Im Bogen müssen Radler und Autos um die (Baustellen-) Insel.
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Im Bogen müssen Radler und Autos um die (Baustellen-) Insel.

Anlieger genervt

Baustellen-Frust in Frankfurt: Grundwasser stoppt Insel-Bau für Aufzug im Westend

  • VonNiklas Mag
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Im Westend in Frankfurt wird die U-Bahnstation durch einen neuen Aufzug barrierefrei. Doch beim Bau gibt es Probleme.

Frankfurt - Eine Baustelle sorgt immer für Probleme. Meistens zwischen der bauenden Partei und Anliegern. So nun auch im Westend in Frankfurt, wo sich vor allem Gastronomen über die Baustelle in der Mitte der Bockenheimer Straße beschweren. Hier entsteht nach jahrelanger Diskussion in der Mitte der vielbefahrenen Verbindung auf Höhe der Myliusstraße eine Insel.

Auf dieser kommt zukünftig ein Aufzug an die Oberfläche, der den Bahnsteig im Untergrund ansteuert und damit die U-Bahn-Station barrierefrei macht. Bislang ist ein Vorschacht ausgehoben, wird die Baustelle von Gittern und Abweisern geschützt, steht ein verlassener Bagger auf der Fläche.

Frankfurt: Anlieger von Bauarbeiten genervt – Ausgerechnet während Corona

Philipp Ricken führt das benachbarte Bistro 66 und ist genervt: "Ich habe das Gefühl, es geht dort auch überhaupt nicht voran", sagt er. Und wenn mal auf der Baustelle Betrieb herrsche, dann habe das leider direkten Effekt auf seine Außengastronomie. "Ich muss die Außengastro deshalb nicht schließen. Aber der Lärm stört schon sehr", moniert der Gastronom. Gerade die Plätze draußen seien momentan besonders wichtig, wegen der Pandemie. "Seit Jahren wird darüber diskutiert und ausgerechnet jetzt in dieser Zeit muss dort gebaut werden. Das verstehe ich nicht", bedauert Ricken. Auch bei der Anlieferungen gebe es Probleme.

Das gilt auch für die Nachbarn. Emre Günduz ist Leiter des Supermarktes an der Straßenecke. Auch er ist wenig begeistert von der Baustelle vor der Tür: "Es ist aber nicht so schlimm. Vorübergehend waren die Anlieferungen etwas schwierig, aber mittlerweile ist es besser geworden.

Frankfurt: Bauarbeiten für Aufzug im Westend – Verwunderung über unregelmäßige Bauarbeiten

Problematisch sei eher, dass seine Kundschaft keine Parkplätze mehr finde. "Die Leute schimpfen dann, weil sie zum Einkaufen deutlich länger brauchen", erzählt Günduz. Doch auch er wundert sich über die unregelmäßige Arbeit auf der Baustelle. "Da rührt sich teilweise über einen längeren Zeitraum gar nichts", berichtet der Marktleiter.

Die VGF äußert sich auf Anfrage detailliert zu den Beschwerden der Anlieger: "Zu Beginn möchte ich grundsätzlich werden: Aufzugsnachrüstungen sind nötig, um die Barrierefreiheit des öffentlichen Verkehrs für alle Kunden herzustellen. Barrierefreiheit ist nicht nur ein Ziel der VGF, sondern eine kompromisslose Forderung an uns durch die Frankfurter Politik und Interessenverbände, die auch lautstark formuliert wird", betont VGF-Sprecher Bernd Conrads. "Herstellen lässt sich eine Nachrüstung nur mit Bauarbeiten. Mit Baustellen sind immer Geräusche und Dreck verbunden, in Innenstädten auch Verkehrsbehinderungen."

Eine Verschiebung der Arbeiten sei keine Option gewesen, das wäre weder gegenüber Kunden, noch den Interessensverbänden oder der Politik erklärbar gewesen. "In der Regel wird von 7.30 Uhr bis 17 Uhr gearbeitet, freitags bis 14.30 Uhr. Meist werden die Arbeiten schon um 15 Uhr beendet, um Anwohnern und Gastronomie entgegen zu kommen. Aus demselben Grund wird an Feiertagen und Wochenenden ebenfalls nicht gearbeitet." Aktuell ruhten die Arbeiten aber voraussichtlich bis Mitte September. "Obwohl vorher die Grundwasserpegel geprüft wurden, ist die Baufirma auf Grundwasser gestoßen. Wasser abzupumpen und irgendwo einzuleiten, muss - auch bürokratisch einwandfrei - geklärt werden. Die zeitliche Verzögerung sollte aber aufzuholen sein." Bernd Conrads hat allerdings gute Nachrichten für die Anlieger: "Aushub und Bohrungen sind abgeschlossen. Es folgen die Betonschneidearbeiten in die Stationsdecke. Nach Abschluss der Rohbauarbeiten wird es wesentlich ruhiger auf der Baustelle. Die Montage des Aufzugs verursacht kaum Lärm." Das solle Mitte Oktober geschehen.

Frankfurt-Westend: Abschluss der Bauarbeiten im Januar

"Am 15. Januar ist die Fläche mit der Verkehrsinsel dann fertiggestellt. Die hierfür notwendigen Straßenbauarbeiten werden nochmals vom üblichen Straßenbaulärm begleitet. Restliche Arbeiten werden wiederum keinen Lärm verursachen." Mit der Fertigstellung des Aufzuges geht eine jahrelange Diskussion zu Ende. Bis Anfang 2020 hatten sich Bürgerinitiativen immer wieder mit Alternativvorschlägen eingebracht, da sie die Verkehrsinsel unter anderem als unsicher empfinden. Mit der U-Bahn-Station Westend sind dann bald alle innerstädtischen U-Bahn-Stationen barrierefrei erreichbar. Vom kommenden Montag an wird auch die Station Römerstadt ertüchtigt. (Niklas Mag)

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