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Polizisten stehen bei der bislang größten Razzia im Bahnhofsviertel am Donnerstagabend vor einem Rotlicht-Etablissement.

Razzia

Großeinsatz: Straßensperren und Kontrollen im Frankfurter Rotlicht-Viertel

Eine groß angelegte Razzia mit 470 Polizisten hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag das gesamte Bahnhofsviertel mehrere Stunden lahm gelegt. Polizei, Steuerfahndung und Lebensmittelkontrolleure haben Bars, Laufhäuser, Clubs und Lokale durchsucht.

Innerhalb von fünf Minuten sind alle Seiten- und Parallelstraßen zwischen Taunus- und Moselstraße im Bahnhofsviertel gesperrt. Einsatzwagen reiht sich an Einsatzwagen. Uniformierte stürmen in Lokale, Bars und Laufhäuser. „Jeder, der Füße hat, wird kontrolliert“, ruft ein Beamter einer Kollegin zu. Sie nickt und hält Passanten auf. Insgesamt 470 Beamte der Regionalen Einsatz- und Ermittlungseinheit, der Polizei Frankfurt, der Bundespolizei Koblenz, der Steuerfahndung und Lebensmittelkontrolleure sind im Einsatz. Die Aktion richtet sich gegen Rauschgift-, Milieu- und Beschaffungskriminalität.

Es dauert nur wenige Minuten, dann stehen mehr als 60 Männer und Frauen im Regen an Hauswänden in der Elbestraße. Ihnen gegenüber bewaffnete Einsatzkräfte mit Handschuhen. Jeder wird durchsucht, jeder Ausweis überprüft. Es ist leise im Bahnhofsviertel.

Die Männer und Frauen, die kontrolliert werden, halten ihre Köpfe gesenkt, sprechen nicht miteinander. Die Polizisten reden leise mit ihnen. Immer wieder werden Einzelne von zwei Beamten zum grünen „Durchsuchungsbus“ geführt, der mitten auf der Taunusstraße parkt. „Das machen wir nicht gern, aber bei Verdacht auf Drogenbesitz wird eben ganz genau geprüft“, erzählt ein Polizeisprecher. „Es gibt Stellen am Körper, die wir nicht auf der Straße durchsuchen können, die aber oft als Versteck für Drogen oft herhalten.“

Mitten drin ist Fotograf und Journalist Ulrich Mattner mit einer seiner Bahnhofsviertel-Führungen. Er führt gerade eine Gruppe durchs Laufhaus „My Way“, als die Beamten eintreffen. Für die Rotlicht-Touristen bietet sich so ein ganz besonderer Einblick ins Milieu. . . Auch viele Messebesucher der Automechanika tummeln sich an diesem Abend im Bahnhofsviertel.

Aus den rot verkleideten Fenstern und auf geschwungenen Balkons der Laufhäuser blicken Prostituierte auf die gesperrten Straßen. Manche schütteln den Kopf. Zeitgleich durchsuchen Beamte die Häuser, gehen in jeden Raum und durchsuchen Tresen, Bars und Toiletten. Ob Tanzclub, Bar, Lokal oder Eros-Center – kaum ein Gebäude im Viertel wird verschont.

Vor einem der kontrollierten Bordelle war erst am Abend zuvor geschossen worden, wie der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill sagt. Der mutmaßliche Schütze sei festgenommen worden, die Waffe hingegen bislang nicht gefunden.

„Den ganzen Tag schon haben wir verdeckte Ermittlungen gemacht“, erläutert ein Beamter, während er die Papiere eines jungen Mannes überprüft. Wer sauber ist, kann gehen. Manche werden im Einsatzwagen weiter überprüft oder auch zur Dienststelle gebracht. „Bei Obdachlosen stellt sich immer mal wieder heraus, dass sie von der Staatsanwaltschaft gesucht werden“, erzählt der Polizist.

Aus einem Club torkeln einige angetrunkene britische Touristen auf die Straße. Auch sie werden kontrolliert. „It’s okay“, lallt einer, kramt nach seinem Ausweis in der Tasche und übergibt ihn dem Polizisten, der neben ihm steht. Der Mann und seine Kumpel können gehen. Sie torkeln an den Einsatzwagen vorbei und gehen in eine Bar um die Ecke. Wie in allen Läden sind kaum noch Gäste da.

Bis zum frühen Morgen durchkämmen die Beamten das Viertel, bevor sie die Großrazzia schließlich für beendet erklären. Das Ergebnis: 657 Personen haben sie überprüft, 27 Strafanzeigen gestellt, 16 wegen Rauschgift-Verstößen, acht wegen Handels mit Betäubungsmitteln. Dazu kamen sechs Verstöße gegen das Ausländerrecht und in einem Fall eine Strafanzeige wegen verbotener Prostitution.

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