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SEK-Einsatz fürs TV in Frankfurter Blumencenter: „Die Leichen leben noch“

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Von: Sabine Schramek

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Wie im richtigen Einsatz agieren die Hobby-Schauspieler zwischen den Pflanzen im Gartencenter, sichern nach allen Seiten. FOTO: rainer rüffer
Wie im richtigen Einsatz agieren die Hobby-Schauspieler zwischen den Pflanzen im Gartencenter, sichern nach allen Seiten. © Rainer Rüffer

In einem Blumencenter in Frankfurt ist das SEK im Einsatz. Was real aussieht, ist tatsächlich ein Dreh für eine Krimistaffel – mit besonderen Schauspielern.

Frankfurt – Nur der Farn und die nicht regenwaldhohen Palmenblätter wackeln ganz leicht, wenn sich Männer in Schwarz mit Sturmhauben, Sturmgewehren und Pistolen im Anschlag anschleichen. Starre konzentrierte Blicke, absichern, nicht wissen, was kommt. Aus dunklem Dickicht tauchen die sechs schwer bewaffneten Männer ins Licht. "Cut", ruft Regisseur und Filmemacher Frank Schraml (53).

Die tropische Temperatur bleibt, die Palmen und Farne entpuppen sich allerdings als Topfpflanzen. Die Anspannung des SEK-Teams lässt nach, es wird gelacht. Bis die nächste Klappe fällt. Was echt aussieht, ist auch beim Dreh in Frankfurt (fast) echt. "Naja, die zwölf Leichen leben im wahren Leben noch", sagt Schraml grinsend, der nicht nur den zweiteiligen Kinofilm "Irrtum", sondern auch eine 12-teilige Staffel dreht. Er selbst spielt in der Low-Budget-Produktion einen korrupten Polizisten. Nur nicht heute, da ist das SEK dran.

Krimi-Dreh in Frankfurt: „Das SEK trainiert täglich, da sitzt jeder Schritt“

Im wahren Leben sind die schwer bewaffneten Männer zwei echte Polizisten, ein SEK-Einsatztrainer aus der Zielfahndung, ein Mann vom Zoll mit Einsatzerfahrung, ein Stunt-Koordinator und zwei Männer, die bisher keine Waffe in der Hand gehalten haben. Zwei Stunden lang haben sie gemeinsam vermummt im Gartencenter Sunflower im Frankfurter Stadtteil Kalbach mit den "Neulingen" geprobt und ihnen gezeigt, wie es richtig aussieht. Marco (44) hat ihnen gezeigt, wie man die Hände richtig hält, Waffen trägt und führt, wie man sich positioniert und sich gegenseitig absichert. "Das SEK trainiert täglich, da sitzt jeder Schritt und jede Bewegung. Das zu vermitteln macht Spaß und die 'Neuen' saugen alles auf und sind voll mit dabei." Marco ist zu der Rolle "wie die Jungfrau zum Kind" gekommen. Ein Kumpel hatte ihm gesagt, dass Schraml für Dreharbeiten ein paar Hintergrundinfos vom SEK braucht, damit keine Filmfehler passieren.

"Wir haben telefoniert, Schraml fragte, ob ich mal zum Dreh kommen wolle und schon war ich dabei", erzählt er lachend. "Der einzige Unterschied zum echten Einsatz ist, dass es da keine Wiederholungen gibt." Mehrfach wird der Gang durch die Palmen gedreht. Aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Anspannung und Konzentration der Männer bleibt gleich. Kein Mucks ist zu hören bis zum "Cut".

Krimi-Dreh in Frankfurt: Mann in brutalem Griff abgeführt

Harry (57) trägt über der Sturmhaube eine dunkle Brille. "Das ist durchaus üblich", sagt der Mann vom Zoll, der "das SEK sehr gut kennt". Schauspielerei macht er als Hobby nebenbei. Je eine Hand auf der Schulter des Vordermannes und die Waffen gezückt, schleichen sich die Einsatzkräfte durch andere Urwaldpflanzen an. Zugriff! Im Bruchteil einer Sekunde liegt ein bärengroßer Mann auf dem Boden, zwei Männer mit mehr als 100 Kilo Körpergewicht knien auf ihm, Handschellen klicken. Sie ziehen ihn hoch und führen ihn im brutalen Griff mit dem Kopf nach unten ab. Auch das ist fast geräuschlos.

"Es ist wie in der Realität", sagt Harry, nachdem die Szene fünf Mal gedreht wurde. "Auch das Adrenalin bei uns. Wir sind so in der Rolle drin, dass es sich wie bei einem echten Einsatz anfühlt. Die Kamera bemerken wir gar nicht."

Krimi-Dreh in Frankfurt: Blaue Flecken sind echt

Echt sind auch die blauen Flecken, die der riesige Mann hat, der immer wieder zu Boden gebracht und abgeführt wird. "Wo gehobelt wird, fallen halt Späne", sagt er nach Drehschluss grinsend zu den Männern, die immer noch Sturmhauben tragen. "Das will man nicht wirklich erleben", gibt er offen zu und reibt sich den Nacken. Nur langsam sinkt die Anspannung, die Blicke der Einsatzkräfte sind nicht mehr starr und fokussiert. Sie lachen und klopfen ihm auf die Schulter. Was er getan hat und ob er überhaupt der richtige Täter ist, verraten sie nicht.

Schraml ist für jede Überraschung gut. Sein Team aus rund 100 Mitwirkenden arbeitet wie er, der hautberuflich Aquarienzubehör verkauft, ohne Gage. Sie kommen aus Wien, Hamburg, Bremen und dem Rhein-Main-Gebiet. "Weil der was reißt, die Stimmung gut ist, er alles perfekt vorbereitet und organisiert und weil das Essen schmeckt", sagen die Schauspieler und das Kamerateam. Die Drehorte – wie der in Frankfurt – sind real. Die Handlungen können es sein.

Ob im Hubschrauber oder im Privatjet, im Knast, im Bordell, in der explodierenden Gartenhütte, in einer Höhle oder im Gartencenter. Aus einem "Irrtum"-Film wird ein Zweiteiler, "weil sich die Geschichte einfach weiterentwickelt und weil wegen Corona alles anders ist." Dazu die Staffel, die aus den Filmen folgt. Schraml gibt nicht auf. "Ende des Jahres oder spätestens im Frühjahr holen wir die wegen Corona ausgefallene Premiere nach. Mit zwei Filmen." (Sabine Schramek)

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