Sammelten beim ersten Treffen Ideen: Quartiersmanager Malte Stieber, Friederike Weyk und Wolfgang Gropp (v.l.) vor dem kleinen Flachbau am Ende des Westrings.
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Sammelten beim ersten Treffen Ideen: Quartiersmanager Malte Stieber, Friederike Weyk und Wolfgang Gropp (v.l.) vor dem kleinen Flachbau am Ende des Westrings.

Westhausen: Neues Frankfurt

Große Ideen für einen kleinen Pavillon

  • VonSabine Schramek
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Quartiersmanagement richtet im Westring einen Bürgertreff ein. Nachbarn sind begeistert.

Ein langgehegter Wunsch wird Wirklichkeit in der Siedlung Westhausen. Einen Teil eines kleinen Pavillons am Westring konnte das Quartiersmanagement für Nachbarschaftsaktivitäten anmieten. Jetzt wird gemeinsam geplant und renoviert.

Was sich May wohl dachte

Seit 2017 gibt es für die 2268 Westhausener keinen Nachbarschaftstreff mehr. Das frühere Gemeindehaus steht seit der Übergabe der evangelischen Kirchengemeinde Hausen an den Evangelischen Regionalverband leer. "Es ist richtig traurig, dass der dringend nötige Gemeinderaum einfach leer steht", schimpfen Bewohner. Dennoch gibt es jetzt Grund zur Freude. Nicht weit vom Jugendtreff "Alte Bäckerei" entfernt, der noch auf die Zeit des genialen Stadtplaners Ernst May zurückgeht, der mit seinen Leuten auch die Siedlung konzipierte, steht ein Stückchen weiter ein weiterer Flachbau. Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1932 ist auch er zu erkennen. Was es ursprünglich mit diesen beiden etwas abgelegenen Bauten auf sich hatte, weiß auch die Ernst-May-Gesellschaft mit Sitz in der Römerstadt nicht zu sagen.

Viel wichtiger: "Die Nassauischen Heimstätten (NH) hat uns den 33-Quadratmeter-Raum samt Keller und Vorplatz für einen symbolischen Mietpreis zur Verfügung gestellt", erzählt Quartiersmanager Malte Stieber. "Das ist ein enormes Geschenk für die Bewohner."

"In dem Gebäude waren früher ein Schade-Markt, ein Nahkauf, ein Angelgeschäft und zuletzt ein Büro der NH", erinnert sich Wolfgang Gropp, der seit 1985 "zum zweiten Mal" in der Siedlung lebt. "Damals war Westhausen noch richtig schön. Jetzt wissen die Leute nicht mehr, wo sie hingehen sollen", meint er und zuckt mit den Schultern.

Auf eine Flyer-Einladung des Quartiersmanagements sind mehr als 20 Bürger zu dem Gebäude am Westring gekommen, um sich den neuen Treff anzusehen und Vorschläge zu machen. Nach zwei Minuten sind alle per "Du". Vom 92-Jährigen, der hier schon immer wohnt, bis zum 29-Jährigen, der erst seit zwei Jahren in der Siedlung lebt. Westhausen war der letzte große Siedlungsbau des Neuen Frankfurts und entstand von 1929 bis 1931.

Gemeinsam planen und gestalten

Beim ersten Treff für alle werden Ideen gesammelt, wie man das Häuschen gestalten kann, wie der Treff heißen soll, wie er genutzt werden kann. "Die Bürger sollen gemeinsam planen, mitreden und gestalten, damit sie sich in ihrem Treff wohlfühlen können", so Stieber. "Alles geht, außer kommerzieller Nutzung und private Feiern" fügt er hinzu.

Ute und Sabine wünschen sich ein Nachbarschaftscafé mit selbst gebackenem Kuchen. "Hier gibt es rein gar nichts im Viertel. Früher war das anders", erzählen sie. Der Raum ist gut geschnitten und komplett gefliest. "Es gab hier Lebensmittel", erklärt Stieber die grauen Kacheln. "Da kann man etwas draufmachen, sie bemalen oder Vorhänge dekorieren", heißt es sofort.

Es fallen Stichworte wie Sozialberatung und Yoga, Tanz- und Fotokurse, Nachbarschaftshilfe und Spielabende, Kunstausstellungen und historische Bilder der Siedlung. Eine knallrot gestrichene Treppe führt in den feuchten und muffig riechenden Keller. "Hier muss mal kräftig gelüftet werden und die Feuchtigkeit aus den Wänden raus." Es gibt noch ein Kühlhaus und eine Toilette.

Architekt Backus klopft die Wände ab und findet sofort die Stelle, woher das Wasser kommt. "Schwierig, aber nicht unmöglich", meint er und zeichnet im Nu eine groben Plan für die beiden Räume und den Vorplatz, der aus Parkplätzen der NH besteht. "Hochbeete und viele Pflanzen" werden gewünscht. "Und Möbel, die gemütlich sind und auf denen trotzdem auch konzentriert beraten werden kann."

Eine kleine Küchenzeile besteht bereits, die Geräte sind defekt. "Eine neue Spülmaschine ist schon da", sagt Stieber und deutet in eine Ecke. "Der Rest wird sich auch finden. Günstig bei E-Bay oder bei Leuten, die ihre Küche umbauen und etwas übrig haben", sagen andere mit vor Freude glänzenden Augen. Bereits beim ersten Ideensammeln geschieht genau das, was der Treff später soll. Die Bewohner sind zusammen, lernen sich kennen, diskutieren und kreieren. Am 30. Juni und am 7. Juli geht es ab 16 Uhr weiter. Zum gemeinsamen Ideensammeln und zum Gestalten. Jeder, der etwas beitragen möchte, ist willkommen. Sachspenden aus Möbeln, Farbe oder Pflanzen ebenfalls. SABINE SCHRAMEK

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