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Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten die Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt gestern wegen des Verdachts auf Geldwäsche.

Ermittlungen

So verlief die Großrazzia bei der Deutschen Bank

Staatsanwälte und Steuerfahnder durchsuchen die Deutsche Bank. Mitarbeiter sollen Kunden bei der Geldwäsche über Offshore-Steuerparadiese geholfen haben.

Großrazzia bei der Deutschen Bank: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) haben gestern die Zentrale des Finanzinstituts inklusive Vorstandsbüros, vier weitere Geschäftsgebäude in Frankfurt und Eschborn sowie eine Privatwohnung in Groß-Umstadt durchsucht. Grund seien Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang mit den „Panama Papers“, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Etwa 170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts, der Steuerfahndung und der Bundespolizei waren im Einsatz. Die Ermittlungen richten sich gegen zwei 46 und 50 Jahre alte Mitarbeiter sowie andere Verantwortliche der Bank. Laut Staatsanwaltschaft beziehen sich die Ermittlungen auf Vorfälle zwischen 2013 und dem laufenden Jahr. Sollte die Aktion wegen des Umfangs des sichergestellten Materials nicht beendet werden können, werde die Razzia am Freitag fortgesetzt, sagte eine Sprecherin.

Vor der Zentrale der Bank in der Frankfurter Taunusanlage waren gestern mindestens zehn Mannschaftswagen der Bundespolizei zu sehen, zudem mehrere Zivilfahrzeuge mit Blaulicht. Banksprecher Jörg Eigendorf sagte, das Institut sei der Ansicht gewesen, dass den Behörden längst alle relevanten Informationen zu den „Panama Papers“ bereitgestellt worden seien. Der im April angetretenen Konzernchef Christian Sewing hatte im Oktober von ersten Erfolgen seines Sanierungskurses gesprochen und den ersten Jahresgewinn seit vier Jahren in Aussicht gestellt. Nun hat das wiederholt von Rechtsverstößen gebeutelte Geldhaus schon wieder neuen Ärger mit den Ermittlungsbehörden. Das sorgte für Unmut auch an der Börse: Die Aktie verlor bis zu fünf Prozent an Wert. „Das bedeutet einen immensen Vertrauensverlust und kann sehr teuer werden für die Bank“, sagte ein Aktienhändler. Die für die Bankaufsicht zuständige Europäische Zentralbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wollten die Razzia nicht kommentieren.

In einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft hieß es, nach der Auswertung des beim Bundeskriminalamt vorliegenden Datenbestands der „Offshore-Leaks“ und „Panama Papers“ habe sich der Verdacht ergeben, dass die Deutsche-Bank-Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich war. Dabei seien Gelder aus Straftaten auf Konten der Bank gebucht worden, ohne dass sie Anzeige erstattete.

Bei den „Panama Papers“ handelt es sich um vertrauliche Unterlagen, die ein internationales Recherchenetzwerk im Frühjahr 2016 aufgedeckt hatte. Darin wurde enthüllt, wie Politiker, Sportfunktionäre, Milliardäre, Prominente und Kriminelle weltweit von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirmen nutzen, um Steuern in ihren Heimatländern zu umgehen. Im Sommer 2017 teilte das Bundeskriminalamt mit, im Besitz der Dokumente zu sein und diese auszuwerten.

Die Deutsche Bank stand schon öfter im Fokus der Ermittler. In den vergangenen Jahren fanden mehrfach Razzien bei dem Institut statt. 2015 waren die Frankfurter Doppeltürme wegen des Verdachts der Beteiligung an „Cum-Ex“-Steuertricksereien durchsucht worden. Vorwürfe, die Bank haben sich in puncto Geldwäsche-Prävention nicht immer korrekt verhalten, sind ebenfalls nicht neu. Erst im September hatte die Bafin einen Aufpasser direkt bei dem Institut installiert, weil sie unzufrieden war mit den Geldwäsche-Kontrollmechanismen – ein bisher einmaliger Vorgang. Der Beauftragte bleibt bis 2021 in der Bank oder bis das Institut die Vorgaben umgesetzt hat. Gestellt wird er durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die schon seit Jahren die Bilanzen der Bank prüft.

Zuletzt war die Bank auch im Zusammenhang mit dem Geldwäscheskandal bei der Danske Bank ins Fadenkreuz geraten. Sie war bis 2015 als sogenannte Korrespondenzbank für die Dänen tätig und soll geholfen haben, Gelder russischer Krimineller oder aserbaidschanischer Machthaber in alle Welt weiterzuleiten. Der für Geldwäsche-Prävention zuständige Manager Philipp Vollot verließ die Deutsche Bank im Oktober und heuerte – ausgerechnet – bei der Danske Bank an.

( rtr,tba)

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