Seit Wochen schreitet der Abriss des Backhauses am Hülya-Platz voran - allen Protesten und einer zwischenzeitlichen Besetzung zum Trotz. Eigentumswohnungen sollen dort entstehen.
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Seit Wochen schreitet der Abriss des Backhauses am Hülya-Platz voran - allen Protesten und einer zwischenzeitlichen Besetzung zum Trotz. Eigentumswohnungen sollen dort entstehen.

Proteste

Frankfurt: Grüne kritisieren Backhaus-Abriss in Bockenheim – aber zu spät

  • vonNiklas Mag
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Die Grünen in Frankfurt sind der Meinung, auf dem Gelände des ehemaligen Backhauses sollen keine Eigentumswohnungen entstehen. Der Ortsvorsteher ist irritiert.

Frankfurt – Das ehemalige Backhaus in Bockenheim wird seit einigen Wochen abgerissen. Zwei Bauzäune sind von Planen verhängt, auf denen prangt: „Wohnen ist keine Ware“ und „Backhaus lebt!“ Die Schriftzüge sind Ausdruck des Protests der Bockenheimer, die verhindern wollten, dass das historische Haus abgerissen wird und stattdessen teure Wohnungen entstehen.

Auch in der Politik regt sich Bedauern. So meldete sich Anfang Februar die Grünen-Fraktion im zuständigen Ortsbeirat 2 zu Wort: „Leider konnten wir weder die einseitige Bauberatung der städtischen Bauaufsicht beeinflussen noch den Abriss des Backhauses verhindern oder eine soziale Nutzung des Gebäudes gegenüber Stadt und Eigentümer erreichen“, klagt Daniel Brenner, Ortsbeiratsmitglied der Grünen. „Das Backhaus-Ensemble war ein gelungenes bauliches Ergebnis der Sanierung Bockenheims, das eigentlich längst hätte unter Denkmalschutz stehen müssen“, teilt er in einer Pressemeldung mit und fährt fort: „Es liegt im Gebiet einer baulichen Erhaltungs- und einer sozialen Milieuschutzsatzung. Es wäre gut geeignet gewesen für soziale Nutzungen oder Kleingewerbe. Alle Vorschläge wurden seitens der Stadt und seitens des Eigentümers ignoriert - zugunsten einiger weniger Eigentumswohnungen.“

Backhaus in Frankfurt: Eigentumswohnungen statt soziale Nutzung

Bockenheim sei enormem Druck durch steigende Mieten ausgesetzt. Die Errichtung weiterer Eigentumswohnungen in dem Gebiet sei „falsch“, beschwert sich Brenner. Letztlich hänge es in solchen Fällen davon ab, ob die Stadt von ihren Vorkaufsmöglichkeiten im Erhaltungssatzungsgebiet Gebrauch mache.

Auch Hans-Georg Hammelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Westend, ist wenig begeistert vom Abriss: „Gerade in Bockenheim, wo es so viele Veränderungen gibt, sind solche Punkte eigentlich wichtig.“ Das Gebäude habe zwei Weltkriege überstanden und werde dann einfach abgerissen. „Da fragt man sich, wozu es in Bockenheim eine Erhaltungssatzung gibt. Bei der Leipziger Straße 68 ist das genauso gelaufen“, moniert Hammelmann.

Frankfurt: Jahrelanger Protest gegen Abriss des Backhauses in Bockenheim

Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) zeigt sich auf die Kritik der Grünen hin etwas irritiert. „In den Ortsbeiratssitzungen war der Widerstand nicht so stark. Es gab kritische Stimmen, aber letztendlich wurde akzeptiert, was die Stadt uns präsentiert hat.“ Natürlich werden die Wohnungen, die entstehen, hochpreisig sein, doch das sei in Frankfurt zurzeit so. „Ich halte es für ein gutes Projekt.“ Der Ortsbeirat habe in den vergangenen Sitzungen noch einige Änderungen an der Platzgestaltung erwirkt, fügt der Ortsvorsteher hinzu.

Seit Jahren protestierten Initiativen gegen den Abriss des historischen Backhauses. Im Herbst 2019 hatten Aktivisten das Gebäude sogar besetzt, dieses musste von der Polizei geräumt werden. Zwischenzeitlich hatten die Bockenheimer außerdem darauf plädiert, dass ein soziales Zentrum an die Stelle des historischen Hauses kommen könnte. (Niklas Mag)

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