Nachtflugverbot

Grüne: SPD wirft ihre Prinzipien über Bord

  • schließen

Die SPD im Römer kann sich vorstellen, das Nachtflugverbot während der EM 2024 auszusetzen – sollte aber nicht zu einem Präzedenzfall werden. Die Grünen halten von dieser Idee nichts.

Seit Monaten wird rund um den Süden über die vermehrten Starts und Landungen am Flughafen nach 23 Uhr diskutiert. Und genau in diese Diskussion platzte nun die Nachricht, dass Sport- und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) beim hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nachgefragt hat, ob man während der Fußball-EM 2024 das Nachtflugverbot aussetzen könnte. .

Eine Diskussion hat das nun dennoch entfacht. Die Fluglärmgeplagten Anwohner im Frankfurter Süden sind entsetzt. Die Fluglärmschutzbeauftragte Ursula Fechter, die über die SPD-Liste Stadträtin wurde und die ständige Vertreterin des Oberbürgermeisters in der Stabsstelle Fluglärmschutz ist, lehnt eine zeitweise Aufhebung des Nachtflugverbots strikt ab. Sie fürchtet einen Präzedenzfall.

Und was sagt die SPD im Römer? Sie sieht die Angelegenheit mit gemischten Gefühlen. „Natürlich liegt es nah, dass bei einer EM in Frankfurt darüber nachgedacht wird, auch beim Flugverkehr besondere Regelungen zu treffen“, sagt Jan Klingelhöfer, der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. „Solange hier kein Präzedenzfall entsteht und klar ist, dass diese Ausnahme nicht zur Regel werden darf, sind wir gesprächsbereit. Natürlich muss vorher auch der Dialog mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern gesucht werden.“ Die beiden Stabsstellen Fluglärm und EM-Bewerbung sollten gemeinsam Vorschläge für „eine bürgerfreundliche Lösung“ machen. Was er sich darunter vorstellt, lässt er allerdings offen.

Die betroffenen Anwohner Klaus Rehnig und Christopher Koch von der Bürgerinitiative „Stop Fluglärm“ hätten da schon eine Idee: „Wenn man das höchstrichterlich bestätigte Nachtflugverbot schon für ein Fußballturnier aushebelt, dann könnte man es doch auch mal zu unseren Gunsten ausweiten und uns etwa an Weihnachten bis morgens um sieben statt fünf Uhr schlafen lassen“, sagt Koch. Und Rehnig fügt hinzu: „Wir wären viel großzügiger, wenn Fraport im Gegenzug auch mal großzügig ist und uns entgegenkommt.“

Die Grünen im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) hingegen wundern sich darüber, dass die SPD-Fraktion erwägt, eine Pause des Nachtflugverbots während des Sportereignisses einzulegen. Sie werfen den Sozialdemokraten vor, ihre Beschlüsse über Bord zu werfen, wenn es „politisch opportun“ erscheint.

„Jan Klingelhöfer will sich wohl bei der augenblicklichen Fußballbegeisterung bei den Fans lieb Kind machen“, sagt Reinhard Klapproth, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Ortsbeirat 5. Für die Aufhebung des Nachtflugverbots bestehe indes keine Notwendigkeit. Fans und Mannschaften könnten bequem mit Nachtzügen von anderen Flughäfen herangefahren werden. „Klingelhöfer macht sich nicht die Umstände, die Interessen der Anwohner mit den Interessen der Fußballfans abzuwägen“, erklärt Klapproth und fügt an: „Wenn ein Fußballfan wichtiger wäre, dann auch jeder andere Fluggast. Das wäre dann das Ende des Nachtflugverbots.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare