend diskutiert werden.“ Dieser Zeitung gegenüber sagte sie, dass Nofragida keinesfalls plane, die eigene Veranstaltung auf dem Römerberg zu beeinträchtigen. „Aber ich bin eine der Rednerinnen, und ich werde auf dem Römerberg sagen, dass ich anschließend an der Hauptwache anzutreffen bin, wo ich mir Pegida sehr kritisch anschauen werde.“ An der Goethe-Uni trifft sich heute eine „offene Gruppe“, um zu überlegen, was gegen Pegida zu tun sei und „ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ zu setzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare