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Elias mit einem Bild der Ur-Ur-Ur-Großeltern von ihm und Anne Frank.

Große Trauer um Buddy Elias

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Im Februar war er noch einmal in Frankfurt zu Gast. Jetzt trauert die Stadt um Buddy Elias, den am Montag verstorbenen Cousin von Anne Frank. Beider Vermächtnis wird am Main weiterleben.

Wer ihn traf, wurde angesteckt von seinem Humor, seiner Lebenskraft, seinem Engagement für die Menschenrechte. Auch Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, erging es so: „Seit fünf Jahren verband uns eine enge Freundschaft, über den Altersunterschied hinweg.“ Umso trauriger stimmte Mendel die Nachricht vom Tode Buddy Elias’. Der Cousin und letzte noch lebende Verwandte von Anne Frank ist am Montag in Basel verstorben.

Im Februar war der 89-Jährige das letzte Mal in Frankfurt gewesen, der Stadt, in der er geboren ist und die er als Erwachsener noch einmal für sich entdeckt hatte. Bernhard, wie er richtig hieß, war sechs Jahre alt, als seine Familie 1931 in die Schweiz zog. Bis zuletzt wohnte er mit Ehefrau Gerti im Basler Elternhaus. Seine Kleinkinderzeit hatte er mit den Frank-Kindern im Marbachweg verbracht. Vor allem mit Anne, deren Familie einige Jahre später vor den Nazis in die Niederlande floh, verband ihn eine enge Kameradschaft.

Für den erwachsenen Elias, der Vater zweier Söhne ist und als Schauspieler arbeitete, wurden Anne und ihr Tagebuch zum Teil seines Lebens. Von Annes Vater Otto, dem einzigen der Familie Frank, der die KZs der Nazis überlebt hatte, übernahm er die Aufgabe, über das Vermächtnis von dessen Tochter zu wachen. Seit den 1980er Jahren war Elias Präsident des Anne-Frank-Fonds, der über die Rechte am Tagebuch und an Fotos der Familie Frank wacht.

Diese Aufgabe führte ihn häufig nach Frankfurt. „Elias war ein ganz besonderer Zeitzeuge, der immer wieder das direkte Gespräch mit Jugendlichen gesucht hat und auf sehr persönliche Weise zu schildern wusste, wie es ist, einen Teil der Familie im Holocaust zu verlieren“, sagte Mendel. Vor 20 Jahren war Elias beteiligt an der Gründung der Begegnungsstätte im Dornbusch – im November 2014 begrüßte er dort gemeinsam mit Mendel den 100 000. Besucher.

„Mit dem Tod von Buddy Elias verlieren wir einen unermüdlichen Kämpfer für Menschenrechte und einen wichtigen Zeitzeugen“, erklärte gestern Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Wir verlieren einen beeindruckenden Humanisten und Zeitzeugen“, erklärten die Frankfurter Grünen.

Mit einer besonderen Geste hat Elias die Stadt und ihre Bürger verpflichtet, das Vermächtnis fortzuführen: 2012 wurde im Jüdischen Museum das „Familie-Frank-Zentrum“ gegründet, dem Elias Hunderte Briefe, Möbel, Bilder, Spielzeuge schenkte.

Erst Ende 2017, wenn der Erweiterungsbau des Jüdischen Museums fertig ist, werden diese Stücke in einer Dauerausstellung zu sehen sein. „Weil uns wegen des Umbaus der Platz fehlt, sind viele der Stücke noch in der Schweiz“, sagte gestern Michael Lenarz, stellvertretender Direktor des Jüdischen Museums. „Die wissenschaftliche Aufarbeitung hat aber bereits begonnen, die Dokumente werden digitalisiert, die Möbel restauriert.“

(ing)

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