Großer Bahnhof am Bahnhof

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Kaiser Wilhelm II. war der berühmteste Fahrgast, in den vergangenen Jahrzehnten war der Bahnhof Frankfurter Berg die Heimat verschiedener Studentenverbindungen. Nun will eine private Eigentümerin das Empfangsgebäude zu Wohnraum umbauen.

Von außen kündet zunächst ein neuer Zaun von den Veränderungen, die in und um den Bahnhof Frankfurter Berg anstehen. Eine optische Aufwertung und ein Schutz vor Vandalismus, wie die neue Eigentümerin Susanne Ernst andeutet. Für die Technische Studentenverbindung Marcomannia bedeuten die anstehenden Umbaumaßnahmen jedoch die Kündigung zum 31. März, da sie die zu erwartende deutliche Mieterhöhung nicht tragen kann.

Zum Abschied luden die Marcomannen noch einmal zur traditionellen Abschlussfeier, genannt „Semesterabschlusskneipe“, wo ihnen viele befreundete Korporationsstudenten Mut zusprachen und ihre Unterstützung zusagten. Getreu dem Motto: „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, werden die Marcomannen zum kommenden Semester nach einer neuen Unterkunft suchen, während die Eigentümerin Ernst den Umbau und die Neuvermietung des Bahnhofs Frankfurter Berg vorbereitet.

„Nun geht hier auch ein Kapitel Frankfurter Studentengeschichte zu Ende“, erklärte der Altherrenvorsitzende Gerhard Serges zur Abschlusskneipe. Zumal sich die Marcomannia bis 2007 die Räume mit dem Corps Vandalia geteilt hatte. Viele Erinnerungen hängen an dem Haus und der Kneipentafel, die ein ausgestopfter Fuchs mit einem Band in den Verbindungsfarben Silber-Rot-Gold zierte. Der Fuchs war einst ein Geschenk, das die Technische Verbindung Marcomannia 1992 zur Einweihung der Räume erhalten hatte. „Füchse“ sind in der Verbindungssprache die Mitglieder auf Probe, aus ihnen werden später „Burschen“ und nach dem Examen und dem Eintritt ins Berufsleben „Alte Herren“.

Doch das Studentenleben geht im Bahnhof nun zu Ende. „Der Auszug ist schon auch bedauerlich, aber durchaus verständlich, da die Studentenverbindung ursprünglich nur 250 Euro Monatsmiete bezahlt hat“, räumt Susanne Ernst ein und erklärt, sie habe die Anpassung nach dem für die Gegend üblichen Mietspiegel vorgenommen. Der historische Bahnhof, der früher „Bonames“ hieß und um 1900 sogar Kaiser Wilhelm II. als Umsteigestation auf seinem Weg nach Bad Homburg diente, besteht im Erdgeschoss aus Räumen mit 100 Quadratmetern und im Obergeschoss mit 80 Quadratmetern Fläche.

Die Marcomannia hatte 81 Quadratmeter Gemeinschaftsraum, Küche und Toiletten angemietet und wollte im Westteil des Gebäudes, der ehemaligen Expresshalle, eine Wohngemeinschaft mit 14 bis 20 Quadratmeter großen Zimmern und zentralem Bad einrichten. „Rund 500 Euro Miete hätten wir zahlen können, doch die angestrebte Erhöhung auf bis zu 730 Euro können wir in unserer Gemeinschaft mit rund 50 Mitgliedern nicht finanzieren“, sagt Serges. Sowohl die Mieter als auch die Vermieterin erklären, zu einem Gespräch über eine gemeinsame Zukunft sei es nicht mehr gekommen.

Die neue Eigentümerin konnte das Bahnhofsgebäude von der in Luxemburg ansässigen Firma Patron Capital erwerben, die es 2007 wiederum von der Deutschen Bahn gekauft hatte. „Die weiteren Umbaumaßnahmen hängen auch von den Verhandlungen mit dem Eisenbahnbundesamt ab“, erklärt Susanne Ernst. Denn für technische Zwecke hat die Bahn noch Räumlichkeiten angemietet und klärt derzeit den weiteren Bedarf, wie ein Bahnsprecher bestätigt.

„Wir haben zunächst unseren jungen aktiven Studenten aufgetragen, auch in eigener Initiative eine Wohngemeinschaft in Uni- oder zumindest Stadtnähe anzumieten“, sagt Serges. Zeitgleich halten die Alten Herren nach einem neuen Heim Ausschau, auch im weiteren Umkreis bis nach Heusenstamm. Je nach Erfolg dieser Maßnahmen entscheidet sich, wann und wohin der Umzug erfolgt.

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