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Postbank am Südbahnhof schließt: „Was ist das denn für eine Art, mit Kunden umzugehen?“

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Von: Gernot Gottwals, Stefanie Wehr

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Mit einem Infostand will die CDU Sachsenhausen die Post und Postbank am Südbahnhof am 25. Juni „verabschieden“.
Mit einem Infostand will die CDU Sachsenhausen die Post und Postbank am Südbahnhof am 25. Juni „verabschieden“. © Michael Faust

CDU, Handel und Nachbarschaft fordern einen Ersatz an der Schweizer Straße. Der Betrieb der Filiale ist laut Post nicht mehr wirtschaftlich.

Frankfurt – Die Schließung der Postbankfiliale und der Post in der Diesterwegstraße am Montag, 27. Juni, sorgt bei vielen Menschen in Sachsenhausen für großen Unmut. Der CDU-Stadtbezirksverband Frankfurt-Sachsenhausen will die Schließung nicht einfach so hinnehmen. „Hier gehen nicht nur 107 Jahre Geschichte im 1915 errichteten Jugendstilgebäude zu Ende, hier vernachlässigt die Post neben dem eigentlichen Kundenservice auch hoheitliche Aufgaben“, sagt der Vorsitzende Jochem Heumann.

Die Rede ist unter anderem von Postzustellungsurkunden zu juristischen Angelegenheiten, bei denen sich die Frage etwa nach der Fachkompetenz eines Kioskbetreibers stellen würde – doch genau dorthin werden die Kundinnen und Kunden nun verwiesen, nämlich zu einem Paket-Kiosk in der Gartenstraße 79 (die FR berichtete). Und für Bankgeschäfte, die nicht online erledigt werden können, werden sie künftig zur Postbank am Roßmarkt geschickt.

Frankfurt: Schließung von Postbankfiliale in Sachsenhausen sorgt für großen Ärger

In den sozialen Medien wie „Nebenan.de“ ist die Aufregung groß. „Das ist doch unglaublich, ja, zynisch! Was ist das denn für eine Art, mit Kunden umzugehen?“, schreibt dort ein User. „Soll man auf die Filiale am Roßmarkt angewiesen sein, die ohnehin meist überlaufen ist?“

Margit Grohmann, Seniorenbeauftragte im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) sieht vor allem ältere Menschen von der Schließung der Postbank in der Diesterwegstraße benachteiligt. Schließlich sei es nicht die einzige Filiale, die dicht mache. Und viele würden sich mit Online-Banking nicht auskennen. Laut Ann-Kathrin Hörster, Schatzmeisterin der Jungen Union Frankfurt, sei gerade die Postbankfiliale am Südbahnhof besonders wichtig für die Gewerbetreibenden auf der Schweizer Straße zum Geldeinzahlen.

Frankfurt: Postbankfiliale schließt – Betrieb sei nicht mehr wirtschaftlich

„Gerade deshalb sollte es Motivation sein, etwa in der Schweizer Straße, wo immer wieder Geschäftsräume leer stehen, einen neuen Standort für eine echte Post im größten Stadtteil Frankfurts zu finden“, fordert Heumann. Stadtverordneter und Ortsbeiratsmitglied Martin-Benedikt Schäfer (CDU) will beim Magistrat anfragen, inwieweit man dort über die Pläne der Post informiert sei und entsprechend vermitteln und helfen könne.

Ein Postsprecher erklärt indes, der Grund der Schließung in der Diesterwegstraße liege im veränderten Verhalten der Kundinnen und Kunden der Postbank, die in der Diesterwegstraße Mieterin ist – die Post sei dort nur Kooperationspartner, die Angestellten alle bei der Postbank beschäftigt. Der Betrieb der Filiale sei nicht mehr wirtschaftlich. Das Verhältnis zwischen reinen Post-Serviceleistungen oder Bargeldauszahlung und wertschaffendem Neugeschäft stimme in Sachsenhausen nicht.

Mit einem Infostand will die CDU in Sachsenhausen am kommenden Samstag, 25. Juni, von 9 bis 13 Uhr die Post in der Diesterwegstraße am Südbahnhof „verabschieden“ und Passantinnen und Passanten mit Flyern informieren. „Außerdem möchten wir einen Brief an den Vorsitzenden des Vorstands der Deutschen Post AG schreiben und ihn einladen, zu uns zu kommen und selbst zu erleben, wie die Warteschlangen in anderen Filialen wegen solcher Schließungen immer länger werden“, kündigt Christdemokrat Heumann an. Auch wenn er nicht mit einer Annahme der Einladung rechne. (Gernot Gottweis/Stefanie Wehr)

Erst im Oktober 2021 kündigte die Deutsche Bank an, 200 Postbankfilialen schließen zu wollen.

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