Infraserv-Mitarbeiter Marc-Oliver Alshuth packt einen Fünferpack Selbsttests in den Umschlag: Bei der Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst wird eine Halle gebraucht, um die 75 000 Tests für den Postversand an alle Mitarbeiter der Gruppe einzutüten. Foto: Maik Reuß
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Infraserv-Mitarbeiter Marc-Oliver Alshuth packt einen Fünferpack Selbsttests in den Umschlag: Bei der Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst wird eine Halle gebraucht, um die 75 000 Tests für den Postversand an alle Mitarbeiter der Gruppe einzutüten.

Große Firmen sind dem Gesetzgeber voraus

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CORONA Ausgabe von Selbsttests ist bei vielen Arbeitgebern längst in vollem Gange

Frankfurt -75 000 Selbsttests, so viele hat allein Infraserv Höchst bestellt, die Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst. Die Entscheidung fiel bereits Mitte März, nicht erst jetzt, als die Regierung die Arbeitgeber jetzt dazu verpflichtet hat, ihren Mitarbeitern ab kommender Woche Tests anzubieten. Derzeit werden die ersten Tests an alle Beschäftigte der Infraserv-Höchst-Gruppe versendet - "leider aufgrund von Lieferschwierigkeiten des Anbieters mit etwa zwei Wochen Verzögerung. Ursprünglich sollten die Tests schon Anfang April an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschickt werden", sagt Infraserv-Sprecher Michael Müller.

Alle Mitarbeiter erhalten eine Packung mit fünf Selbsttests - auch diejenigen, die derzeit überwiegend im mobilen Büro oder zu Hause arbeiten. Anschließend werden den Mitarbeitern, die überwiegend im Industriepark in Präsenz arbeiten, regelmäßig weitere Tests bereitgestellt. Unabhängig von den Selbsttests bietet das Arbeitsmedizinische Zentrum (AMZ) von Infraserv Höchst seit dem Beginn der Pandemie Beratungs- und Informationsleistungen für alle 22 000 Mitarbeiter und Firmen des Standorts an. Das AMZ betreibt eine rund um die Uhr erreichbare Corona-Hotline nur für Industriepark-Mitarbeiter und führt nach ärztlicher Beratung auch hoch spezifizierte PCR-Tests durch.

Bislang bewegen sich die Infektionszahlen bei Infraserv Höchst und im Industriepark Höchst auf einem relativ niedrigen Niveau. "Wir verzeichnen fast keine Ansteckungen am Arbeitsplatz. Das ist dem hohen Maß der Disziplin, Flexibilität und dem Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, aber auch der hervorragenden Arbeit unseres Arbeitsmedizinischen Zentrums", lobt Infraserv-Geschäftsführer Jürgen Vormann.

Bei Clariant, einer der größten Firmen am Standort, hat man bereits im Zuge der freiwilligen Selbstverpflichtung begonnen, allen Präsenz-Mitarbeitern wöchentliche Corona-Tests anzubieten - los ging es nach Ostern. "Aktuell ist es allerdings schwierig, Tests in ausreichender Zahl am Markt zu erhalten", sagt Clariant-Sprecher Martin Büllesbach

Der Pharma-Hersteller Sanofi setzt bereits seit einigen Wochen Schnelltests ein - "anlassbezogen", wie es heißt. Jetzt gibt es auch Selbsttests für die Präsenz-Mitarbeiter - zwei Stück gibt es pro Woche. Wer nur zeitweise ins Büro oder Labor kommt und ansonsten zu Hause arbeitet, erhält einen Test pro Woche. Schlägt der Selbsttest an, muss der Mitarbeiter das Ergebnis umgehend über einen PCR-Test abklären lassen und sich solange zu Hause in häusliche Isolation begeben sowie seine Kontakte reduzieren, bis das PCR-Ergebnis vorliegt.

Eine Verpflichtung zum Angebot von Corona-Tests halten die Chemie-Arbeitgeber für überflüssig. "Den Kampf gegen die Pandemie gewinnen wir nur, wenn wir dauerhaft schneller impfen. Wir gewinnen ihn nicht mit neuer Bürokratie für die Betriebe", sagt der Präsident des Arbeitgeberverbandes BAVC, Kai Beckmann.

Am Flughafen bietet die Fraport AG ihren Mitarbeitern schon seit 25. März kostenlose Selbsttests an: Alle Präsenz-Mitarbeiter erhalten alle vier Wochen ein Set mit fünf Selbsttests. "Das Angebot wurde sehr gut in der Belegschaft aufgenommen", sagt Fraport-Sprecherin Yi-Chun Sandy Chen. Billig ist das nicht: Bei Aldi-Süd war die Packung mit fünf Schnelltests unlängst für 24,99 Euro zu haben. Selbst wenn man beim Hersteller größere Chargen abnimmt: Aktuell plant die Fraport für ihre Beschäftigten nur am Standort Frankfurt mit einem Bedarf von rund 15 000 Selbsttests pro Woche.

"Die Kosten dafür tragen wir als Unternehmen und leisten damit einen finanziellen Beitrag in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung", sagt auch Claudia Geisler, Sprecherin bei Binding. Auch die Frankfurter Brauerei ist den Empfehlungen zur Bereitstellung von Selbsttests für alle Präsenz-Beschäftigten bereits vor der bundesgesetzlichen Regelung gefolgt. Aber: "Vorsorglich sei gesagt, dass die Ausgabe immer unter dem Vorbehalt der Verfügbarkeit erfolgt und kein Anspruch hierauf besteht, wenn aufgrund der hohen Marktnachfrage Lieferengpässe entstehen sollten."

Das Bundeskabinett hatte beschlossen, dass Unternehmen in Deutschland ihren Beschäftigten ab kommender Woche verpflichtend Corona-Tests anbieten müssen, wenn sie nicht im Homeoffice arbeiten. Es handelt sich bei dem Beschluss um eine Angebotspflicht - eine Nutzungspflicht für Arbeitnehmer gibt es nicht. Auch sind die Betriebe nicht verpflichtet, die Tests zu dokumentieren. Holger Vonhof

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