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Gruselkiosk versetzt Nachbarschaft in Schrecken

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Von: Sabine Schramek

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Zum Fürchten süß (von links): Diego (5), Valentina (13) und Aurelia (3) feiern Halloween im Neighborhood-Kiosk.
Zum Fürchten süß (von links): Diego (5), Valentina (13) und Aurelia (3) feiern Halloween im Neighborhood-Kiosk. © Sauda, Enrico

Halloween-Party für alle Gespensterfans

Trockenes Laub vorm Verkaufstresen, blutige Hände, Geister, Hexen und Neon-Gruselgesichter bei Michael-Jackson-Musik, Ghost Busters und der Rocky-Horror-Picture-Show sind absolute Magneten, wenn Salvatore Cosenza (33) zum Halloween-Fest einlädt. Erwachsene Katzen mit Vampirzähnen, Kinder als Zombies und Geistervampire verkleidet schnitzen angestrengt Kürbisse, um auch vor dem Laden Gruselstimmung aufkommen zu lassen.

Aurelia (3) hat schon den Zombie-Walk einstudiert und tappst roboterhaft mit blutverschmiertem Gesicht durch den Kiosk, in dem die Regale voller Vampir-Lollies und anderen Grusel-Süßigkeiten sind. „Ich bin ein Zombie, aber ein lieber Zombie“, ruft Aurelia. Cosenza, den alle Salva nennen, nickt hinter seiner gruseligen Maske. „Ein sehr lieber Zombie“, stimmt er zu und lässt Nebelschwaden durch den Raum wabern.

Aus der Not geboren

„Es gibt viele unfreundliche Leute, da muss einfach Spaß her“, sagt der Mann im Dios de la Muerte-Kostüm. Da ihn jeder kennt, gefriert niemandem das Blut. „Du kannst gar nicht richtig gruselig sein“, meint eine Frau, die ein paar Getränke für zu Hause holt. Seit August vergangenen Jahres gibt es den Neighborhood-Kiosk in der Bruchfeldstraße. „Er ist eher aus der Not geboren“, erzählt Salva. Seine Frau Cynthia hat ein Kosmetikstudio. Als Corona kam, konnte der Laden nicht öffnen. „Alle Freunde haben uns geraten, einen Kiosk aufzumachen, damit wir überleben können“, sagt er. „Und jetzt sind wir hier. In der Nachbarschaft und mit der Nachbarschaft.“

Besonders gern mag er es, wenn Kinder vorbeikommen. Seine Kinder Diego (5), Giulia (12) und Valeria (13) lassen sich Halloween im Kiosk nicht entgehen und gruseln sich mit anderen Kindern, die unbedingt beim Kostümwettbewerb gewinnen wollen. Aurelia ist natürlich dabei und auch Filippa (9), die von ihrer 19-jährigen Schwester sorgfältig geschminkt und verkleidet wurde. Eine Vampirtasche in der Hand, eine Skeletthand auf den blonden Haaren, Blut, das aus der Unterlippe tropft und schwarz triefende Augen, die aus dem Schwarz in leuchtendem Blau hervorstechen. Ein kleiner Eimer, der wie ein geschnitzter Kürbis aussieht, voller Süßigkeiten ist der Preis für die tollsten Kostüme.

Ein DJ im Schaufenster

„Am Wochenende war es wilder“, gesteht Salva. „Da sind die Erwachsenen abends in Kostümen gekommen, wir hatten einen DJ im Schaufenster und es ist ganz schön gefeiert worden.“ Ein Youtube-Contest mit Mutigen, die freiwillig Lutscher und Schokolade mit Mehlwürmern essen oder lutschen, ist ebenfalls geplant. Gäste tanzen, das Licht wird runtergedreht, wilde Hexen glühen, während Normalkunden Kaffee, Getränke und Zigaretten einkaufen und über die wild verkleideten Kinder lachen. Wer mag, wird geschminkt. Grüne Geister, Fledermäuse und Raubtiere tauchen neben Mumien, Schädeln und Fantasiegestalten auf. Aurelia und Diego sind begeistert. „Später gehen wir noch durch die Straßen und gucken nach geschmückten Häusern und Süßigkeiten“, erzählen sie. Salva weiß von einem Arzt, der jedes Jahr sein Haus gruselig schmückt und Besucher im Gruselgarten empfängt. „Die Nachbarschaft hält hier einfach zusammen“, weiß er. Passanten lachen laut, als sie die leuchtenden Grusel-Deko-Figuren an den Schaufenstern sehen und die Kinder, die voll konzentriert Kürbisse bemalen, aushöhlen und Gesichter reinschnitzen. Salva zeigt ihnen, wie es geht und passt auf, dass sich kein Kind in die Finger schneidet.

Jeder, der vorbei kommt, lobt und lacht. „Das ist das, was wir sehen wollen. Lachende, freundliche und nette Menschen“, sagt der Inhaber und nimmt seine Maske ab, um sein Lächeln zu zeigen. „Dieses Jahr ist Halloween bald um, nächstes Jahr wird es noch wilder.“ Den Kindern, die gar nicht genug vom Feiern bekommen können, verrät er leise die nächste Überraschung. „Kommt an Nikolaus bei uns vorbei. Da kommt vielleicht der Nikolaus höchstpersönlich.“

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