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Ein Polizist durchsucht den Rucksack eines Mannes nach Drogen. Das Bild entstand bei der Razzia vor etwa fünf Wochen, die nach Polizeiangaben die bislang größte im Bahnhofsviertel war. Diesmal aber waren nicht 500, sondern nur 100 Beamte im Einsatz. Es geht um Präsenz.

Drogenfunde gering

Großrazzia der Polizei - Bahnhofsviertel erneut abgeriegelt

Nach nur vier Wochen gab es erneut eine Großrazzia im Bahnhofsviertel. Drogen wurden nur wenige gefunden. Doch die Polizei mischt das Rotlichtviertel bewusst auf.

Bis tief in die Nacht waren am Mittwoch etwa 100 Polizisten im Einsatz, um im Personen zu überprüfen, die sie verdächtig fanden. Die Zivilfahnder sowie Einheiten der Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei wurden wie schon bei der jüngsten Razzia vor vier Wochen durch Mitarbeiter der Steuerfahndung des Finanzamtes und Mitarbeiter des Ordnungsamtes Frankfurt verstärkt.

14 Strafanzeigen wurden ausgestellt, davon drei wegen Drogenhandels und drei wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz sowie Hehlerei und Urkundenfälschung sind weitere festgestellte Delikte – sechs Personen wurden deswegen in Haft genommen.

Auch zwei Messer und zwei gestohlene Handys beschlagnahmte die Polizei. Die Menge an gefundenem Rauschgift wie Marihuana, Haschisch, Amphetamin, LSD, Ecstasy, Heroin und Crack war jedoch erneut gering. Das Ordnungsamt hat in eigener Zuständigkeit mehrere Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz sowie der Spielverordnung geschrieben. Die Steuerfahnder stellten zudem in einigen Lokalen mehrere Mängel bei der Kassenführung fest.

Zuerst riegelten die Polizisten am frühen Abend die Mosel- und Elbestraße zwischen der Taunus- und Niddastraße vollständig ab und kontrollierten verdächtige Personen und Lokalitäten in der abgeriegelten Zone. Anschließend wurden dieselben Kontrollen auf der Taunusstraße zwischen Elbestraße und Am Hauptbahnhof durchgeführt.

Bereits Mitte September war das Bahnhofsviertel Ziel einer großen Razzia gewesen. Damals waren 500 Polizisten im Einsatz gewesen; es waren 16 Rauschgiftdelikte, fünf Diebstähle und sechs ausländerrechtliche Verstöße zur Anzeige gebracht worden. Die Menge gefundener Drogen war ebenfalls überschaubar gewesen. Auch im April und bereits im November 2017 hatte es solche große Razzien in dem Viertel gegeben.

Ulrich Mattner, der im Bahnhofsviertel Führungen anbietet, sieht die dichte Folge von Großrazzien mit gemischten Gefühlen: „Die Leute denken ja, hier ist der Teufel los.“ Dabei geht das Leben, auch das der Drogendealer, wenige Minuten nach Abzug der Polizisten weiter wie immer. „Selbst wenn die Polizei ein paar Läufer schnappt, sind doch direkt neue da.“ Läufer werden die Kleindealer genannt, die auf der Straße verkaufen.

Am Mittwochabend gerieten auch Unbeteiligte in die Razzia – und fanden das teilweise amüsant und aufregend. Etwa jene Frauen, die mit der Prostituierten-Organisation Doña Carmen ein Laufhaus besichtigen wollten. „Eigentlich wollten wir nach einem Drink gerade in einen Puff gehen, aber wir sind gar nicht bis auf die Straße gekommen. Überall war plötzlich Polizei, ganz viele Leute sind durchsucht worden“, sagte eine Mittdreißigerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Es war doch alles ganz ruhig. Ich verstehe noch gar nicht, was da los war.“ Ihrer Beobachtung nach wurden hauptsächlich Ausländer aufgefordert, ihre Hände an die Wand zu legen.

Ein großer Mann mit Glatze, der öfter im Bahnhofsviertel unterwegs ist, nimmt erst mal einen Drink in einem Lokal in der Taunusstraße, nachdem er durchsucht wurde und seine Taschen komplett ausleeren musste. „Warum genau, weiß ich nicht. Das muss wohl so sein. Es lief fair ab.“

Die Polizeiführung sieht die Großrazzien als Teil eines Maßnahmenbündels für mehr Sicherheit im Frankfurter Bahnhofsviertel.

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