Frankfurt am Main 21.03.2017, Stadtteil Rebstock, Leonardo-da- Vinci-Allee 11,  Rebstockschule ( Grundschule / Aussenaufnahme). Hier: Eingangsbereich mit Gundschülern und Eltern.(c) Foto. Rainer Rüffer
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Frankfurt am Main 21.03.2017, Stadtteil Rebstock, Leonardo-da- Vinci-Allee 11, Rebstockschule ( Grundschule / Aussenaufnahme). Hier: Eingangsbereich mit Gundschülern und Eltern.(c) Foto. Rainer Rüffer

Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel

An der Grundschule Rebstock kehrt keine Ruhe ein

Eltern von Schülern der Grundschule Rebstock wollen wissen, ob die gesundheitlichen Probleme ihrer Kinder mit Schadstoffen zusammenhängen, die sie im Schulgebäude vermuten. Das Gesundheitsamt hatte Schadstoffmessungen angekündigt. Nach wochenlangem Schweigen bei der Stadt heißt es nun, dass die Ergebnisse noch in dieser Woche bekannt gegeben würden.

An der Grundschule Rebstock kehrt keine Ruhe ein. Eltern von Schülern fordern nach wie vor Gewissheit, ob die gesundheitlichen Probleme ihrer Kinder mit Schadstoffen im Schulgebäude zusammenhängen. Immer wieder klagen 20 Rebstockschüler über Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel (wir berichteten).

Dies war auch bereits kurz vor Weihnachten 2016 der Fall. Seinerzeit war ein frisch verlegter Fußbodenkleber Ursache für Atemnot und Kopfschmerzen bei Schülern und Lehrern. Die Schule musste evakuiert werden, Dutzende Schüler und Lehrer wurden behandelt. Am vorvergangenen Montag erklärte Stadträtin Sylvia Weber (SPD) den Vorfall für „aufgearbeitet“. Eine nochmalige Messung habe keine Auffälligkeiten ergeben, sagte Weber vor dem Bildungsausschuss.

Gutachten gefordert

Nun ist es jedoch nicht der Stoff Methylmethacrylat, der den Eltern Sorgen bereitet. Jene Chemikalie machte Schüler und Lehrer Ende Dezember krank, führte zur Evakuierung der Grundschule. Die Eltern vermuten jedoch, dass aktuell andere Schadstoffe durch die Bausubstanz der Schule freigesetzt werden und bei ihren Kindern für Kopfschmerzen und andere Symptome sorgen. Sie fordern daher ein baubiologisches Gutachten der Schule.

Die Eltern hatten gehofft, dass vom Frankfurter Gesundheitsamt vor mehr als drei Wochen angekündigte Schadstoffmessungen für Aufklärung sorgen würden. Die Behörde hatte dieser Zeitung nach Beginn der Messungen mitgeteilt, dass jene eine Woche dauern würden.

Doch auch zwei Wochen, nachdem die Ergebnisse der Messungen feststehen sollten, hat das Gesundheitsamt diese nicht veröffentlicht. Drei Anfragen wurden innerhalb der vergangenen zwei Wochen von dieser Zeitung an das Gesundheitsamt gerichtet, mit der Bitte um Veröffentlichung der Ergebnisse. Doch die Behörde schweigt beharrlich.

Ein wenig Auskunft gibt schließlich Bildungsdezernentin Weber nach mehrmaligem Nachfragen. Die Ergebnisse der jüngsten Schadstoffmessungen würde in dieser Woche veröffentlicht, versichert sie. Gemessen worden seien Kohlendioxid, Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit. Auch ein Termin für das von vielen Eltern geforderte baubiologische Gutachten würde noch in dieser Woche bekannt gegeben.

Doch viele Eltern fühlen sich nicht ernstgenommen von den Behörden, wie mehrere Erziehungsberichtige dieser Zeitung sagen. 20 Mütter und Väter haben ein Schreiben an das Gesundheitsamt unterzeichnet, in dem steht, dass ihre Kinder unter Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Unwohlsein und Verhaltensauffälligkeiten leiden. Jene Eltern gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer der betroffenen Schüler noch weit höher ist.

Denn die Suche nach weiteren Kindern, die regelmäßig über jene Symptome klagen, läuft anscheinend nur schleppend. Eine Erhebung scheint es nicht zu geben. „Wenn es denn nach wie vor Klagen von Eltern über kranke Kinder gibt, wäre es dann nicht angebracht, dass die Schule oder vielleicht der Schulelternbeirat alleine schon wegen des Verdachts eine Erhebung in einzelnen Klassen durchführt und herausfindet, wie viele Kinder es sind, die die gleichen Symptome zeigen?“ Diese Frage, die diese Zeitung der Schulelternbeiratsvorsitzenden per E-Mail stellte, wollte diese nicht beantworten.

Kälte macht es schlimmer

„Würde nach diesen Zahlen geforscht, würden sich wohl noch weit mehr Kinder finden“, schätzt Joanna Naruscko, deren Sohn die Grundschule Rebstock besucht und seit Monaten über teils starke Kopfschmerzen klagt. „Besonders schlimm war es in den kalten Wintermonaten, als an der Schule noch weniger gut gelüftet wurde als derzeit“, sagt Naruscko.

Dass ihr Sohn unter ähnlichen Symptomen leidet wie andere Kinder der Schule, fiel Naruscko erst auf, als sie sich am vergangenen Mittwochabend mit anderen betroffenen Eltern getroffen hat. „So geht es vielleicht auch anderen Eltern, die von den übrigen Fällen noch nichts wissen“, vermutet sie.

Aufschluss darüber, wie viele Kinder insgesamt an der Grundschule Rebstock unter ähnlichen Symptomen leiden, könnte ein Treffen mit Amtsärztin Professor Ursel Heudorf geben, die angeboten hat, sich am heutigen Mittwoch mit besorgten Eltern zu treffen. Ein Aushang in der Schule soll die Eltern über das Treffen informieren.

Dies begrüßt auch Josef Spritzendorfer, Vorstandsmitglied der Europäischen Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene. Er hat in den vergangenen Jahren bundesweit 40 ähnliche Konflikte begleitet, bei denen Eltern von Behörden Aufklärung darüber forderten, ob Schadstoffe an Schulen verantwortlich für die Gesundheitsprobleme ihrer Kinder sind (siehe Interview). Ob das Treffen mit der Amtsärztin letztlich aber für Aufklärung sorgt, wagt Spritzendorfer zu bezweifeln: „Das passiert leider nur in wenigen Fällen. Meist ziehen es die Behörden vor, die Leute so lange wie möglich für dumm zu verkaufen.“ Heute Abend ist er jedenfalls dabei.

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