Konditorin Rania Abosaada und May (12) bieten leckere Torte bei der Eröffnung des Projektes Ada-Kantine an.	foto: Leonhard hamerski
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Konditorin Rania Abosaada und May (12) bieten leckere Torte bei der Eröffnung des Projektes Ada-Kantine an. foto: Leonhard hamerski

Frankfurt: Projektstart

Günstig essen dank solidarischer Hilfe

  • vonGernot Gottwals
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Die Ada-Kantine hat auf dem Campus Bockenheim in der ehemaligen Akademie für Arbeit eröffnet

Bockenheim -Der Ruf eilte der Ada-Kantine voraus, daher haben sich Cornelia und Clara extra Zeit genommen, um die Eröffnung der neuen Kantine in der ehemaligen Akademie für Arbeit auf dem Campus Bockenheim zu feiern. "Ich wohne ja in einer anderen Gegend von Frankfurt, aber die Kohlroulade mit dem frischen Gemüse und der grünen Pfeffersoße, das war den Weg schon wert", sagt Cornelia. "Ich wohne in der Nähe und würde regelmäßig kommen, wenn die Stadt das Projekt finanziell unterstützt, damit es sich dauerhaft etablieren kann", unterstreicht Clara.

Am Samstag jedenfalls hat das Helferteam aus insgesamt rund 80 Ehrenamtlichen alle Hände voll zu tun, um die Eröffnungsfeier vorzubereiten und am ersten Mittagstisch rund 140 Portionen zu kochen. Der Andrang ist groß, die Portionen werden dann noch knapp, denn nicht nur Bedürftige und Freunde des Helferteams wollen sich das erste vegane Menü nicht entgehen lassen: Gemüsesuppe, Kohlroulade mit Linsenfüllung, Wirsing und Auberginen und Kirschen zum Nachtisch, gefolgt von einem bunten Kuchenbuffet und frischen Waffeln.

"Die Ada-Kantine ist ein Ort, an dem Anwohner, Punks, Künstler und Rentner zusammenkommen und für Menschen kochen, die Hunger, aber keine Kohle haben", bringt Lela Herder von der Künstlergruppe "Andpartnersincrime" die Motivation der Helfer auf den Punkt. Im Mittelpunkt stehe zwar auf jeden Fall das Essen, das die Küche größtenteils durch Spenden von Läden und Märkten erhalte, auch in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Tafel. "Wir wollen zeigen, dass wir veganes Essen gesund, nahrhaft und auch in großen Portionen zum kleinen Preis zubereiten können", betont Herder. Möglich macht dies auch ein Gemeinschaftsgarten, der nicht nur Rohmaterialien für die Küche liefert, sondern auch Heimwerker versammelt, die Gartenmöbel und Europaletten schreinern wollen.

2050 Euro Miete muss gestemmt werden

Stichwort Kosten: Köche, Servicekräfte, Musiker, bei ihnen spielt Geld am Tag der Eröffnung erst einmal keine Rolle. Aber selbst wenn Personalkosten entfallen und manche Lebensmittel doch hinzugekauft werden, könnten sich unter Berücksichtigung der Miete und Nebenkosten die Produktionskosten durchaus auf 3 bis 5 Euro pro Menü belaufen, rechnet die Administratorengruppe der Ada-Kantine vor.

"Wir setzen aber auf möglichst viele Geld- und Lebensmittelspenden, damit auch die bei uns zum Essen kommen, die das aus eigener Tasche nicht bezahlen können", betont Anette Mönich, Vorsitzende der Initiative Bockenheim, die die Ada-Kantine als Trägerverein zusammen mit Project Shelter FFM, Über den Tellerrand Frankfurt und dem Offenen Haus der Kulturen managt. Zu zahlen sind derzeit 2050 Euro Miete.

"Wir wollen die Vielfalt im Stadtteil fördern und haben für die ersten Monate eine Anschubhilfe von 4000 Euro gegeben", betont Axel Kaufmann (CDU), Ortsvorsteher im Ortsbeirat 2 (Westend, Bockenheim, Kuhwald). "Ich bin Stammgast in einer anderen Kantine, aber das ein oder andere Mal könnte ich hier doch vorbeischauen", meint Kaufmann.

Somit kann die Feier im Hof steigen: Fröhliche Party- und Folkloremusik aus aller Welt auf Akkordeon und Violine, dazu Kaffee und Kuchen satt und frisch gebackene Waffeln von Daniel Weiß. Doch eine kleine Sorge klingt in den Reden und Gespräche auf dem Hof doch an: Gestiegene Grundstückspreise und ein Erbbauzins von 2,5 Prozent. Durch sie könnte die Miete für die Bewohner, die über der Kantine im Ada-Haus einziehen sollen, auf umgerechnet bis zu 20 Euro pro Quadratmeter ansteigen.

Die Initiative "Wohnen in Ada" verweist auf ihren offenen Brief, der Ortsbeirat 1 auf seine Vorlage, in der der Magistrat aufgefordert ist, die Zinsen für geförderte Wohnprojekte wie das Ada auf 1,5 Prozent des Bodenwerts zu senken. "Bislang befürchten wir nicht, dass auch unsere Kantine von der höheren Erbpacht betroffen sein wird, zumal wir auf das Engagement der öffentlichen Hand setzen, um bei dieser Entwicklung gegenzusteuern", gibt sich Mönich zuversichtlich.

Und so sind auch Cornelia und Carla noch unter den Gästen der fröhlichen Party, als Weiß noch einmal nachlegt und die letzten duftenden Waffeln aus dem Waffeleisen holt. "Immer frisch und hausgemacht, knackig und knusprig", lautet seine Devise. Gernot Gottwals

Öffnungszeiten

Die Ada-Kantine ist vorerst donnerstags bis sonntags von 13 bis 15 Uhr geöffnet.

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