Mitgliederzahlen

Die Grünen in Frankfurt sind der große Gewinner

  • Anna Grösch
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SPD und CDU verlieren - FDP und Linke wachsen - AfD mauert

Frankfurt -Deutschlands Parteien verlieren Mitglieder und das nicht erst seit gestern. Seit 1990 hat sich die Zahl der Deutschen, die Teil politischer Parteien sind, ungefähr halbiert. Aber wie sieht die Situation in Frankfurt aus? Der Trend bestätigt sich auch hier bei den (ehemaligen) Volksparteien CDU und SPD, die nach eigenen Angaben im Jahr 2019 beide jeweils mehr Aus- als Eintritte zu verzeichnen haben. Grüne, Linke und FDP dagegen sind mit einer positiven Mitgliederbilanz aus dem vorherigen Jahr gekommen, wie Sprecher der Parteien auf Anfrage mitteilen. Der AfD Kreisverband möchte keine Zahlen nennen, teilt aber mit, dass Ein- und Austritte sich etwa in Waage gehalten hätten.

Die meisten Mitglieder hat 2019 die CDU in Frankfurt verloren, nämlich 230 im Gegensatz zu 120 Neumitgliedern. "Diejenigen, die austreten, können wir mit Neu-Eintritten gut kompensieren", sagt die Mitgliederbeauftragte Sarah Steinhardt. "Wen wir nicht kompensieren können, sind diejenigen, die sterben." Das seien bedauerlicherweise nicht wenige. "Manchmal treten Mitglieder auch aus finanziellen Gründen aus. Da können wir dann drüber sprechen." Aber noch etwas anderes schlage sich auf den Frankfurter CDU-Verband nieder: die Bundespolitik. Gebe es auf Bundesebene Streitereien, merke man das auch in Frankfurt an den Mitgliederzahlen.

Ähnlich sieht es bei der SPD aus. Die Partei verbucht in Frankfurt 129 Eintritte, 197 sind ausgetreten. "Grundsätzlich ist darin immer eine Dynamik", sagt Geschäftsführer Stefan Maier. Entgegen des bundesweiten Trends habe man in Frankfurt in den vergangenen Jahren sogar ein stabiles Wachstum gehabt - im Gegensatz zu 2019. Es habe leider viele Todesfälle unter den Mitgliedern gegeben. "Ich glaube, dass es generell ein Problem mit Nachwuchs gibt. Auch die Ortsvereine suchen ja neue Mitglieder."

bewegen viele

Einen großen Ausreißer nach oben gibt es derweil bei den Grünen. Hier gab es 2019 insgesamt 288 Eintritte, bei nur 28 Austritten. "Wir sind natürlich davon begeistert", sagt Vorstandssprecherin Beatrix Baumann. Warum es bei der Mitgliedergewinnung so gut läuft? "Ich glaube das hat verschiedene Aspekte. Wir kümmern uns um Themen, die viele Menschen gerade bewegen: Klimawandel, Umweltfragen." Man sei außerdem beim Thema geflüchtete Menschen nicht nach rechts gerückt. "Wir haben einen großen Zulauf von Menschen jeder Altersgruppe."

Auch die Linken sind zufrieden mit der Mitgliederentwicklung ihrer Partei, wie Steffen Merte, Schatzmeister, sagt. In Frankfurt sind 2019 nur 10 Leute ausgetreten, 22 sind eingetreten. "Wir werden jünger und weiblicher. Wir hatten zwar nicht so viele Eintritte, aber 2019 waren auch keine Wahlen. Wir sind gewachsen und schrumpfen nicht, das ist das Wichtige."

Die AfD will keine genauen Zahlen herausgeben, wie der Kreisvorsitzende Olaf Schwaier sagt. Der Kreisverband habe 230 Mitglieder, die Ein- und Austritte hätten sich 2019 in Waage gehalten. "Wir hatten mal mehr und mal weniger."

Die Entwicklung in seinem Kreisverband findet der Vorsitzende der FDP, Dr. Thorsten Lieb "fantastisch". Das Ziel an Mitgliederzahlen, was man sich vor zwei Jahren gesteckt hätte, wurde erreicht. 2019 sind 83 Menschen neu eingetreten, 67 haben die Partei verlassen. Gerade die Ereignisse um die Thüringen-Wahl, als ein FDP-Mann sich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten hatte wählen lassen, um nur kurze Zeit später wieder zurückzutreten, hätte zu einigen Austritten geführt. Aber: "Es gehört zum politischen Tagesgeschäft, dass wir Einflüssen von außen unterliegen." Anna Grösch

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